Aufsatz 
Zur Erklärung einiger Ausdrücke in unsern Ausgaben der Luther'schen Bibelübersetzung / vom Oberlehrer [d.i. Friedrich August Finger ]
Entstehung
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wichtig, daß dies vermieden werde. Vermieden wird es durch genaues Eingehen auf die Bedeutung der Wörter in den einzelnen Stellen; wobei allerdings nicht nur auf den deutſchen Sprachgebrauch zu Luther's Zeit, ſondern auch auf die Sprachen des Grundtextes zurückgegangen werden muß.

Es ſoll in dieſem Schriftchen verſucht werden, eine Probe von ſolchem Eingehen auf die wahre Bedeutung einiger in unſrer Bibelüberſetzung häufig vorkommenden Wörter zu geben. Gelehrten Theologen ſoll und kann natürlich damit nichts Neues geboten werden. Es iſt mir genug, wenn ich Andere, namentlich auch manche meiner Berufsgenoſſen, anrege zu prüfen, ob das hier Geſagte richtig ſei.

Angenehm(annehmen, aufnehmen).

Angenehm wird heutzutage hauptſächlich dasjenige genannt, was unmittelbar den Sinnen oder durch ſie der Seele gefällt. So ſpricht man von einem Menſchen von angenehmen Geſichts⸗ zügen, von der angenehmen Weiſe eines Liedes, von dem angenehmen Geruche einer Blume, von einer angenehmen Frühlingsluft; dann auch von einem Menſchen von angenehmen Sitten, von angenehmer Umgangsweiſe.

Dem Angenehmen entgegengeſetzt iſt das Unangenehme, oder das, was auf die Sinne oder die Seele einen üblen Eindruck macht, wie denn dies bei manchen Farbenzuſammenſtellungen, Tönen, Gerüchen, bei mancher Witterung, bei mancher Weiſe des Umgangs der Fall ſein kann.

Wollten wir aber dieſen Sinn des Wortes angenehm in unſerer Bibelüberſetzung zu finden glauben, ſo würden wir manche Stelle doch nicht im richtigen Sinne faſſen.

Eine der bekannteſten von den bibliſchen Stellen, in welchen unſer Wort vorkommt, iſt Ap. Geſch. 10, 35:In allerlei Volk, wer ihn(Gott) fürchtet und recht thut, der iſt ihm angenehm. Wollte man hier unſer Wort in der gewöhnlichen Bedeutung faſſen, ſo könnte man ſtatt des letzten Satzes ſetzen:An dem hat Gott Wohlgefallen; und man könnte dann weiter folgern:Der iſt, wie er ſein ſoll; der bedarf, um ſich das Wohlgefallen Gottes zu erhalten, nichts weiter; der mag nur ſo bleiben, wie er iſt. Und in der That iſt dieſer Ausſpruch manchmal ſo verſtanden worden. Es hat wohl jemand, indem er das Angeführte auf ſich anwendete, etwa folgendermaßen geſagt:Ich gehöre nicht zu denjenigen, die das Daſein Gottes leugnen; ich glaube an Gott; ich thue auch recht, es kann mir niemand etwas Böſes nachſagen; alſo bin ich Gott angenehm und bedarf, um mir ſein Wohlgefallen zu erhalten, nichts weiter; und wenn man mir von Buße, von Umkehr, von Selbſt⸗ verleugnung ſprechen will und ſich dabei auf die Bibel beruft, ſo berufe ich mich dagegen auf dieſelbe Bibel, wo hier Petrus mit klaren Worten ſagt, dazu, daß man Gott angenehm ſei, gehöre nichts weiter als daß man ihn fürchte und recht thue.

Mit dieſer Erklärung wäre aber der Mann ſelbſt, um den es ſich zunächſt hier handelt, nämlich der römiſche Hauptmann Cornelius, durchaus nicht befriedigt geweſen. Sie iſt auch nicht die richtige. Dies wird ſich deutlich ergeben, wenn wir betrachten, wie Petrus zu dieſem Aus⸗ ſpruche kommt.

Petrus hielt ſich, es war etwa drei Jahre nach der Gründung der chriſtlichen Gemeinde,