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„Aha“, dachte ich,„das biſt du!“ Der Mond ging grade auf, und ſo konnte ich die Geſtalt genau ſehen. Ich ging an ſie heran und holte dann mit der Stange weit aus, um das Maß ihrer Länge zu nehmen. Aber in dieſem Augenblick verſchwand ſie, und von der Wucht des Ausholens aus dem Gleichgewicht gebracht, fiel ich lang hin Darauf hatte das Böſe nur gewartet, denn es erſcholl ein unbändiges Gelächter. Als ich aufſtand, bemerkte ich die Geſtalt ut einem Steinhaufen auf der rechten Seite des Weges ſitzen. Ich machte, daß ich nach Hauſe kam, weniger aus Furcht wie aus Scham; aber noch dicht vor dem Dorfe war das Hohngelächter zu hören.
Aufgezeichnet von Herrn Lehrer A. Szulczewski in Brudzyn. Der Erzähler bezeichnete
den Waldgeiſt auch als Skrzat.
26. Der Waldgeiſt Poruta.
In der Nähe von Zirke befindet ſich bei dem ſogenannten Göra⸗Walde eine Braunkohlengrube. Dort ſoll es nicht geheuer ſein. In der Grube muß eine Maſchine die ganze Nacht hindurch arbeiten, um das hervorquellende Waſſer herauszupumpen und ſo den Leuten, die dort am Tage arbeiten, das Herausſchaffen der Braunkohle zu ermöglichen. Als der wachthabende Arbeiter in einer Nacht ſeinen Dienſt in dem in der Nähe des Waldes ſtehenden Maſchinenhauſe verrichtete, wurde dreimal an das linke Fenſter geklopft. Der Arbeiter dachte, es wäre der Aufſeher, und machte die Tür auf. Es war aber niemand zu ſehen. Er ging wieder zurück und ſchloß die Tür ab. Nach einer Weile klopfte es an dem andern Fenſter. Er ging jetzt ſchneller hinaus, um denjenigen, der ihn ärgern wollte, abzu⸗ faſſen. Als er hinauskam, hörte er nur noch Schritte, und es war ihm, als wenn jemand zum Walde liefe. Jetzt lehnte er die Tür nur an und nahm die Kohlenſchippe zur Hand. Bald klopfte es zum dritten Mal. Doch als er herauskam, ſank er gleich vor Schreck in die Knie; denn mit furchtbaren Blicken ſah ihn Boruta, der Waldgeiſt, an. Er hatte eine rieſige Feder am Hute, und ſeine Augen funkelten wie glühende Kohlen. Der Geiſt wollte den Leuten wehren, daß ſie nach der Seite des Berges hin Kohlen herausholten und ſo die Wälder ſchädigten. Von dem ausgeſtandenen Schrecken ſtarb der Mann nicht lange darauf.
Mitgeteilt aus Zirke nach der Erzählung der Frau des betreffenden Arbeiters, die auch den Namen des Waldgeiſtes nannte. Ueber Boruta ſ. meine Mitteilungen in den
Heſſiſchen Blättern für Volkskunde und meine Poſener Geld⸗ und Schatzſagen Nr. 76.
27. Waldgeiſter bei Hohenwalde.
In dem bei Hohenwalde(Kr. Wongrowitz) gelegenen großen Walde hat es früher geſpukt, und auch jetzt noch wollen Leute dort Geiſter geſehen haben Einmal ging ein Mann aus Przyſieka in der Nacht nach Kirchen⸗Popowo. Als er durch den Wald ging, ſah er einen Wagen mit zwei ganz ſchwarzen Pferden ſtehen, und auf denſelben luden zwei Männer Holz. Als er in ihre Nähe gekommen war, fing er an auf ſie zu ſchelten, daß ſie ſich nicht ſchämten zu ſtehlen. Aber da waren plötzlich Wagen, Pferde und Männer verſchwunden. Er hörte nur noch ein Geräuſch in dem Gebüſche. Ein andermal war ein Bettler in dem Walde eingeſchlafen. Als er in der Nacht erwachte, ſah er einen Händler mit einem Wagen durch den Wald fahren. Der Wagen fuhr dicht bei ihm vorbei, und er bat den Mann, ihn ein Stück mitzunehmen. Kaum aber hatte er das Wort„Herr“ ausgeſprochen, da verſchwand alles in einer tiefen Grube, die ſich dort heute noch befindet. Andere hörten wieder ein Geſchrei in dem Walde, als wenn mehrere Tauſend Eulen ſchrien. Ein Mann wurde durch das Geſchrei der Eule, die dicht an ſeinem Ohr vorbeiflog und ihm laut ins Ohr ſchrie, ſo erſchreckt, daß er ſeitdem auf dem Ohr nicht mehr hören konnte. Es war ein Teufel in Geſtalt einer Eule geweſen. Einem Bettler, der frühmorgens nach Kirchen⸗Podleſche ging und durch den Wald mußte, begegnete ein ſchön gekleideter Mann mit einem Beile in der Hand. In der Meinung, daß der Herr ſich in dem Walde verirrt habe, wollte er ihm helfen und fragte ihn, wohin er wolle. Doch der Herr antwortete nicht, ſondern ging ſchweigend an dem Bettler vorbei. Als er aber hinter dem Bettler war, pfiff er ſo laut, daß der Bettler erſchreckt zu Boden fiel; er hörte nur noch einen Lärm, als wenn tauſend Pferde durch den Wald liefen. Alte Leute erzählen, daß in dem Walde früher Räuber gewohnt haben. Sie ſind durch Mord oder durch Verrat umgekommen; ihre Geiſter ſollen ſich in den Nächten in dem Walde gezeigt haben. Den Menſchen taten ſie nichts zu leide. Der Geiſt, den der Bettler im Walde ſah, ſon der Geiſt des letzten Räuberhauptmanns geweſen ſein, der von den Räubern am Galgen


