Aufsatz 
Zur Erklärung einiger Ausdrücke in unsern Ausgaben der Luther'schen Bibelübersetzung / vom Oberlehrer [d.i. Friedrich August Finger ]
Entstehung
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in Joppe auf und wirkte dort für Ausbreitung der neuen Lehre.*) Er that es nur unter Juden, denn er war noch befangen in der Meinung, der Erlöſer ſei nur für das auserwählte Volk der Juden gekommen. Eine Erſcheinung ließ ihn ahnen, daß ſeine Anſicht eine zu enge geweſen ſei: ein Tuch mit Thieren, die den Juden als unreine galten, ward zu ihm herabgelaſſen, es wurde ihm die Weiſung, von ihnen zu eſſen. In der Meinung nun, es ſolle ſeine Geſetzlichkeit auf die Probe geſtellt werden, weigerte er ſich, indem er ſagte:Ich habe noch nie etwas Gemeines noch Unreines gegeſſen. Darauf hörte er eine Stimme rufen:Was Gott gereinigt hat, das mache du nicht gemein; d. h. das halte du nicht für gemein oder unrein. Während nun Petrus über die Bedeu⸗ tung dieſes Wortes nachdachte, von dem er wohl ſogleich vermuthete, daß es ſich nicht bloß auf das Eſſen von Thieren beziehe, kamen einige Männer, die Cornelius zu ihm geſchickt hatte, um ihn zu ſich nach Cäſarea zu rufen, damit er ihm(Vers 9) ſage, was er thun ſolle. Cornelius gehörte offenbar zu denjenigen unter den gebildeten Heiden, die, während die meiſten derſelben mit dem Glauben an ihre Götter allen und jeden religiöſen Glauben weggeworfen hatten, ſich nach wahrer Erkenntniß, die auch eine Richtſchnur ihres Lebens ſein ſollte, ſehnten. Zur römiſchen Beſatzung von Cäſarea gehörig, hatte er die jüdiſche Religion kennen gelernt; er war(Vers 2)gottesfürchtig, er betete zu dem Einen Gotte, er bewährte ſeinen Glauben an dieſen Einen Gott dadurch, daß er den Armen des Volkes, unter welchem er dieſen Glauben gewonnen hatte, reichliche Almoſen gab. Aber ruhig in ſeiner Seele war er noch nicht. Durch höhere Weiſung bewogen, ſchickte er zu Petrus, um von ihm zu hören,was er thun ſolle(Vs. 6). Als Petrus zu ihm kam, entſchuldigte ſich dieſer gleichſam, daß er, was für einen Juden ein ungewohntes Ding ſei, zu einem Heiden eingehe, und ſagte:Aber Gott hat mir gezeigt, keinen Menſchen gemein oder unrein zu heißen. Er war ſich alſo damals bereits klar darüber, daß das Wort, das er gehört, nicht bloß von Thieren zu verſtehen ſei, ſondern auch von Menſchen. Nun ſprach Cornelius und zeigte ſein Verlangen nach höherer Erkenntniß. Als Petrus dies hörte, und als er ſah, wie ernſt es Cornelius meinte, ſagte er:Nun erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Perſon nicht anſieht, ſondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht thut, der iſt ihm angenehm. Er drückte damit aus, daß eine neue Erkenntniß in ihm aufgegangen ſei. Früher hatte er gemeint, Gott ſehe die Perſon an, d. h. Gott wolle nur die Juden, das auserwählte Volk, zu ſich führen und als die Seinigen annehmen; die Erſcheinung mit dem Tuche und der Ruf, den er vernommen, hatte ſeine Meinung erſchüttert; die Sendung des Cornelius hatte dies noch mehr gethan; jetzt aber, da er Cornelius ſelbſt hörte, erfuhr er in Wahr⸗ heit, erfuhr er durch einen einzelnen, beſtimmten Fall, daß ſeine alte Meinung eine zu beſchränkte, eine irrige war, erfuhr er, daß Gott Menſchen aus jedem Volke(in allerlei Volk) annehmen will, daß ihm jeder Menſch annehmbar(gr. exr⁴) iſt, der ſelbſt angenommen ſein will. Dazu iſt aber von Seiten des Menſchen zweierlei nöthig, erſtens daß er Gott fürchte(denn wer das nicht thut, der will natürlich auch nicht von Gott angenommen ſein), und zweitens, daß er dies auch durch die That bezeuge, daß er recht thue oder wenigſteus ſich ernſtlich bemühe recht zu thun(denn bei wem dies nicht der Fall iſt, deſſen Gottesfurcht iſt keine wahre, iſt nur Heuchelei). Wo nun dieſe beiden Bedingungen vorhanden ſind, da iſt ein Menſch, gleichviel aus welchem Volke, Gott angenehm, d. h. da will ihn Gott annehmen. Petrus gab nun dem Cornelius, was dieſer ſehnlich wünſchte,

*) Vgl. hierzu Apoſt. Geſch. 10.