Aufsatz 
Posener Märchen. Ein Beitrag zur Heimat- und Volkskunde der Provinz Posen
Entstehung
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gefahren. Als die Juden ihn ſahen, machten ſie große Augen und fragten ihn verwundert, wie er noch am Leben ſein könne, da ſie ihn ja doch in den See geworfen hätten. Jazek aber ſagte: Als ihr mich in den See geworfen hattet und ich ertrunken war, da nahm mich der liebe Gott zu ſich, gab mir dies Geſpann und ſchenkte mir noch ſehr viel Geld dazu. Dann ſchickte er mich wieder auf die Erde herauf. Dann fuhr er fort. Die Juden aber wollten auch ein ſo ſchönes Geſpann und ſo viel Geld haben; deshalb ſprangen ſie alle in den See und ertranken. Seit der Zeit gibt es in Bnin keine Juden mehr.

Mitgeteilt von Herrn Lehrer Wisniewski in Pruſinowo bei Kurnik. Die Erzählung findet ſich bei Grimm K. H. M. Nr. 61(Das Bürle) und Anmerkung dazu(Bd. III S. 111 ff.); Zingerle, Kinder⸗ und Hausmärchen aus Süddeutſchland S. 5 ff.(Das Bäuerlein); K. Müllenhoff, Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig, Holſtein und Lauenburg S. 401 ff. Die reichen Bauern) und Anmerkung dazu; Joſ. Haltrich, Deutſche Volksmärchen aus dem Sachſenlande in Siebenbürgen, 3. Aufl. S. 224(Der dumme Hans); J. Jegerlehner, Was die Sennen erzählen S. 44(Ich mag ſie nicht, ich will ſie nicht); U. Jahn, Volksſagen aus Pommern und Rügen S. 522, und Schwänke und Schnurren aus Bauern Mund S. 159; O. Knoop, Volksſagen aus dem öſt⸗ lichen Binterpommern S. 110 f. und Schwank und Streich aus Pommern S. 32; H. C. Anderſens Märchen: Der kleine Klaus und der große Klaus. Die Erzählung vom Bauern Kiwit ſ. auch Blätter für pom. Volkskunde IV S. 149.

In der Provinz Poſen iſt die Erzählung in eigentümlicher Weiſe mit den Juden verknüpft, mit denen ſie natürlich urſprünglich nichts zu tun hat. Ich habe ſie bereits in etwas andrer Faſſung mitgeteilt inAus dem Poſener Lande II S. 32: Warum es in Bomſt keine Inden gibt. Mit mehr Recht wird ſie indeſſen von dem Städtchen Bunin gelten, von dem ſie auch im Dziennik Poznanski vom 25. Dezember 1906(Nr. 293) erzählt wird. Kaſper, ſo heißt es hier, war ein ausgeſprochener Feind der Juden, und er ſann darüber nach, wie er ſie aus der Stadt vertreiben könne. Als die lange Nacht gekommen war, trieb er ihnen einen ſchwarzen Bock in den Tempel. Dann eilte er nach Hauſe, legte ſich ins Bett und ſagte zu ſeiner Frau, ſie ſolle, wenn die Inden kämen, um ſich an ihm zu rächen, einen Hammer nehmen und ihm damit drei Schläge auf den Kopf geben. Nach kurzer Zeit kam auch ſchon eine große Schar von Juden ins Zimmer geſtürzt, denn ſie hatten erfahren, daß Kaſper ihnen den Streich geſpielt hatte. Die Fran begann nun über den Cod ihres Mannes zu jammern; dann nahm ſie den Hammer und ſchlug damit dem Coten dreimal auf die Stirn. Sofort ſprang Kaſper auf und erklärte den erſtaunten Juden, daß der Hammer eine ſo wirkſame Kraft beſitze. Dieſe kauften ihm den Hammer für einen hohen Preis ab und eilten in die Stadt, um einer im Sterben liegenden alten Jüdin das Leben zu retten. Sie ſchlugen ihr auch dreimal gegen die Stirn; aber die Folge war, daß die alte Frau ſofort tot war. Nun erkannten die Juden Kaſpers Liſt und ſchwuren ihm Rache. Aber Kaſper war auf ſeiner Hut. Er ſagte zu ſeiner Frau: wenn die Juden kämen, um ihm etwas Böſes zu tun, ſollte ſie ſofort hinlaufen und den Tempel anſtecken. Bald kamen die Juden wieder, ſteckten Kaſper in einen Sack und wollten ihn im See ertränken. Doch auf halbem Wege mußten ſie umkehren, denn es wurde ihnen berichtet, daß ihr Tempel brenne. Sie ließen den Sack fallen und eilten zur Brand⸗ ſtätte. Kaſper aber dachte darüber nach, wie er ſich aus dem Sack befreien könnte. Da hörte er plötzlich das Geräuſch eines herannahenden Wagens und begann nun folgendes Selbſtgeſpräch zu führen:Ich will nicht König der Juden werden! Mögen ſie einen Juden wählen! Ich will's nicht werden, und ſollte ich es mit meinem Leben büßen! Der Vorüberfahrende war ein reicher jüdiſcher Viehhändler, der nach Bnin fuhr, um daſelbſt den Viehmarkt zu beſuchen, der am nächſten Cage ſtattfinden ſollte. Er hatte eine ganze Menge Vieh bei ſich. Der Mann hörte das Geſpräch Kaſpers und fragte ihn, ob er ihm nicht die Ehre, König der Juden zu werden, übertragen wolle. Kaſper war dazu bereit, verlangte aber eine entſprechende Entſchädigung. Der Viehhändler gab ihm ſein Geſpann, ſein Vieh und alles Geld, das er ſich bei hatte; dann kroch er in den Sack und ließ ihn wieder zubinden. Kaſper ſetzte ſich in den Wagen und fuhr nach dem nächſten Dorfe. Inzwiſchen hatten die Juden den Brand gelöſcht und kehrten wieder zu dem Sacke zurück, um ihren Racheplan zu verwirklichen. Sie warfen den Sack in den See, und der Viehhändler mußte ertrinken. Nachdem am nächſten Tage der Viehmarkt begonnen hatte, kam in einem eleganten Geſpann ein reichgekleideter Herr gefahren, der führte eine ſtattliche Herde Vieh zum Markte.

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