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gehend über diese wichtige Frage auf; sie zeigte ihnen bei dieser Gelegenheit im Bilde und in einer reichhaltigen Schundhefte- Sammlung die Gefährlichkeit und Verderbtheit des literarischen Schundes; als Gegenstück hatte sie eine reichhaltige Ausstellun 9 guter, billiger Schriften veranstaltet. Ferner übergab sie den Eltern als Beilage zum Osterprogramm 1900 eine eingehende Abhandlung überdie Schundliteratur und gute Lek- türe. Weiterhin suchte sie die in der näheren und entfernteren Umgebung der Schule liegenden und für ihre Schüler in betracht kommenden Schreibwarenläden auf und bestimmte die mei- sten Inhaber, den Schund abzuschaffen und gesunde, billige Lektüre feil zu halten. In bestimmten Zwischenräumen wurden und werden diese Geschäfte auf das Vorhandensein von Schundliteratur von der Schule revidiert. Einige Wochen vor Weihnachten läßt die Anstalt alljährlich Verzeichnisse guter, für alle Alters- stufen der Jugend geeigneter Lektüre an ihre Schüler verteilen. Sie machte sich ferner die Bestrebungen des Frankfurter Verbandes zum Schutze der jugend gegen die Schund- literatur im Interesse ihrer Schüler zu nutze. Zwei Maßnahmen des Verbandes von großer Bedeutung für die Schule seien be- sonders genannt: Die Reinigung aller Zeitungskioske der Stadt von der Schundliteratur, sowie ein an alle Schulen übersandtes Verzeich- nis der Buch- und Schreibwarenhändler, welche sich dem Verbande gegenüber durch Unterschrift verpflichtet haben, keine Schund- literatur zu verkaufen. Die Schülerbibliotheken der einzelnen Klassen der Anstalt endlich sind sehr reichhaltig; alle ihre Bände sind unter sorgfältigster Prüfung und gewissenhafter Berücksich- ligung der verschiedenen Entwicklungsstufen und mannigfaltigen Anlagen der Knaben ausgesucht; ihre Benutzung war und ist immer sehr rege.
Und alle diese Maßregeln, so fragt man unwillkürlich, konnten die Schüler der Untersekunda nicht in günstiger Weise beeinflussen?
Schon bei Beginn meiner Untersuchungen über die Verbreitung der Schundliteratur im Jahre 1907 konnte ich feststellen, daß diese Seuche nicht etwa alle Klassen gleichmäßig angesteckt hatte; es fanden sich vielmehr in einzelnen Klassen Seuchenherde, die— von dem einen oder anderen für den Schund begeisterten Schüler ausgehend— die übrige Klasse mehr oder minder, je nach Erziehung und Veranlagung der einzelnen Schüler, angesteckt hatte. Die Auf- hebung des Seuchenherdes führte nach den gemachten Beobach- tungen zur Reinigung der ganzen Klasse.
Bei der Verfolgung der schlechten Schülerlektüre erhebt sich für den Lehrer in den mittleren Klassen eine große, nur außerordent- lich schwer zu überwindende Schwierigkeit: Altere und gewitaigte Schüler werden vorsichtigerweise ihren Schund vor den Augen des Lehrers sorgfältig verbergen und nur geheim denselben verleihen. Bei den geringen Berührungspunkten, welche der Schüler der Groß-


