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an den Wagen, und es muß ſie ſamt den Hunden und Katzen ziehen. Die Smolnica iſt eine kleine
Figur mit großen Augen und ſchwarzem Haar, und am ganzen Körper iſt ſie ſchmutzig. Während des Winters ſoll ſie ſich in einer Grotte aufhalten, in der ſie alle Kinder gefangen hält.
Mitgeteilt aus der Gegend von Dziembowo im Kreiſe Kolmar. Auch bei Ritſchen⸗
walde und Polajewo iſt die Smolnica bekannt; ſ. Heſſ. Blätter für Volkskunde V S. 87.
13. Die Zmora als Feldgeiſt.
Die Zmora iſt die Seele einer geſtorbenen Hexe. Sie fährt in der Mittagszeit auf einem Rade im Roggenfelde umher. Als Zeichen, daß ſich die Zmora im Felde befindet, wird ein Knoten angeſehen, den ſie aus den Halmen macht. Meiſtens befinden ſich dieſe Knoten, die im Polniſchen skret heißen, an der Grenze. Findet man ſolche Knoten, ſo muß man eine Hexe um Rat fragen. Gewöhnlich verbrennt nun die Hexe dieſe Knoten auf glühenden Kohlen, indem ſie Zauberformeln dabei herſagt. Sie behauptet auch, daß das Getreide alle Körner verloren hätte, wenn man ſie nicht gerufen hätte; denn die Zmora fährt alles Getreide nieder, wenn man ihr die Zügel ſchießen läßt.
Mitteilung aus der Gegend von Lopienno. Die Zmora oder Mora, der Alp, erſcheint hier als böſer Feldgeiſt Auch ſonſt werden Züge auf ſie übertragen, die ihr urſprünglich nicht zukommen; ſ. A. Szulczewski, Allerhand fahrendes Volk in Kujawien S. 46 und 47(ſie gibt Splitter zum Lohn, die ſich in Geld verwandeln; ſie erſcheint als graues Kätzchen auf einem Balken im Stalle; ſie tötet ein Pferd).
14. Der Geiſt im Getreide.
In manchen Gegenden iſt es Sitte, daß bei der Ernte die Schnitter die letzte Garbe in Form eines Kreuzes binden. Dieſe Garbe wird geſchmückt und feierlich nach Hauſe gebracht. Die Leute Lagen. daß der böſe Geiſt in dieſe Garbe gebannt werde und daß deshalb das Getreide im nächſten
ahre nicht auswachſen könne. Dieſe Garbe wird der Alte genannt..
Deutſche Mitteilung von der weſtpreußiſchen Grenze.
15. Die Krähe.
Schießt man mehrere Krähen tot und hängt dieſelben auf den Saatfeldern an einer Stange auf, um die andern Krähen zu ſchrecken und zu verſcheuchen, ſo ſoll man ſie nur mit dem Kopf nach unten hängen, denn ſonſt werden ſie von Teufeln beſucht, die in den Nächten in der Geſtalt von Krähen auf den Feldern großen Schaden anrichten.
Polniſche Mitteilung aus dem Kreiſe Wongrowitz. Auch bei Haaſe, Ruppiner Sagen S. 15, erſcheint der böſe Geiſt in Geſtalt einer Krähe; ebenſo K. Gander, Niederlauſitzer Volksſagen S. 19 und 24. Bei Kloſe, Glatzer Sagen S. 98, hat der Teufel einen Krähen⸗ fuß. Eine andere Erzählung aus dem Dorf Kaziopole bei Rogaſen mag hier Platz finden: Krähen ſollen böſe Geiſter ſein. Vor langen Jahren wohnte an der Stelle, wo jetzt das Dorf Kaziopole liegt, ein ſehr böſer Tagelöhner, der ſtets an den großen Feſttagen arbeitete, anſtatt in die Kirche zu gehen. An einem erſten Weihnachtstage ſoll er auf elende Weiſe den Tod gefunden haben. Als ſpäter das Dorf Kaziopole dort angelegt wurde, erhielt ein Bauer die Stelle, wo der Tagelöhner gewohnt hatte, und baute ſich da ſeine Gebäude auf. Jedes Jahr nun am erſten Weihnachtstage kam eine Krähe und ſetzte ſich auf den Gemüllhaufen hin. Der Bauer verſuchte mehrmals, die Krähe totzuſchießen, doch vergebens; ſie flog garnicht fort, ſondern blieb ruhig auf dem Gemüllhaufen ſitzen. Der Mann wunderte ſic darüber und erzählte das ſeinen Nachbarn. Einer derſelben riet ihm, da die Krähe ſeiner Meinung nach ein böſer Geiſt war, auf dieſelbe mit Geld zu ſchießen. Am nächſten Weihnachtsfeſte lud er denn auch ein Geldſtück in ſein Gewehr und ſchoß nach der Krähe. Sogleich verſchwand dieſe ſpurlos, und er hörte nur noch ein lautes Sauſen; ſie iſt auch nicht wiedergekommen.— Man ſagt in Kaziopole ferner: Setzt ſich am erſten Weihnachtstage vormittags eine Krähe auf den Gemüllhaufen vor dem Hauſe, ſo iſt das ein Zeichen dafür, daß in dem Hauſe noch vor dem nächſten Weihnachtsfeſte jemand ſterben wird.


