10
Geiſt los, um ihn zu vertreiben. Dieſer hüpfte auch einige Schritte weiter, kam aber wieder zurück, ſobald der Bauer die Verfolgung aufgab. Als der Baum gefällt war und nach Hauſe getragen wurde, folgte der Geiſt den Holzdieben bis an den Waldesrand, wo er verſchwand 3 Einige Tage darauf war der eine der Männer in der Nacht beim Fiſchen auf dem Cienciskoer See beſchäftigt, als er unter dem Dach ſeines am See liegenden Hauſes ein Licht bemerkte. Anfangs dachte er, es wäre Feuer; da ſich aber das Licht nicht vergrößerte, meinte er, es wären Diebe auf den Boden ſeines Hauſes geſtiegen. Mit einem tüchtigen Stocke bewaffnet eilte er nach Hauſe. Auf dem Boden traf er den Skrzat beim Schornſtein ſitzen. Nicht faul, machte er von ſeinem Stocke Ge⸗ brauch; ein dumpſer Ton, wie von einem hohlen Topfe herkommend, war bei jedem Schlage zu hören, und die Funken ſtoben nur ſo umher. Nach einigen Schlägen rückte der Skrzat aus und verwandelte ſich auf dem Giebel des Hauſes in ein Meer von Funken und Aſche.
25. Der Fkrzat im Brudzyner Wäldchen.
Der ſeit Jahren verſtorbene herrſchaftliche Leibjäger und Gaſthauspächter Matthias Przybylski in Brudzyn pflegte, wenn er bei guter Laune war, folgende Geſchichte zu erzählen: Zu meinen Ob⸗ liegenheiten gehörte auch die Jagd. Da aber der Staroſte das Wild ſehr ſchonte, ſo wurde ich nur ſelten mit dem Auftrage beehrt, einen Rehbock zu ſchießen, und aus einem Haſen machte ich mir nichts. Eines Tages im November, kurz vor dem Janowitzer Ablaß, bekam ich wieder einen ſolchen Auftrag. Natürlich kannte ich das Wild des ganzen Gutes und wußte, daß aus dem Brudzyner Wäldchen nahe der Wloſchanowoer Grenze jeden Abend ein kapitaler Rehbock herauskam, um auf dem daran grenzenden Rapsfelde zu graſen. Ich nahm alſo, als es Abend wurde, meine Flinte über die Schulter und ging dem Wäldchen zu. Am Rande desſelben ſtand ein dichter Buſch von Schwarzdorn, und hinter dieſen ſtellte ich mich, um auf den Bock zu warten. Es dunkelte bereits, als ich auf das Feld ſchaute und einen Mann bemerkte, der von Wloſchanowo her auf mich zukam. Es wurde zu damaliger Zeit viel Holz in dem Wäldchen geſtohlen. Ich gehörte zwar nicht zu denen, die immer neidiſch auf die ſind, welche das Mein und Dein vertauſchen, aber in dieſem Augenblick überkam mich doch Zorn über den Mann, der mir den Bock verſcheuchen konnte. Ich hielt ihn nämlich für einen Holzdieb. In dieſem Augenblick, ich wußte ſelbſt nicht, wie es geſchah, ſtand der Mann auch bereits vor mir, drei Schritte von mir entfernt, und ſchaute mich mit ſeinen Augen, die wie Kohlen glänzten, an. Ich erkannte in dieſem Mann das Böſe(poln. zte), und obgleich mich im erſten Augenblick ſo etwas wie Gruſeln überlief, fürchtete ich mich doch nicht. Ich dachte an das Sprichwort: Wer in der Vorhölle wohnt, hält mit dem Teufel Gevatterſchaft. Und ſo ſah ich ihn denn auch an Das ſchien ihm zu imponieren; denn nach einiger Zeit ging er um mich herum nach der Rückenſeite und blieb wieder drei Schritte vor mir entfernt ſtehen. Ich wandte mich auch um und ſah ihn wieder an. Nach einigen Minuten ſchien ihm die Zeit lang zu werden, denn er nahm ein kleines Beil aus der Taſche und fing an, die Bäume zu fällen und mir vor die Füße zu werfen. Und merkwürdigerweiſe brauchte er bloß zwei Hiebe zu tun, und gleich lag der Baum. Und noch mehr wunnderte ich mich über ſeine Stärke; denn Stämme, die ich nie im Leben aufgehoben hätte, nahm er in eine Hand und warf ſie vor mir nieder. Und daß er ſie grade vor mir hinwarf, ärgerte mich.„Wart“, dachte ich,„ſollſt an mich, den Maciej Przy⸗ bylski, denken.“ Und ſchnell riß ich die Flinte von der Schulter und„im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geiſtes“ legte ich an und drückte den Hahn los; aber es war kein Schuß in der Flinte, obwohl ich genau wußte, daß ich dieſelbe geladen hatte. In demſelben Augenblick ſchlug das Böſe ein gewaltiges Gelache auf und enteilte mit Windeseile ſchwebend meinen Blicken. Aus dem Walde aber hörte ich das Fällen von Bäumen, als wenn hundert Mann dort arbeiteten. Mit dem Rehbock war es für dieſe Nacht doch nichts, und ich ging langſam nach Hauſe. Am nächſten Morgen beſuchte ich dieſelbe Stelle, aber kein gefällter Baum war zu erblicken. Am Abend ging ich zu einem anderen Wäldchen, und dort erlegte ich den verlangten Rehbock.
Eine Woche darauf war ich in Janowitz. Ich traf dort einen Gutsförſter und blieb deshalb Fieeß lange im Gaſthauſe ſitzen. So gegen Mitternacht gingen wir heimwärts. Damals war der
arktplatz von Janowitz noch mit einem Prügelzaun umfriedigt, und da ich keinen Stock bei mir hatte, ſo nahm ich eine Stange aus dem Zaun mit. Bei Lapaj verabſchiedete ich mich von dem Förſter und mußte nun allein den dunklen Wald paſſieren. Wie ich ſo in der Mitte des Waldes bin, höre ich auf einmal den Ruf:„Fort, oder ich ſchieße!“ Ich hatte ſoeben an das Böſe gedacht, und deshalb erſchrak ich gar nicht, ſondern rief zurück:„Nur zu, wenn du kannſt!“ Ungehindert paffierte ich den Wald. Als ich aus dem Walde gekommen war, ſah ich quer über den Weg eine menſchliche Geſtalt liegen.


