Aufsatz 
Posener Dämonensagen : Ein Beitrag zur Sagenkunde der Provinz Posen
Entstehung
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eine tiefe Grube und ertrank. Seit dieſer Zeit ſah man auf den Wieſen von Imielno den Swierznik herumwandeln. Vor einigen Jahren ging ein Mann aus Pudewitz in der Nacht von Imielno nach Hauſe. Es war ſehr dunkel, und da er den Weg nicht kannte, ſo folgte er einem vor ihm hergehenden Lichte, das er für die, Laterne eines Wagens hielt, der nach Pudewitz fuhr. Dieſer Leuchter war aber der böſe Geiſt, der Swieeznik, der ihn auf den Wieſen hin⸗ und, herführte, bis er ſchließlich in einen Sumpf geriet, in dem er ſeinen Tod fand. Seitdem hat man den Swierznik nicht wieder geſehen.

Auch nach pommerſchem Glauben ſind die Irrlichter böſe Umken, die argloſe Menſchen in Moräſte und Sümpfe locken; ſobald ſie dorthin gelangt ſind, wird aus dem Licht ein kleiner ſchwarzer Kerl mit langem, ſchwarzem Bart, welcher den Unglücklichen im Sumpf erſtickt oder im Waſſer ertränkt, ſ. U. Jahn, Volksſagen aus Pommern und Rügen S. 63. Ebenſo iſt nach dem Poſener Sagenbuch S. 16 f. das Irrlicht ein Teufel, der beſonders betrunkene Perſonen auf ſumpfige Stellen oder in Torfbrüche lockt. Dasſelbe tut nach S. 111 der Skrzat, der alſo hier mit dem Swiecznik gleichgeſetzt iſt.

. 10. Arrlichter ſuchen Schätze.

Die Irrlichter über den Sümpfen halten viele Leute für Zwerge, die nach Schätzen ſuchen. Wer in der Nacht um 12 Uhr einen Zwerg dabei überraſcht, dem gehören die ganzen Schätze. Aber es ſind ſchon viele Menſchen bei dieſer Gelegenheit ums Leben gekommen.

Polniſche Quelle. Auch nach deutſchem Glauben in der Provinz ſind dort, wo ſich ein Irrlicht zeigt, große Schätze verborgen. Dieſe Schätze ſind von ihren Beſitzern einſt unrechtmäßig erworben und hier verſteckt worden. Der Geiſt des Verſtorbenen aber findet keine Ruhe; er erſcheint plötzlich als Flämmchen und verſchwindet wieder. Wenn nun je⸗ mand durch einen Zauberſpruch das Irrlicht bannen kann, ſo kann er ihm ſeine Schätze rauben, end der Geiſt wird dadurch erlöſt. Vergl. auch Blätter für pommerſche Volks⸗ kunde 1 S. 34.

II. Feld⸗ und Waldgeiſter.

Ueber Feld⸗ und Waldgeiſter ſ. Heſſiſche Blätter für Volkskunde a. a. O. und ebenſo meine Mitteilungen in den Hiſtoriſch. Monatsblättern für die Provinz Poſen Jahrg. V S. 38 ff. Eine Anzahl der nachfolgenden Sagen zeigt den Skrzat deutlich als Waldgeiſt, wie er nach Schloſſar auch in ſloveniſchen Sagen Steiermarks als Walcogeiſt erſcheint. Zu beachten iſt, daß auch in polniſchen Sagen die Waldgeiſter in Bocksgeſtalt auftreten, ebenſo wie die ruſſiſchen, ſ. W. Mannhardt, der Baumkultus der Germanen und ihrer Nachbarſtämme, S. 138 ff.

11. Przypoludnica und Pr⸗ywieczornica.

Die Przypofudnica und die Przywieczornica ſind ſchreckliche Weiber, die zur Mittags⸗ oder Abendſtunde erſcheinen. Man kann ſie nur aus der Ferne ſehen, denn beim Näherkommen fliehen ſie und verſchwinden im Walde. Sie ſollen ſehr groß und mager ſein, und den Kopf ſollen ſie mit einem Lumpen umwunden haben. Sie tragen eine Sichel. Ihr Anblick ſoll ſo furchterregend ſein, daß man davon krank wird oder oft ſogar ein tödliches Fieber bekommt. Andre ſagen, es ſind Schreckgeſpenſter, mit denen die Kinder erſchreckt werden. Sie erſcheinen vor Abend. Sie ſollen den Menſchen den Kopf abreißen und das Blut austrinken.

Nach der Erzählung eines polniſchen Wirtſchaftsbeamten. Die Mittags⸗ und Abend⸗ geiſter werden ſonſt Potudnice und Wieczornice genannt, ſ. Sagenbuch S. 75 und 345 Heſſ. Blätter für Volkskunde V S 847 ff. Sie ſind Feldgeiſter.

12. Die Smolnica.

Die Landleute, die das Zertreten des Getreides durch die Kinder hindern wollen, erfählen, daß während des Sommers die Smolnica im Getreide umherziehe und jedes Kind, das den Roggen betrete, mit ſich nehme. Sie führt einen Keſſel mit Pech bei ſich, mit dem ſie den Kindern das Geſicht beſtreicht, ſo daß ſie nicht ſehen können. Ihren Wagen ziehen zwei Hunde an der Deichſel und zwei Katzen vor der Deichſel. Wenn ſie einem Kinde das Geſicht mit Pech beſtrichen hat, ſo ſpannt ſie es