Aufsatz 
Posener Dämonensagen : Ein Beitrag zur Sagenkunde der Provinz Posen
Entstehung
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bock liegen. Erfreut über den Fund, legten ſie den Bock auf den hinteren Teil des Wagens und fuhren weiter. Wer aber beſchreibt ihren Schrecken, als ſie in der Morgendämmerung ihren Fund beſehen wollten und ſtatt des Ziegenbockes einen Mönch erblickten, der in ein höhniſches Gelächter ausbrach, vom Wagen ſprang und dann verſchwand. Die Begebenheit ſoll ſich in der Nähe eines ſagenhaften Berges zugetragen haben, welcher der Blocksberg genannt wird.

Aus Rogaſen, deutſche Quelle.

33. Der ſchwere Rehbock.

Ein Mann aus Rogaſen ging vor langen Jahren einmal ſpät in der Nacht durch den bei Siernik gelegenen Wald, um nach Siernik zu kommen. Auf dem Wege ſah er einen Rehbock. Das Tier lag ganz ruhig da. In dem Glauben, daß es erſt kürzlich geſchoſſen ſei, weil es noch ganz warm war, lud er es auf ſeinen Rücken, um es in das Dorf mitzunehmen. Unterwegs wurde der Rehbock immer ſchwerer; doch da er das ſeiner Ermüdung Czuſchrieb⸗ trug er ihn geduldig weiter. Als er ſich dem Dorfe näherte, wurde ſchließlich der Bock ſo ſchwer, daß der Mann nicht mehr imſtande war, ihn auf dem Rücken zu halten, und er ließ ihn auf die Erde fallen. In demſelben Augenblick verwandelte ſich der Rehbock in ein großes ſchwarzes Pferd. Dieſes Pferd war aber der Teuſel, der ihn höhniſch auslachte. Darauf lief das Pferd in den Wald zurück und verſchwand. Der Mann ſtürzte vor Schrecken wie tot hin und blieb bis zum Morgen liegen. Wie die Leute erzählen, iſt dieſer Rehbock ein Schurke geweſen, der ſich in dem Walde erhängt hat. Auch andere Leute haben den Rehbock geſehen, und ſie erzählen, daß er um den Hals einen Strick hatte, denſelben, an dem er ſich erhängt hatte und den er zur Strafe auch nach ſeinem Tode an ſeinem Halſe tragen mußte.

34. Der falſche Mönch.

Auf der am großen Walde hinter Welna gelegenen Wieſe wurde einſt ein Mönch von einer Zigeunerbande erſchlagen. Dieſer Mönch war aber kein wirklicher Mönch, ſondern er hatte dieſe Verkleidung angenommen, um auf dieſe Weiſe Geſchenke von den Leuteu zu erhalten, wie er vorgab, zum Bau einer Kirche. Das war ihm auch gelungen. Bei der Verteilung der Beute aber waren die Zigeuner unter ſich in Streitigkeiten geraten; der eine behauptete, daß das Geld ihm gehöre, weil er den Mönch ermordet habe, die andern aber wollten es ihm allein nicht laſſen. So wurde denn der Mörder ebenfalls ermordet. Seit der Zeit ſah man auf der Wieſe in den Nächten bald einen Hund, bald einen Rehbock, oft aber auch beide. Einmal ſah ein Mann auch, wie der Hund den Reh⸗ bock, der mit einem Stricke gebunden dalag, anbellte und ihn beißen wollte. Ein anderes Mal hatte ein Wilddieb auf der Wieſe einen Rehbock getroffen, der mit einem Stricke gebunden auf der Erde lag. In dem Augenblick aber, wo er den Rehbock auf die Schulter nehmen wollte, erſchien ihm plötzlich ein Hund. Erſchreckt warf er den Rehbock auf die Erde und blieb beſinnungslos ſtehen. Er ſah nur noch, wie ſich der Rehbock in einen Teufel verwandelte, und hörte ein höhniſches Lachen. Lange Zeit hindurch hatten die Bewohner Angſt und getrauten ſich nicht, ſpät über die Wieſe zu gehen. Dieſe wurde von dem Mönche(poln. mnich) Mniszek genannt, und ſo heißt ſie noch heute.

35. Der Teufel als Ziege.

Auf der Chauſſee von Biezdrowo nach Mylin(Kr. Samter), die durch einen Wald führt, fuhr einſt in der Nacht ein Landmann langſam dahin Da hörte er plötzlich ein klägliches Meckern aus dem Walde, und als er näher kam, bemerkte er eine Ziege, die er auf ſeinen Wagen nahm. Der Landmann ſprach den ganzen Weg über kein Wort. Als er in die Nähe von Mylin kam, da ver⸗ wandelte ſich die Ziege plötzlich in einen Teufel, der ſich ihm mit gezücktem Schwert entgegenſtellte und zu ihm ſant⸗ er wäre ihm mit Leib und Seele verfallen geweſen, wenn er unterwegs geſprochen hätte; jetzt ſei er jedoch der Gefahr glücklich entgangen und aus ſeiner Hand gerettet. Seit⸗ dem wird dieſer Weg in der Nacht gemieden, und diejenigen, die ihn doch benutzen müßen, machen aus Furcht vor dem Teufel ſchleunigſt, daß ſie davonkommen.

Volkstümliches aus der Tierwelt Nr. 493.