Aufsatz 
Zur Erklärung einiger Ausdrücke in unsern Ausgaben der Luther'schen Bibelübersetzung / vom Oberlehrer [d.i. Friedrich August Finger ]
Entstehung
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Dasſelbe griechiſche Wort, er⸗deæros, findet ſich 2. Kor. S, 12 und 1. Petr. 2, 5.

Im achten Kapitel ſeines zweiten Briefes ermahnt Paulus die Korinther zur Sammlung von Gaben für die Armen in Paläſtina; jeder möge geben nach ſeinem Vermögen.*) Vers 12 ſetzt er dann hinzu:Denn ſo einer willig iſt, ſo iſt er angenehm, nachdem er hat, nicht nach dem er nicht hat, d. h. bei der Annahme ſeiner Gabe wird ſeine Willigkeit berückſichtigt, wenn auch, bei geringem Vermögen, ſeine Gabe nicht groß iſt.

Im zweiten Kapitel ſeines erſten Briefes wendet Petrus einen bildlichen Ausdruck aus Pſ. 118, 22(Der Stein, den die Bauleute verworfen, iſt zum Eckſtein worden), wie dies öfters im N. T. geſchieht(vgl. Matth. 21, 42; Ap. Geſch. 4, 11; Eph. 2, 20), auf Chriſtus an. Dann fährt er(Vers 5) fort:Und auch ihr, als die lebendigen Steine,*) bauet euch zum geiſtlichen Hauſe und zum heiligen Prieſterthum, zu opfern geiſtliche Opfer, die Gott angenehm ſind, d. h. die Gott gnädig annehmen will.

Mit Bezug auf Opfer findet ſich in unſerer Überſetzung das Wort angenehm an einigen altteſtamentlichen Stellen(3. Moſ. 1, 3. 4; 7, 18; 19, 7). Auch hier iſt der Sinn der, daß Gott die Opfer, wenn ſie auf die rechte Weiſe dargebracht ſind, annehmen, daß er den Menſchen, die ſie ihm darbringen, gnädig ſein will. Im Hebräiſchen haben wir an all dieſen Stellen Wörter vom Stamme 95), wie oben bei Jeſ. 61, 2 und 49, 8.

Gleichfalls von demſelben Stamme iſt das betreffende Wort 5. Moſ. 33, 24. Jakob ſegnet ſeinen Sohn Aſſer und ſagt dabei:Er ſei angenehm ſeinen Brüdern.***)

Die bekannteſte altteſtamentliche Stelle, in welcher angenehm vorkommt, ſteht 1. Moſ. 4, 7. Dem Kain wird da geſagt:Wenn du fromm biſt, ſo biſt du angenehm; biſt du aber nicht fromm, ſo ruhet die Sünde vor der Thür. Auch hier würde der Sinnſo will dich Gott annehmen recht gut paſſen. Der Grundtext hat aber allerdings ein Wort von ganz anderm Stamme, das am wahrſcheinlichſten gedeutet wird durchErhebung des Angeſichts; ſo daß alſo der Sinn wäre: Wenn du fromm biſt, darfſt du frei dein Angeſicht erheben.) Allerdings darf das nur wieder der, der da weiß, daß Gott ihm gnädig iſt und ihn annehmen will; und ſo iſt doch die Luther'ſche Überſetzung(ebenſo F. und E.) dem Gedanken nach dem Grundtexte entſprechend.

Auch im N. T. findet ſich an einer Stelle, wo Lutherangenehm hat, im Grundtexte ein Wort von ganz anderem Stamme als bei den übrigen Stellen; nämlich Eph. 1, 6. Paulus beginnt, wie faſt in allen Briefen, die er an Gemeinden richtet(nur der Brief an die Galater macht hierin eine in dem Zuſtande dieſer Gemeinde begründete Ausnahme), nach dem Gruße mit Dank gegen Gott. Erhat uns(Vers 5) verordnet zur Kindſchaft gegen ihn ſelbſt, durch Jeſum Chriſtum,

*) Vers II:&x roν 5ery; Luther: von dem, das ihr habt. V.: ex eo quod habetis. F.: selon vos moyens. E.: out of that which ye have. A.: gemäß dem, was ihr habet.

**) Ebenſo wird von Paulus 1. Kor. 3, 9 und Eph. 2, 20 die chriſtliche Gemeinde mit einem Gebäude verglichen.

***) V.: sit placens fratribus suis; F.: il sera agréable à ses frères; E.: let him be acceptable to his brethren; A.: das Wohlgefallen ſeiner Brüder.

) Der Luther'ſchen Überſetzung entſpricht F.: ne sera-t-il pas regu? und E.: shalt thou not be accepted? Einen anderen Sinn, den ich nicht gerne als richtig erkennen möchte, gibt V.: Nonne si bene egeris, recipies(das Objekt fehlt) und A.: Wenn du Gutes thuſt, erhältſt du Lohn.