Aufsatz 
Posener Dämonensagen : Ein Beitrag zur Sagenkunde der Provinz Posen
Entstehung
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6. Das Geſpenſt von Jeeheim.

In der Nähe von Buk liegt das Dorf Seeheim, früher Jeziérek genannt. Hier gibt es viele Seen, Sümpfe und Wieſen. Ueber eine dieſer Wieſen führt ein Weg, der ſich an einer Stelle mit einem andern Wege kreuzt. Einmal um Mitternacht ging ein Soldat auf dieſem Wege nach Seeheim. Als er an den Kreuzweg kam, ſah er auf dem andern Wege eine Geſtalt gehen; es ſah aus, als ob es ein Mann in ſchwarzem Anzuge ſei. Der Soldat kümmerte ſich nicht um die Geſtalt, bis er ſchließlich ſah, daß dieſelbe in einer kleinen, aber immer gleichen Entfernung von ihm weiterging, mitten

auf den Wieſen. Da ergriff ihn große Furcht, und er machte, daß er zum Dorfe kam. Das Geſpenſt bleibt in gleichem Abſtande von dem Menſchen, den es begleitet, ſ.

Rog. Familienblatt V S. 11; ebenſo die Ziege von Ciesla, ſ. Nr. 36.

7. Der Lichtträger bei Pozejewire.

Von Bozejewice führt nach Markowitz über ſumpfigen Boden ein Landweg Rechts und links von demſelben befinden ſich einige Teiche, und neben dieſen breiten ſich Torfmoore aus. Auf dieſem Wege ſoll in dunklen Nächten der Lichtträger, polniſch Swiecznik, geſehen worden ſein. Es iſt dies ein Geiſt, der ſonſt das Waſſer bewohnt, aber zur Zeit, wenn im Frühjahr das Waſſer das umliegende Land überſchwemmt, ſich auf den Weg ſtellt und die Leute durch ſein Licht in den Teich zu führen ſucht. In einer ſolchen Nacht paſſierte ein Mann dieſen Weg. Er wollte nach Bozejewice. Da es ſehr finſter war, verirrte er ſich. Auf einmal ſah er ein Licht leuchten. Er dachte, es wäre ſchon das Dorf, und ging auf das Licht zu. Da geriet er in das Moor. Nun blieb er ſtehen und be⸗ trachtete das Licht, das ſich immer weiter von ihm entfernte. Da bemerkte er einen ſchwarzen Mann, welcher das Licht trug. Er kehrte um, um aus dem Moor herauszukommen; aber da ſah er den Licht⸗ träger plötzlich in der entgegengeſetzten Richtung erſcheinen. Nun bekreuzte ſich der Mann und ging im Namen Gottes weiter. Der Lichtträger ging dicht vor ihm her. Auf einmal fiel der Mann in einen Waſſergraben, und der Lichtträger verſchwand in einem nahen Teich. Ein Plätſchern und ein Hohugeldehter ließ ſich vernehmen, dann war alles ſtill. Der Mann half ſich vorſichtig aus dem

raben heraus und fand dann auch den richtigen Weg, um den er im Kreiſe herumgegangen war.

8. Das Irrlicht bei Lechlin.

Bei Lechlin(Kr. Wongrowitz) iſt eine kleine ſumpfige Wieſe. Dort wurden früher Irrlichter eſehen. Man erzählt, daß ſich vor vielen Jahren auf der Wieſe ein Mann an einem Baum aufgehängt hat. Seit der Zeit ſpukt es dort. Wenn in der Nacht ein Wagen in der Nähe vorbeifuhr, ſo tauchte plötzlich ein Irrlicht aus dem Waſſer und kam mitten auf den Weg, ſo daß die Pferde nicht weiter⸗ gehen wollten. Wenn man dabei fluchte, ſo ertönte ein höhniſches Lachen, und das Licht tanzte vor en Pferden her; wenn man ſich aber bekreuzte, verſchwand der Spuk ſofort, einen winſelnden Ton ausſtoßend. Einmal kam ein Jüngling in das Dorf, der hörte von dieſer Erſcheinung. Er verſprach, dem Treiben des Böſen ein Ende zu machen, und begab ſich trotz vieler Warnungen auf die Wieſe. Er kehrte aber nicht wieder zurück. Am nächſten Tage fand man ſeinen blutigen und verſtümmelten Leichnam und dabei viele ſchwarze Hundehaare. Seit der Zeit hat das Irrlicht niemanden mehr er⸗ ſchreckt; doch hört man manchmal heiſere Hundeſtimmen und das Röcheln eines ſterbenden Menſchen aus der Tiefe erſchallen. Jetzt iſt der Spuk verſchwunden, aber der Leutemund hat die Wieſe Djablak (Teufelswieſe) genannt.

9. Der Swierznik bei Nmielno.

Der Swieeznik iſt ein böſer Geiſt, der dem Menſchen in Geſtalt eines Leuchters erſcheint und ihn ins Verderben zu führen ſucht. In früheren Zeiten mußten die Bauern den Gutsbeſitzern während der Erntezeit und beim Beſtellen des Ackers helfen. Dafür durften ſie nach der Heuernte in den Nächten ihr Vieh auf den herrſchaftlichen Wieſen weiden. Einmal nun hütete ein Bauer ſeine Kühe auf der bei Imielno gelegenen Wieſe. Es war ſchon ſpät im Herbſt. In einer Nacht hüllte ſich ſein Nachbar in ein weißes Gewand und nahm eine kurze brennende Cigarre in den Mund und eine Kette in die Hand. So begab er ſich nach der Wieſe, um den Mann zu erſchrecken und fortzujagen. Als dieſer das Geſpenſt ſah, lief er eiligſt fort, in der Meinung, es ſei der Teufel. Unglücklicherweiſe fiel er in