Aufsatz 
Zur Erklärung einiger Ausdrücke in unsern Ausgaben der Luther'schen Bibelübersetzung / vom Oberlehrer [d.i. Friedrich August Finger ]
Entstehung
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nämlich weitere Belehrung; er erzählte ihm von Chriſtus und ſagte ihm von der Bergebung der

Sünden, die wir durch den Glauben an ihn erlangen. Das war es, was Cornelius wollte. Hätte ihm Petrus geſagt, er ſei ja, da er Gott fürchte und recht thue, Gott wohlgefällig, er bedürfe alſo nichts weiter zu ſeiner Belehrung, ſo wäre ich wiederhole dies Cornelius mit Recht

damit nicht zufrieden geweſen...

Angenehm heißt alſo hier, wie wir ſehen, nicht ſo viel als angenommen, ſondern an⸗ nehmbar. Was dem Petrus jetzt klar geworden, iſt, daß Gott alle Menſchen, und nicht bloß etwa das Volk der Juden, annehmen, an der Erlöſung theilnehmen laſſen will, wobei es dann nur noch auf die Menſchen ankommt, ob auch ſie von Gott angenommen ſein wollen.

Dasſelbe griechiſche Wort wie an unſerer Stelle finden wir Luk. 4, 19. Jeſus kommt nach Nazareth, geht in die Schule, lieſt dort aus Jeſajas(Cap. 61):Der Geiſt des Herrn iſt bei mir, derhalben er mich geſalbet hat, und geſandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen,... und zu predigen das angenehme Jahr des Herrn. Er wendet dieſe Worte auf ſich an und ſagt (Vers 21):Heute iſt die Schrift erfüllet vor euren Ohren.

Wenn wir die Stelle in Jeſajas ſelbſt aufſchlagen, ſo finden wir nicht ganz dieſelben Worte wie hier. Im N. T. werden häufig Ausſprüche des A. T. nicht wörtlich, ſondern bloß dem Sinne nach angeführt. So auch hier. Jeſajas ſagt:Zu predigen ein gnädiges Jahr des Herrrn.(Hebr. ſSd*). Die Worte des Jeſajas lauten ſo, daß ſeine Zeitgenoſſen wohl an das jüdiſche Jubeljahr oder Halljahr(je das fünfzigſte; vgl. 3. Moſ. 25) denken konnten, in welchem der Verarmte wieder zu ſeinem Beſitze, der Leibeigene wieder zu ſeiner Freiheit kam. Sie ſind aber bei Jeſajas geiſtiger zu faſſen, und ebenſo, oder vielmehr noch in höherem Maße, bei Jeſus.Das gnädige Jahr, das Jahr, in dem Gott Gnade erweiſen will;das angenehme Jahr, das Jahr, in welchem Gott die Menſchen annehmen will.Heute, ſagt Jeſus den Bewohnern der Stadt, in der er den größten Theil ſeiner Jugend verlebt hat,iſt dieſe Schrift erfüllet vor euren Ohren, d. h. jetzt iſt die Zeit, da Gott euch durch mich die Gelegenheit bietet, von ihm als ſeine Kinder angenommen zu werden. Die Nazarener glaubten ihm nicht. Da ſagte er(Vers 24; auch hier ſteht im Griechiſchen dasſelbe Wort):Kein Prophet iſt angenehm in ſeinem Vaterlande, d. h. es wird, was er ſagt, nicht angenommen, es wird ihm nicht Glauben geſchenkt. Bei Matthäus (13, 57) heißen Jeſu Worte:Ein Prophet gilt nirgend weniger, denn in ſeinem Vaterlande und in ſeinem Hauſe.

Auf Jeſ. 49, 8 bezieht ſich 2. Kor. 6, 2. Auch hier leſen wir bei Jeſajas:Ich habe dich erhöret zur gnädigen Zeit(Hebr. ſ= Hy),*) dagegen bei Paulus;Ich habe dich in der angenehmen Zeit(2αG mεαισ⁵ε) erhöret. Die Bedeutung iſt wieder dieſelbe wie oben: die Zeit, da Gott in ſeiner Gnade den Menſchen Gelegenheit bietet, von ihm ſich annehmen zu laſſen. Paulus ſetzt, wie einſtens Jeſus den Nazarenern, den Korinthern hinzu:Jetzt iſt die angenehme Zeit, jetzt iſt der Tag des Heils. Hier ſteht im Griechiſchen ein noch ſtärkeres Wort, sdrrosdezros, ſo daß die Stelle erklärt werden könnte:Jetzt iſt die Zeit, in welcher euch Gott ſehr gerne an⸗ nehmen will.

*) Durchangenehme Zeit überſetzt Luther denſelben hebräiſchen Ausdruck in Pſ. 69, 14:Ich aber bete, Herr, zu dir zur angenehmen Zeit.