Aufsatz 
Posener Dämonensagen : Ein Beitrag zur Sagenkunde der Provinz Posen
Entstehung
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16. Der Haſe in Poslugowo.

Bei einem Wirte des Dorfes Poslugowo war eines Tages ein Streit zwiſchen Vater und Sohn ausgebrochen. Die Knechte und Mägde ſtanden herum uund freuten ſich darüber. Es war an einem Sonntag, und ſie hatten Zeit dazu. Plötzlich kommt aus dem nahen Gerſtenfelde ein Haſe, und ohne ſich um das gaffende Volk zu kehren, geht er an das Haus heran, ſtellt ſich auf die Hinterfüße und ſieht durch das niedrige Fenſter in die Stube, wo der Zank ſich abſpielte. Als der Streit zu Ende war, ging er Schritt für Schritt wieder in das Getreide zurück. Die Umſtehenden merkten jetzt, daß der leibhaftige Gottſeibeiuns in Geſtalt des Haſen dem Streit zugeſchaut hatte.

17. Der geſpenſtiſche Haſe bei Popömko.

Bei dem Gehöſte Popéwko(Kr. Obornik) ging einſt eine Frau vorbei, um nach ihrem Wohn⸗ orte Wychowaniec zu kommen. Als ſie ſo auf dem Wege ging, erſchrak ſie plötzlich unwillkürlich, ſo daß ſie ihr Taſchentuch, in das ſie zehn Taler eingeknüpft hatte, feſt in die Hand faßte. Als ſie außer Hörweite von Popöwko gekommen war, ſah ſie plötzlich einen fetten Haſen im Graben liegen. Die Frau dachte, ſie werde ſich einen guten Leckerbiſſen verſchaffen können, legte ſchnell das Taſchentuch mit dem Gelde auf den Weg und machte Anſtalten, den Haſen zu greifen. Der Haſe ſaß ganz ſtill, und ſie faßte ihn bei den Ohren, aber ſie konnte ihn nicht aufheben, ſo ſchwer war er. Daher wollte ſie ihn totſchlagen; doch als ſie zum Schlage ausholte, lachte der Haſe auf einmal auf, ging ſo wie ein Menſch, hoppſte dreimal um ſie herum und ging dann zum Gelde, das er mit ſeiner Schnauze nahm. Die Frau weinte und fluchte, es half ihr aber alles nichts; das Geld in der Schnauze haltend, ſprang der Haſe herum und ließ ſich nicht fangen. Schließlich eilte die Frau nach Hauſe, um ihren Mann zu holen; aber als ſie zu der Stelle zurückkamen, waren Haſe und Geld verſchwunden.

Vergl. die Erzählung im Rog. Familienblatt V S. 16, die indeſſen des Sagen⸗ haften entbehrt.

18. Der Haſe auf dem Wege.

Trifft man um Mitternacht einen Haſen auf dem Wege liegen, ſo ſoll man ihn ruhig liegen laſſen, denn das iſt ein böſer Geiſt. Ein Arbeiter aus Obornik ging einmal in der Nacht nach Slepuchowo, um dort am nächſten Tage bei einem Wirt zu arbeiten. Unweit Slepuchowo ſah er auf dem Wege einen jungen Haſen liegen und auch bei ſeiner Annäherung ruhig liegen bleiben. In der Meinung, daß es ein wirklicher Haſe ſei, nahm er ihn und ſteckte ihn in die Taſche. Dicht bei dem Dorfe zog er die Uhr heraus, um zu ſehen, wie lange er gegangen ſei; da ſprang zu ſeiner Ver⸗ wunderung das Tier aus der Taſche, aber nicht ein Haſe war es, ſondern eine Katze. Dieſe blieb in ſeiner Nähe ſtehen und fing laut zu lachen an, ſo daß der Mann erſchreckt nach Slepuchowo lief. Es war ihm jetzt klar, daß er den Teufel getragen hatte.

19. Der geſpenſtiſche Haſe im Zuchwalde.

Ein Mann, der häufig von Nawisk nach Slomowo ging, bemerkte im Buchwalde, den er paſſieren mußte, regelmäßig einen Haſen, welcher immer einen Schritt vor ihm dahinlief. Durch die Zutraulichkeit des Haſen verleitet, verſuchte der Mann ſchließlich, ihn zu fangen. Da ſtand plötzlich ein großer, ſchwarzer Mann vor ihm, der ihm unter gräßlichem Gelächter einen Schlag verſetzte, an deſſen Folgen er nach 14 Tagen ſtarb.

Mündlich aus Rogaſen. Das gräßliche Lachen erweiſt den Haſen als Waldgeiſt. Als Haſe erſcheint der Waldgeiſt auch Rog. Familienblatt IV S. 37 ff. Nach einer weiteren Mitteilung zeigt ſich der geſpenſtiſche Haſe gerade zur Mittagszeit, verſchwindet aber ſofort, wenn man zne anſichtig wird Beſonders Jäger haben ihn öfters geſehen. Kaum aber hatten ſie die Flinte auf ihn gerichtet, da war er auch ſchon verſchwunden.

20. Der Pferdekopf auf dem Wege. In Wlökno bei Schocken erzählen ſich die Leute, daß in der Mitte des Monats März gegen