Aufsatz 
Zur Erklärung einiger Ausdrücke in unsern Ausgaben der Luther'schen Bibelübersetzung / vom Oberlehrer [d.i. Friedrich August Finger ]
Entstehung
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nach dem Wohlgefallen ſeines Willens,(Vers 6) zu Lobe ſeiner herrlichen Gnade, durch welche er uns hat angenehm gemacht in dem Geliebten. Auch hier würde der Sinn paſſen:Er hat uns durch Chriſtus zu Solchen gemacht, die er annehmen will. Aber das griechiſche Wort,&xαοανοοσeευν, heißt:Er hat uns begnadigt.*) Dennoch iſt der eigentliche Sinn derſelbe; denn wen Gott be⸗ gnadigt hat, den will er auch zu ſeinem Kinde annehmen.

Faſſen wir noch einmal das Geſagte zuſammen. Angenehm wird in der Bibel in der Regel ein Solcher genannt, der(meiſt von Gott) gerne, wenn er ſelbſt nur will, angenommen wird. Das griechiſche Wort, Rexrds oder, verſtärkt, errpösdeæros, hängt zuſammen mit dem Verbum e. ⁸ouat, das, entweder einfach oder mit Präpoſitionen zuſammengeſetzt, an mehreren Stellen des N. T. ſteht, wo es Luther durch annehmen oder aufnehmen überſetzt; z. B. Matth. 10, 14; Matth. 10, 40(Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf u. ſ. w.); Luk. 9, 48(Wer das Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf u. ſ. w.); 2. Kor. 6, 17; 1. Tim. 5, 19. Johannes hat in ganz ähnlicher Bedeutung 2aα.ᷣααeνρ(Joh. 1, 12:Wie viel ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu heißen. 3, 33; 1. Joh. 5, 9:So wir der Menſchen Zeugniß annehmen, ſo iſt Gottes Zeugniß größer.), das wir in der Zuſammenſetzung mit ⁴G auch Matth. 24, 40 und Kol. 2, 6 und in der Zuſammenſetzung mit90⸗6 Röm. 14, 1 finden.

ärgern, ärgerlich, ärgerniß.

Im achtzehnten Kapitel von Matthäus leſen wir, daß die Jünger, damals noch ganz be⸗ fangen von der Hoffnung auf ein irdiſches Reich, den Herrn fragten, wer von ihnen der größte im Himmelreiche(worunter ſie eben doch nur ein irdiſches Reich verſtanden) ſein werde. Jeſus rief ein Kind zu ſich und ſtellte es mitten unter ſie und ſprach:Wahrlich, ich ſage euch, es ſei denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder(womit übrigens nicht, wie wir beiläufig bemerken wollen, auf die ſogenannte Unſchuld der Kinder hingedeutet wird, ſondern auf den kindlichen Glauben, das argloſe Vertrauen),ſo werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Als nun dann vielleicht die Jünger mit einer Art von Geringſchätzung auf das Kind ſahen, ſagt er(Vers 6): Wer aber ärgert dieſer geringſten einen, die an mich glauben, dem wäre beſſer, daß ein Mühlſtein an ſeinen Hals gehänget würde und er erſäufet würde im Meer, da es am tiefſten iſt. Alſo es wäre ihm beſſer, daß er getödtet würde, damit er nicht, im Ärgern der Kinder fortfahrend, immer ſchwerere Schuld auf ſich häufe.

Es mag wohl ſein, daß Mancher, nachdem er dieſe Worte geleſen oder gehört, bei ſich gedacht hat, eine ſolche Verwünſchung ſei doch gewiß zu ſtark für ein ſo kleines Vergehen. Er nahm das Wort ärgern in dem Sinne, in dem es jetzt gewöhnlich gebraucht wird, nämlich faſt gleich⸗ bedeutend mit necken, reizen, Verdruß erregen. Hiervon iſt aber an unſerer Stelle nicht die Rede. Das griechiſche Wort(ναααεεεν) bedeutet eigentlich: Einem eine Falle ſtellen, in der er ſeinen Fuß fängt. Das Subſtantiv, von dem dieſes Verbum abgeleitet iſt(ννσα)=, und das

*) Näher als Luther bleibt hier dem Grundtexte V.: gratificavit und A.: begnadigt hat. F.: sa grâce, qu'il nous a gratuitement accordée en son Fils bien-aimé. E.: he hath made us accepted in the beloved.