Aufsatz 
Posener Märchen. Ein Beitrag zur Heimat- und Volkskunde der Provinz Posen
Entstehung
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in dieſem Walde wurde er von einer Hexe in einen Stein verwandelt. Die Fortſetzung des Mär⸗ chens, nämlich die Errettung durch den Bruder, iſt in der Poſener Faſſung vergeſſen. Die Ver⸗ wandlung in Stein als Strafe für die Entheiligung des Feiertages findet ſich auch ſonſt in Poſener Sagen, vgl. z. B. das ſteinerne Pferd bei Jarotſchin, Rogaſener Familienblatt VI S. 32.

12. Der Jude im Dorn.

Bei einem Landwirt diente ein Unecht, der war ſtark, geſund und fleißig, und ſein Herr war durchaus zufrieden mit ihm. Als dieſer nun keine Arbeit für den Unecht hatte, da ſagte er zu ihm, er müſſe ihn aus dem Dienſt entlaſſen, weil es nichts mehr zu tun gebe, und er fragte ihn, welchen Lohn er für das Jahr haben wolle. Der Unecht ſagte, er wolle einen Caler haben. Der Herr wunderte ſich über ſolche Beſcheidenheit und wollte ihm zwanzig Taler geben, da er noch nie einen ſo guten Knecht gehabt habe; aber der Anecht beſtand darauf, daß er ihm nur einen Caler gebe; denn er wiſſe nicht, was er mit ſo vielem Gelde anfangen ſolle, und er habe auch geſunde Glieder und könne ſich ſeinen Unterhalt leicht verdienen. Darauf zog er ab. Sein Weg führte ihn durch einen großen Wald. Als er nun ſo leichten Herzens auf einem ſchmalen Wege mitten im Walde dahinging, begegnete ihm ein alter Mann, der war lahm und hatte nur eine Hand. Auf dem Rücken trug er eine Geige und eine Büchſe. Er konnte nicht gehen, ſondern mußte ſich mit Armen und Füßen kriechend auf dem Boden fortbewegen. Als er den Unecht ſah, bat er ihn um ein Almoſen. Bei dem Anblick dieſes Unglücklichen beſann ſich der Unecht nicht lange, ſondern ſagte:Bier haſt du den Taler! Ich habe geſunde Glieder und kann mir mein Brot ſchon verdienen. Der Unecht wußte nicht, daß es der Herr Jeſus ſelbſt war, der ihn um ein Almoſen angeſprochen hatte. Da ſprach dieſer:Ich kann dir für den Taler nichts weiter geben als die Geige und die Büchſe, die ich auf dem Rücken trage. Beide ſind ſehr wertvoll. Wenn du auf der Geige ſpielſt, ſo wird jeder, der die Muſik hört, tanzen; und mit der Büchſe wirſt du einen Vogel im Fluge niemals verfehlen. Binde ſie von meinem Rücken los! Voll Freude nahm der Anecht beides und wanderte weiter.

Bald ſprang ein gewaltiger Hirſch vor ihm auf. Der Unecht wollte ſogleich die Büchſe erproben und ſchoß, und ſofort fiel der Hirſch tot nieder. Er hatte aber nicht geſehen, daß auch noch ein andrer auf den Uirſch gezielt hatte, wenngleich nur mit einem Stock. Es war ein Jude, der ſich hinter einem Baum verſteckt gehalten hatte. Als dieſer nun den Hirſch auf dem Boden liegen ſah, da trat er vor und ſagte, er habe den Hirſch geſchoſſen, und er gehöre ihm. Der Unecht erwiderte ihm:Wie kannſt du Jude mit einem Stocke ſchießen? Der Jude, der viel Geld mit ſich führte und ſehr geizig war, antwortete:Wenn Gott es fügt, dann auch mit einem Stock.*) Um ſich nicht zu ſtreiten, gab der Unecht ſchließlich nach. Da erblickte der Jude auf einem hohen Baume einen ſeltenen und ſehr ſchönen Vogel, und er ſagte zu dem Knechte:Wenn du ſo gut ſchießen kannſt, dann ſchieße den Vogel herunter, und ich werde dir meinen ganzen Beutel voll Geld geben. Hinter dem Baume ſtanden zahlreiche Dornenſträucher, und als der Vogel tot herunterfiel, da fiel er mitten in das Geſträuch. Eilends kroch der Jude in die Sträucher hinein, um den Vogel herauszuholen. Als der Knecht das ſah, ſagte er zu ſich:O wart, Jude, ich werde dich ſchon kriegen! Und er nahm ſeine Geige und begann zu ſpielen. Sofort mußte der Jude in den Dornenſträuchern tanzen. Im Ru war der ſchöne Vogel zerfetzt, und dem Juden hingen die Kleider in Lumpen herab; er ſelbſt war von den ſpitzen Dornen ganz zerkratzt und über und über blutüberſtrömt. Er ſchrie vor Schmerzen und bat den Geiger einzuhalten; aber der ließ ſich nicht ſtören. Erſt als der Jude vor Ermattung umſank, da hörte er auf. Er nahm das Geld, das ihm der Jude verſprochen hatte, lud den kranken Juden auf ſeinen Rücken und trug ihn zu der nahen Stadt, wo er wohnte. Dann ging er weiter.

Am andern Morgen lief der Jude auf die Polizei und ſagte dort, ein Geiger habe ihn im tiefen Walde ermorden wollen und ſeiner ganzen Barſchaft beraubt. Der Geiger wurde ergriffen, und da der Jude ſeine Ausſage durch einen Eid bekräftigt hatte, ſollte jener auf dem Markt gehängt werden. Zu dieſem Zwecke wurde ein Gerüſt aufgeſchlagen. Swar erklärte der

*) Polniſches Sprichwort: Jak Bôg da, to i kija.