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Stück gegangen war, kam er an einen großen Wald. Am Wege blieb er ſtehen. Da ſah er einen ſchönen, mit vier Pferden beſpannten Wagen ankommen. In demſelben ſaß ein reicher Herr. Als dieſer den Müllergeſellen mit dem Gewehr ſah, forderte er ihn auf, eine wilde Gans, welche gerade über dem Walde flog, zu erſchießen. Der Wanderburſche war einvörſtanden, doch unter der Bedingung, daß der Herr die Gans, wenn er ſie erſchoſſen hätte, holen ſollte. Der Herr ging auf dieſe Bedingung ein, und der Müllergeſelle erſchoß die Gans. Dieſe fiel in dichtes Dornen⸗ geſtrüpp; trotzdem ging der Berr hin, um ſie zu holen. Als er mitten im Gebüſch war, nahm der Müller ſeine Geige und begann zu ſpielen. Sofort fing der Herr im Dornengebüſch zu tanzen an und zerriß ſich dabei die Kleider und verletzte ſich. Der Müllergeſelle aber zog ſeine Meilen⸗ ſtiefel an, und mit zwei Schritten war er weit fort. Er kam nun in ein Dorf und fragte bei dem Gutsherrn an, ob er nicht einen Jäger gebrauche. Er wurde gern angenommen, da der Herr gerade ein großes Feſt veranſtalten wollte, zu dem er viel Wild gebrauchte. Der Müllergeſelle nahm ſein Gewehr und ging in den Wald, und in kurzer Zeit hatte er eine ſolche Menge Wild geſchoſſen, daß es mit zwei Wagen fortgeſchafft werden mußte. Während des Feſtes kamen die Herren auf ihre Dienſtleute zu ſprechen, und der Gaſtgeber erzählte dabei von ſeinem geſchickten Jäger. Die Gäſte wünſchten ihn zu ſehen, und ſo ließ man ihn holen. Unter den Gäſten befand ſich aber auch jener Herr, den der Müllergeſelle vor einigen Tagen ſo angeführt hatte. Er erkannte den Jäger ſofort wieder und bat den Gaſtgeber, ihm den Jäger zu verkaufen, damit er ihn an den Galgen bringe. Anfangs weigerte ſich der Herr entſchieden, dem Wunſche ſeines Gaſtes nachzukommen; zuletzt aber gab er nach, und der Müllergeſelle ſollte nun gehängt werden. Kurz vor ſeinem Code bat er um die Erlaubnis, ſich von ſeinem Herrn verabſchieden zu dürfen. Schnell zog er nun ſeine Meilenſtiefel an, und mit wenig Schritten war er weit fort. Bald kam er bei einem Felde vorbei, auf welchem die Leute damit beſchäftigt waren, den Hafer zu mähen und aufzuſtellen. Es war das letzte Feld, und deshalb ſollte am Abend das Erntefeſt gefeiert werden. Ein alter Mann ſtand neben den Leuten. Als dieſer den Müllergeſellen ſah, fragte er ihn, ob er gut Geige ſpielen könne; und als jener das bejahte, forderte der Greis ihn auf, am Abend bei dem Feſte zu ſpielen. Der Müllergeſelle erklärte ſich bereit dazu, wollte jedoch vorher dem Alten eine Probe ſeiner Kunſt geben. Er nahm ſeine Geige und ſpielte, und ſogleich fingen alle Leute zu tanzen an, am meiſten aber der Greis. Der Müllergeſelle ließ ſie ſo lange tanzen, bis ſie allen ſchon aufgeſtellten Hafer umgeworfen hatten; dann zog er ſeine Meilen⸗ ſtiefel an und war bald weit fort. Die Leute aber zürnten ihm ſehr, denn nun konnte am Abend das Erntefeſt nicht ſtattfinden, weil die Arbeit nicht beendet war.
13. Warum es in Bunin keine Juden gibt.
In dem Städtchen Bnin ſollen in früherer Zeit ſehr viele Juden gewohnt haben. Dort lebte auch ein katholiſcher Chriſt, den man wegen ſeiner Beſchränktheit allgemein den dummen Jazek nannte. Da dieſer den Juden manchen Streich ſpielte, ſo beſchloſſen ſie, ihn in dem nahe gelegenen See zu ertränken. Zu dieſem Zwecke ſteckten ſie ihn in einen Sack, trugen ihn an den See und verbargen ihn in den Sträuchern, um ihn am Abend in das Waſſer zu werfen. Als nun Jazek in dem Sacke ſaß, kam ein reicher adliger Herr auf einem mit vier Pferden beſpannten Wagen dahergefahren. Jazek hörte das Nahen des Wagens und rief laut um Zülfe. Als der Herr das Geſchrei vernahm, ließ er halten und ſtieg vom Wagen. Bald hatte er den Jazek ge⸗ funden und fragte ihn erſtaunt, was er denn da in dem Sack mache. Und Jazek erwiderte ihm: „Berr, die Juden wollten mich zu ihrem König machen; ich aber wollte nicht, und deshalb haben ſie mich zur Strafe in dieſen Sack geſteckt. Gegen Abend werden ſie wiederkommen und mich zum Uönig ausrufen.“ Als der Berr das hörte, wurde in ihm der Wunſch wach, ſelbſt König der Juden zu werden. Deshalb ſagte er zu Jazek, er ſolle ſein Geſpann und all ſeinen Reichtum nehmen; er ſelbſt werde hier bleiben, um König der Juden zu werden. Jazek war damit einverſtanden. Er ſetzte ſich in den Wagen und fuhr davon. Der Herr aber kroch in den Sack und wartete un⸗ geduldig auf den Abend. Als es dunkel geworden war, kamen die Juden und warfen den Sack mit dem Edelmann in den See, und der Betrogene mußte ertrinken. Darauf kehrtenzſie wieder in die Stadt zurück. Am andern Cage kam Jazek mit ſeinem ſchönen Geſpann in die Stadt Bnin


