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leihen, als auch im allgemeinen bei der Erziehung. Vor allem wird dadurch auch leichter ein Viellesen verhütet.
Alle die bisner genannten Maßnahmen umschließend und sie gleichsam durchdringend muß eine tägliche, scharfe Beobachtung der einzelnen Schüler in ihrem Benehmen in der Klasse, auf dem Flur und dem Schulhofe stattfinden, die mit voranschreitendem Alter der Schüler immer unauffälliger wird, um einer selbständigen Entwick- lung des Schülers genügend freien Spielraum zu lassen. Etwa auf- tretende Ubelstände werden sofort abgeschafft; die gemachten oder beobachteten Ausstellungen am äußeren Verhaten werden vom Leh- rer gesammelt und bei einer jährlich etwa viermal wiederholten, im Plauderton unmittelbar nach den Schulferien gegebenen Anweisung über gutes Benehmen zur Erziehung der Schüler verwertet. Diese Erziehung zu guter Sitte und Wohlanstand vermindert bedeutend die Gefahr eines verhängnisvollen Einflusses schlechter Bücher. Dem der Klasse anerzogenen Geiste passen sich die„Zweijährigen“ und im Laufe der Zeit Neueintretenden bei rechter und sorgfältiger Be- handlung durch den Lehrer meist ohne Schwierigkeit an.
Empfehlenswert ist es, den Schülern einer Klasse aufzugeben, sich nach Möglichkeit auf den Verkehr mit ihren Klassengenossen zu beschränken; dadurch wird der Gefahr einer Ansteckung mit Schundliteratur durch Schüler anderer Klassen einigermaßen vorge- beugt und das Gefühl der Zusammengehörigkeit in gemeinsamem ehrlichen Streben nach Wissen und Wohlerzogenheit gestärkt.
An dieser Stelle möge besonders darauf hingewiesen werden, wie wichtig für die Eltern die Beobachtung und Behand- lung ihres Kindes in den Entwicklungsjahren ist. Die außerordent- liche Verschlossenheit, die sich in dieser Zeit bei den heranwachsen- den Knaben gegen jedermann, auch gegen die Eltern zeigt, kann von diesen nur durch eine verständnisvolle, ruhige Behandlung ge- mildert werden. Durch diese müssen sich die Eltern das Vertrauen ihres Kindes zu erwerben suchen, damit sein Inneres sich ihnen erschließt, und der Junge dadurch vor Irr- und Abwegen bewahrt bleibt. Sie werden ihrem Kinde um so leichter über diese wichtige Entwicklungszeit hinüberhelfen, wenn sie ihm neben einer sorgfältig ausgewählten Lektüre reichliche Gelegenheit zu körperlicher Be- tätigung in Sport und Spiel geben. Ein rechtzeitiger Hinweis auf die schwierige Periode und auf die Behandlung des Kindes während derselben seitens des Lehrers wird von den Eltern sicherlich dankbar empfunden werden.
Schließlich möchte ich die Eltern noch auf einen wichtigen Punkt hinweisen, der auch auf dem dritten Verbandstage akademisch gebildeter Lehrer Deutschlands im März 1910 zur Sprache kami). Dort wies Direktor Dr. Beber-Marne in seinem Vortrage über die
¹) Vgl. Mitteilungen des Vereinsverbandes ak. geb. Lehrer Deutschlands No. 16, Halle a. S. Juni 1910, S. 11.


