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dem Concilium zu Jeruſalem(Apoſt. Geſch. 15), und in vielen Stellen ſeiner Briefe, und ſo auch hier.„So beſtehet nun“, ſagt er im erſten Verſe unſeres Kapitels,„in der Freiheit, damit uns Chriſtus befreiet hat, und laſſet euch nicht wiederum in das knechtiſche Joch fangen.“ In Chriſto gilt nur(Vers 6)„der Glaube, der durch die Liebe thätig iſt“. Nun waren in den galatiſchen Gemeinden einige jener Irrlehrer, die ſagten, Paulus ſelbſt lehre, die Chriſten müßten das ganze jüdiſche Geſetz halten. Dieſen entgegen ſagt er an unſerer Stelle: Wenn ich das lehrte, ſo hätten ja die Juden, die mich um meiner Predigt von der Rechtfertigung durch den Glauben an den Ge⸗ kreuzigten, an der ſie ſich ärgern oder Anſtoß nehmen, ſo bitter verfolgen, keinen Grund mehr zu dieſer Verfolgung.
Argern iſt alſo in der Luther'ſchen Bibelüberſetzung überall nicht gleichbedeutend mit Verdruß verurſachen, zum Zorne reizen; ſondern es heißt: Einem Veranlaſſung geben, daß er ärger, ſchlechter werde, als er es bis dahin war. Dem entſprechend iſt die Bedeutung des Adjektivs ärgerlich und des Subſtantivs Argerniß.—
Beruf, berufen, Berufung.
1. Kor. 7, 20 leſen wir:„Ein Jeglicher bleibe in dem Beruf, darinnen er berufen iſt.“ Wenn man dieſe Stelle außer ihrem Zuſammenhange betrachtet, könnte man glauben, der Zweck des Apoſtels ſei, den Chriſten zu rathen, bei dem einmal ergriffenen bürgerlichen Gewerbe oder Erwerbs⸗ zweige zu bleiben und damit nicht zu wechſeln. Dieſen für die meiſten Fälle gewiß recht paſſenden Rath gibt wohl der verſtändige Jeſus Sirach(11, 20. 21). Bei Paulus aber iſt der eigentliche Sinn doch ein tieferer. Das griechiſche Wort, Asooo, von za*³erv, rufen, heißt Ruf.*) Gemeint iſt hier der Ruf, der von Gott, durch Chriſtus und ſeine Apoſtel, an die Menſchen ergangen iſt, der Ruf nämlich, daß ſie das Evangelium annehmen ſollen. Der Apoſtel Paulus führt nun in einem Theile unſeres Kapitels den Gedanken durch, für die Befolgung oder Beachtung dieſes Rufes ſei die äußere Lage, in der man ſich befinde, nicht weſentlich; es liege alſo in der Berufung kein Grund, dieſe äußere Lage zu ändern; wenn alſo keine andern Gründe vorhanden ſeien,**) möge man nur in der äußeren Lage, in der man den göttlichen Ruf erhalten, verbleiben, man möge nicht willkürlich aus ihr heraustreten. Eine ſolche Mahnung ſchien dem Apoſtel nöthig; denn es mochten manche der neuen Chriſten, die ja die Weiſung empfingen,„den alten Menſchen abzulegen und den
*) Bei Sirach findet ſich an der angeführten Stelle das Wort*XLotg nicht; Vs. 20 heißen die Worte, die Luther mit„beharre in deinem Beruf“ überſetzt, im Griechiſchen: 8 8 ρ mτααα⁴ᷣπσσι(V.: in opere man- datorum tuorum veterasce.— A.: werde alt bei dem Werk, das man dir auferlegt hat). Vs. 21 Luther:„Bleibe in deinem Beruf.“ Gr.: à ½εεν⁸ 1 6-ov(bei deiner Arbeit).— V.: mane in loco tuo.— A.: bleib an deinem Platze.
Die Stellen aus Sirach ſind gar nicht ſo, wie es häufig angeſehen wird, als Parallelſtellen zu 1. Kor. 7 zu betrachten.
Das Wort z1ſots heißt in der klaſſiſchen griechiſchen Sprache niemals das Amt oder das Geſchäft.— Für «Anous hat in den weiterhin angeführten neuteſtamentlichen Stellen V. überall vocatio, F. meiſt vocation, E. faſt überall calling, nur einmal(Eph. 4, 1) vocation, A. Beruf, Berufung, Ruf.
**) Dieſer Gedanke iſt allerdings nicht ausgeſprochen.


