Aufsatz 
Posener Dämonensagen : Ein Beitrag zur Sagenkunde der Provinz Posen
Entstehung
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36. Die Ziege bei Ciesla.

Einmal ging ein Mann am Abend von Biniewo nach Rogaſen. Kaum hatte er das Dorf verlaſſen, da ſah er, wie ihm gegenüber auf der andern Seite des Weges eine Ziege ging. Er glaubte, dieſelbe zehöre einem Eigentümer aus Biniewo, und er machte ſich weiter keine Kopfſchmerzen darüber. Doch die Ziege ging immer weiter mit ihm, und zwar immer in derſelben Entfernung. Er wollte daher näher herangehen, um ſich das Tier genauer anzuſehen; aber die Ziege ging ebenfalls weiter und blieb immer in derſelben Entfernung von ihm, wenn ſie auch ein Stück vom Wege abgehen mußte. Jetzt wurde es dem Manne ängſtlich zu Mut, und er beſchleunigte ſeine Schritte. So kamen ſie bis zu der Brücke, die bei Ciesla über die Welna führt. Hier verſchwand die Ziege plötzlich, und der Mann hörte bloß ein lautes Gelächter und ein Aufſpritzen des Waſſers. Da bekam er eine ſolche Angſt, daß er ſchleunigſt ins Dorf lief, wo er einen Wagen traf, der ihn mit nach Rogaſen nahm.

37. Das Zicklein bei der Brüche.

Vor Jahren ſuhr ein Gendarm von Königsbrunn nach Strelno. Es war ſchon Abend, als er an der Brücke bei dem Hügel Duzagörka ankam. Da ſah er ein Zicklein ſtehen, das auf eine dort befindliche Weide zu klettern verſuchte und jämmerlich ſchrie. Der Gendarm hatte Mitleid mit dem Tier; er nahm es und legte es unter ſeinen Mantel. So nahm er es mit ſich bis zu der Stelle, wo der Weg in die Chauſſee nach Hohenſalza mündet. Da ſpringt mit einem Male das Zicklein mit hölliſchem Gelächter vom Wagen und ver ſchwindet Das Zicklein war der Teufel. Der Gendarm aber erſchrak ſo heftig, daß er krank wurde und drei Wochen hindurch das Bett hüten mußte.

38. Ein Zigeuner erſcheint als Ziegenbock.

. In dem nicht weit von dem Dorfe Kaziopole bei Rogaſen gelegenen Walde hatten ſich einmal Zigeuner niedergelaſſen und dort längere Zeit in Höhlen gewohnt. Nun ereignete es ſich an einem Tage, daß zwei Zigeuner miteinander in heftigen Streit gerieten und der eine den andern ermordete. Deshalb verließen die übrigen den Ort und zogen nach Obornik ab. Der ermordete Zigeuner wurde im Walde begraben. Doch hatte er im Grabe keine Ruhe, denn er wurde in den Nächten von den Einwohnern des Dorfes in Geſtalt eines Ziegenbockes geſehen. Vor ungefähr 40 Jahren fuhr ein Landmann in der Nacht an dem Wäldchen vorbei. Dieſem ſprang ein Ziegenbock auf den Wagen und wurde plötzlich ſo ſchwer, daß die Pferde den Wagen nicht von der Stelle brachten, obgleich er ganz leer war. Der Landmann merkte ſogleich, daß er es mit einem Teufel zu tun hatte, und begann zu beten. Da das Gebet aber nicht half, begann er das polniſche Kirchenlied Gwiazda morza, Stern des Meeres, zu ſingen. Nachdem er eine Strophe geſungen hatte, verſchwand der Ziegenbock, und er konnte weiterfahren. Auch jetzt wird der Ziegenbock noch geſehen. Vor zwei Jahren ging ein Knecht, der bis 12 Uhr den podkoziotek gefeiert hatte, nach Hauſe. Auf dem Wege ſah er den Ziegenbock, der Feuer ſpie. Da überfiel ihn große Angſt, und er rannte ſpornſtreichs nach Hauſe.

Auch bei Studziniec erſcheint in einem Wäldchen ein ſpukender Zigeuner, ſ. Rog. Fauflhenblatt IX S. 14. Ueber den podkoziofek oder podkozietek ſ. Rog. Familienblatt r. 6.

39. Die geneckten Pferdehirten.

Dor ungefähr 80 Jahren ritten einmal an einem Sommerabend die Knechte von Sniaty(Kr. Schmiegel) mit ihren Pferden auf die Weide aus. Da ſie die ganze Nacht draußen blieben und erſt rühmeorgens zurückkehrten, ſo nahmen ſie ihre Betten mit ſich. Sie mußten, ehe ſie auf die Weide amen, über eine Brücke des Obrakanals reiten. Dort ſtellte ſich ihnen ein gepanzerter Mann entgegen, der ſie feſtzuhalten verſuchte. Sie ritten aber aus dem Wege, und da warf er mit ſeinem Aherher Helm nach ihnen. Als ſie auf die Weide gekommen waren, ließen ſie ihre Pferde los und ſuchten ſich Pläbe aus, wo ſie ſich ſchlafen legen wollten. Wie ſie nun eingeſchlafen waren, nahm ihnen jemand die

kützen weg und warf ihnen Sand in die Augen, ſo daß ſte erwachten. Sie ſuchten ihre Mützen, aber da ſie ſie nicht finden konnten, legten ſie ſich wieder hin. Kaum waren ſie wieder beim Ein⸗ ſchlaſer⸗ da wurden ſie plötzlich von jemand an den Haaren gezogen. Sie erhoben ſich abermals, und a ſahen ſie die Mützen 245 ihren Plätzen liegen. Nach einer Weile hörten ſie in der Nähe ein Lachen