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wohner der Stadt entſetzen ſich, fragen:„Iſt er nicht eines Zimmermanns Sohn? Hieißt nicht ſeine Mutter Maria? und ſeine Brüder Jakob u. ſ. w.) Woher kommt ihm denn das Alles?“ „Und,“ heißt es weiter Vers 57,„ärgerten ſich an ihm.“ Hier haben wir wieder, wie in allen betreffenden Stellen des N. T., dasſelbe griechiſche Wort; es iſt aber vielleicht nicht ganz in der ſtrengen Bedeutung zu faſſen, wie an den andern Stellen. Sie wurden irre an ihm, ſie ſtießen ſich daran, daß er nicht etwa aus weiter Ferne kam und mit großem Gepränge auftrat. Dies ver⸗ hinderte ſie allerdings, ihm Glauben zu ſchenken und ſeine Lehren, die er zu ihrem Heile ihnen geben wollte, anzunehmen.
Nach dem Paſſahmahle(Matth. 26) ging Jeſus mit ſeinen Jüngern an den Olberg. Da ſprach er zu ihnen(Vers 31):„In dieſer Nacht werdet ihr euch alle ärgern an mir.“ Und mit Hinweiſung auf Zach. 13, 7 fügte er hinzu:„Denn es ſtehet geſchrieben, ich werde den Hirten ſchlagen, und die Schafe der Herde werden ſich zerſtreuen.“ Der raſche, feurige Petrus, der ſeiner Liebe zu dem Herrn gewiß zu ſein glaubte, aber ſeine eigene ſittliche Kraft, die noch nicht in Anfechtung erprobt war, überſchätzte, ſagte(Vers 33):„Wenn ſie ſich auch Alle an dir ärgerten, ſo will ich doch mich nimmermehr ärgern.“ Jeſus, der die Schwäche ſeiner Jünger, die noch auf Irdiſches hofften, ſich alſo auch vor Irdiſchem fürchteten, wohl kannte, ſagte ihnen voraus, das, was ihm in dieſer Nacht begegne, werde ihnen zum Falle gereichen,*) werde ihnen Veranlaſſung ſein, daß ſie im Glauben an ihn wankend würden.
1. Kor. 8, 13:„So die Speiſe meinen Bruder ärgert, wollte ich nimmermehr Fleiſch eſſen, auf daß ich meinen Bruder nicht ärgerte.“
Unter den Gliedern der Gemeinde zu Korinth gab es in manchen Dingen verſchiedene An⸗ ſichten(vgl. 1. Kor. 1, 10—13); manche der korinthiſchen Chriſten dachten und handelten freier, andere waren ängſtlicher. Als ſich nun Paulus in Epheſus aufhielt, kamen zu ihm Abgeſandte von Korinth, mit einem Briefe, in welchem mancherlei Fragen an ihn geſtellt waren mit Bezug auf die Punkte, in welchen die verſchiedenen Parteien von einander abwichen. Unter dieſen Fragen war auch die, ob es Chriſten erlaubt ſei, Fleiſch von einem Thiere, von welchem Einiges den heidniſchen Cötzen geopfert worden ſei, zu eſſen. Die Frage ging von den Freieren aus und ſie gebrauchten dabei ohne Zweifel den Ausdruck:„Wir wiſſen“(1. Kor. 8, 1. 4),„daß ein CGötze nichts in der Welt ſei.“ Sie folgerten wohl weiter:„Da ein Götze nichts iſt, nicht wirklich exiſtirt, ſo hat es auch keine Be⸗ deutung, wenn einem ſolchen Nichts zu Ehren etwas Fleiſch verbrannt wird; der andere Theil des Fleiſches von demſelben Thiere iſt nichts mehr und nichts weniger als gewöhnliches Fleiſch, und das darf man eſſen, ganz ohne Rückſicht darauf, daß Heiden einen Theil vom Fleiſche desſelben Thieres ihren vermeintlichen Götzen zu Ehren geopfert oder verbrannt haben.“ Sie glaubten wohl der Zuſtimmung des Apoſtels gewiß zu ſein, der für ſeine Perſon ſich in dieſem wie in andern Punkten, die z. B. das Feſthalten am jüdiſchen Ceremonialgeſetze betrafen, offen zu der freieren Anſicht bekannte(vgl. Röm. 14, 14. 20. 22). Paulus aber tadelt ſie, inſofern ſie mit ihrem„Wiſſen“ ſich über die Andern erheben wollen(1. Kor. 8, 1); er ſagt(Vers 8):„Die Speiſe fördert uns nicht vor Gott. Eſſen
*) F.: Vers 31: Je vous serai cette nuit à tous une occasion de chute. Doch Vers 33: quand méme tous les autres se scandaliseraient en toi, je ne serai jamais scandalisé.— Beſſer iſt es, wenn die gleichen Ausdrücke Vers 31 und Vers 33 auch durch gleiche in der Überſetzung wiedergegeben werden; ſo V.: scan- dalum patiemini, scandalizati fuerint, scandalizabor; E.: be offended; A.: ärgern.


