Aufsatz 
Posener Dämonensagen : Ein Beitrag zur Sagenkunde der Provinz Posen
Entstehung
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Sonnenuntergang ſich bei einem Wäldchen ein Pferdekopf auf den Weg lege und bis zum völligen Untergang der Sonne den Weg verſperre. Vergl. das tote Pferd in der goldenen Kehle, Poſ. Sagenbuch S. 104, und den auf dem Wege liegenden Ochſen bei Sokolewo, Hiſtor. Monatsblätter V S. 38.

21. Der Spuk bei Roszkowo.

Die Leute erzählen, daß es in dem Walde bei Roszkowo ſpuke; in der Nacht zwiſchen 12 und 1 Uhr wälze ſich dort immer ein Mann über den Weg. Man kann dann nur vorbeigehen oder vorbeifahren, wenn man nicht betrunken iſt. Viele behaupten, daß der Spuk verſchwunden ſei, wenn man ihm mit der Peitſche oder mit dem Stock einen Hieb verſetzt habe. Dieſer Spuk ſoll der Geiſt eines Verwalters ſein, der vor vielen Jahren in Roszkowo lebte und die Leute ſehr grauſam behandelte. Als er einmal einen Bauern zu Tode gepeitſcht hatte, wurde er von deſſen Bruder auf dem Platze, wo er jetzt erſcheint, erſtochen.

22. Der Teufel als Taube.

Ein Schmied ging einſt in der Nacht von Czarnikan nach Hammer. In dem Walde, den er paſſieren mußte, bemerkte er plötzlich eine Taube, die auffallend zahm war. Sie ließ ihn dicht an ſich herankommen, ehe ſie fortflog. Da dies öfters geſchah, beſchloß der Schmied, ſie zu fangen und ſeinem Söhnchen damit eine Freude zu zu machen. Aber ſo oft er auch die Hand nach ihr ausſtreckte, es gelang ihm doch nicht, ihrer habhaft zu werden. Zornig warf er ſchließlich ſeinen Stock nach ihr. Doch kaum hatte er dies getan, als plötzlich ein Mann ohne Kopf vor ihm ſtand. Erſchreckt wollte er entfliehen, doch überall ſtand das Schreckgeſpenſt vor ihm. Voller Entſetzen ſank er ohnmächtig zu Boden, wo er bis zum nächſten Morgen liegen blieb. Da erſt fanden ihn bekannte Leute, welche ihn nach Hauſe brachten. Von dem ausgeſtandenen Schrecken hatte er die Sprache verloren, und er verfiel noch außerdem in eine ſchwere Krankheit. Mit der wiederkehrenden Geſundheit fand ſich auch die Sprache wieder.

Rog. Familienblatt IV S. 32. Die Taube iſt wohl für ein anderes Tier eingetreten, da ſie das Bild der Unſchuld iſt. Nach Strackerjan, Aberglauben und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg I S. 327 können Hexen ſich nicht in Tauben verwandeln; ebenſo b den Zigeunern, ſ. H. v. Wlislocki, Märchen und Sagen der transſilvaniſchen Zigeuner

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23. Der Fhrzat im Walde von Roszkowo.

Der Skrzat iſt ein Waldgeiſt, der den Leuten oft einen Schabernack ſpielt. Er erſcheint in Geſtalt eines kleinen, bärtigen Mannes mit einem roten Hut. Als ein Förſter bei Roszkowo einmal mit ſeinem Sohne in der Nacht im Walde ging, fiel ſein Hund plötzlich, wie von einer unſichtbaren Macht zu Boden geſchleudert, hin. Der Förſter fing an zu fluchen, denn er dachte, es hätte jemand den Hund mit einem Stein geworfen. Da entſtand mit einem Male ein gewaltiger Sturm, ſo daß die Bäume entwurzelt wurden. Um der Gefahr, von den fallenden Baumen erſchlagen zu werden, zu entgehen, lief der Förſter aus dem Walde heraus. Am nächſten Tage ging der Förſter zu ſeinem Herrn und bat ihn um Leute, welche die zerbrochenen Bäume fortnehmen ſollten; aber als ſe in den Wald kamen, konnten ſie nirgends einen Schaden erblicken. Einige Tage ſpäter erſchien dem Förſter, als er wieder im Walde war, der Skrzat und ſagte ihm, er hätte ihm den Streich geſpielt zur Strafe für ſein Fluchen.

24. Der Fhrzat im Walde.

In dem Walde, der um das Dorf Ciencisko herum liegt, ſoll ſich der Skrzat aufhalten, ein böſer Geiſt, der namentlich den Holzdieben ſichtbar wird. Vor einigen Jahren gingen des Nachts zwei Männer in den Wald, um eine Kiefer abzuſägen. Bei der Arbeit wandte ſich der eine von ihnen um und ſah unter einem nahe ſtehenden Baum den Skrzat ſitzen. Es war eine dunkle zottige Geſtalt, der Feuer aus dem Munde leuchtete. Der eine Bauer kannte den Geiſt ſchon, denn er war ihm bei ähnlichen Diebſtählen ſchon öfters begegnet. Er nahm deshalb ſeine Axt zur Hand und ging auf den