26
ſich die Erzählung wieder, doch wird hier eine Pfeife ſtatt einer Geige genannt. Auch hier iſt es der Herr Jeſus, der dem Anecht die Pfeife gibt zum Lohn dafür, daß er ihm die aus der Hölle mitgenommenen, in Schäfchen verwandelten Seelen überläßt. In einem finniſchen Märchen bei E. Schreck S. 154 erhält der Jüngling von dem Unhold drei Muſikinſtrumente: eine Kantele (Sither), eine Fiedel und eine Flöte, die er ſpielen ſoll, wenn er in Gefahr gerät. Von einem Unecht bei dem Könige verleumdet, ſpielt er ſeine Inſtrumente und rettet ſich dadurch von dem Tode des Erhängens. Beim dritten Mal will der König die Erlaubnis zum Spielen nicht mehr geben; ſchließlich gibt er ſie doch, läßt ſich aber an eine große Tanne feſtbinden, aus Furcht, ſich zu Tode tanzen zu müſſen, wenn er frei bliebe. Nach Krauß, Sagen und Märchen der Süd⸗ ſlaven Bd. I S. 181 läßt Petrus den Diener eine Pfeife finden nach der jeder tanzen muß. Um ſie auszuprobieren, ſetzt der Diener ſie an. Zufällig fuhr ein Pfaffe vorüber, und ſobald das Pfeifchen ertönte, ſprang er vom Wagen und tanzte ſo lange zwiſchen Dorn und Strauch, bis er ganz zerſchunden war. Bei Haafe, Sagen aus der Grafſchaft Ruppin S. os, ſpielt ein kleiner roter Mann die Harmonika, nach deren Tönen Vater Dankow tanzt, immer durch die Zacken der Bäume hindurch, bis er ſich alles Zeug vom Leibe geriſſen hat. Bei K. Knortz, Irländiſche Märchen S. 92, ſchenkte der Rieſe dem Com eine Wunderpfeife, die jeden tanzen machte, der ihre Töne hörte. Tom überzeugte ſich auch bald von ihrer Wunderkraft, indem er ſich auf ein Holzbündel ſetzte und dieſes nach Hauſe tanzen ließ. Und S. 94 beißt es: Tom ſpielte ſo ſchön, daß alle Hofleute zu tanzen anfingen, und auch der Drache, den Com beſiegt hatte, ſtellte ſich auf den Schwanz und begann zu tanzen. Dadurch bringt Com die Königstochter zum Lachen. Ahnlich J. W. Wolf, Deutſche Hausmärchen S. 301. Bei Schleicher, Litauiſche Märchen S. 104, kommt der Prinz, dem die Königstochter verſprochen iſt, der aber von einem General um dieſelbe betrogen wird, als Bettler verkleidet mit ſeiner Geige an den Königshof, wo gerade die Hochzeit mit dem General gefeiert werden ſoll. Da alle ſo kümmerlich daſaßen, bat er um die Erlaubnis, einige Stückchen ſpielen zu dürfen. Und als er zu ſpielen anfing, da begann eine ſolche wunderbare Luſtbarkeit, ein Canzen und Jubeln im ganzen Palaſte des Königs, als wäre irgend ein herrlicher Tag angebrochen, und alle düſtere Trauer und Gedrücktheit war geſchwunden. Endlich ſei noch verwieſen auf J. W. Wolf, Deutſche Hausmärchen S. 225: Ein Soldat erhält von ſeinem Reiſe⸗ kameraden eine pfeife, welche die Eigenſchaft hatte, daß alle tanzen mußten, wenn man ſie blies. Er vertreibt damit die Teufel aus einem Schloſſe, indem er ſie ſo lange tanzen läßt, bis ſie verſprechen, das Schloß zu verlaſſen; und in der Hölle läßt er ſie ſo lange tanzen, bis ſie ver⸗ ſprechen, ihn zum Oberſten in der Hölle zu machen.
Von beſonderem Intereſſe iſt noch ein polniſches Märchen bei St. Chelchowski, Powiesci i opowiadania ludowe z okolic Przasnysza I S. 118 ff. Ein Müllergeſelle ging einſt auf die Wanderſchaft. Eines Tages kam er zu einer Hütte. Er trat hinein, fand ſie aber leer. Er brannte deshalb ein Licht an und beſah ſich den Raum. Da ſah er an der Wand zwei Bilder hängen; das eine ſtellte Gott, das andre den Teufel vor. Er brannte nun noch ein Licht an und ſtellte vor jedes Bild ein Licht, indem er ſagte, man müſſe Gott treu dienen, den Böſen aber nicht ärgern.*) Dann legte er ſich nieder und ſchlief ein. Um Mitternacht kamen drei Teufel zu der Hütte. Als ſie den ſchlafenden Wanderburſchen ſahen, ſagte der eine, man müſſe ihm den Kopf abreißen; der zweite jedoch riet davon ab, indem er ſagte, der Schlafende müſſe belohnt werden, da er auch für ihr Bildnis ein Licht angebrannt habe. Der dritte Teufel ſtimmte ihm bei. Nun gab ihm der eine ein Paar Stiefel, welche die Eigenſchaft beſaßen, daß er mit ihnen bei jedem Schritt eine Meile, bei jedem Sprunge zwei Meilen zurücklegte; der zweite Teufel gab ihm eine Geige, die ſo ſchön ſpielte, daß jeder Zubörer ſogleich tanzen mußte; der dritte gab ihm ein Gewehr, mit dem er alles ſchießen konnte, was er wollte. Darauf gingen die Ceufel fort. Als der Müller⸗ geſelle am andern Morgen erwachte, nahm er die Geſchenke und ging weiter. Als er ein gutes
*) Vergl. dazu mein Poſener Sagenbuch S. 103 und Conſt. Wurzbach, Die Sprichwörter der Polen hiſtoriſch erläutert, S. 25 f. Das Sprichwort findet ſich, wie ſchon Wurzbach angibt, auch bei den Deutſchen, ſo z. B. bei B. Friſchbier, Preußiſche Sprichwörter und volkstümliche Redensarten, 2. Aufl. Nr. 2415: Man muß dem lieben Gott ein, dem Ceufel zwei Lichter anſtecken. Zu der Erzählung ſ. auch H. Merkens, Was ſich das Volk erzählt, Bd. III S. 252 und die Bemerkung S. 257 f. Sie iſt in der Rheinprovinz und weſtfalen ſehr verbreitet und wird ſchon bei Johannes Pauli, Schimpf und Ernſt, erzählt.


