Aufsatz 
Posener Märchen. Ein Beitrag zur Heimat- und Volkskunde der Provinz Posen
Entstehung
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Geld Brot und Fleiſch mit, und die Schweſter bereitete das Mahl. Am nächſten Tage ging er weiter in den Wald hinein, um vielleicht noch mehr Wild zu erlegen. Doch er verirrte ſich. Nach einiger Feit kam er an ein zweiſtöckiges Haus, welches von einem hohen Bretterzaun umgeben war. Er kletterte über den Saun und trat in das Haus ein. Gleich in dem erſten Simmer fand er viele Gewehre, und auf dem Tiſch lagen blutbefleckte Meſſer. In einer Ecke ſtand ein Faß mit Wein, von dem trank er. Darauf begann er zu ſingen. Aber da trat ein ſchönes junges Mädchen zu ihm, begrüßte ihn freundlich und verbot ihm zu ſingen, da er ſich in einem Räuber⸗ palaſt befinde, und die Räuber müßten jeden Augenblick heimkehren. Sie wollte ihn vor den Räubern verbergen, damit ſie ihn nicht töteten; doch er nahm ihr Anerbieten nicht an, ſondern ſagte, daß er die Räuber töten wolle. Bald kamen auch die zwölf Räuber und verteilten die Beute auf dem Hofe. Ihre Pferde begannen zu wiehern, als ob ſie den Fremden witterten. Da ſchickte der Hauptmann drei Räuber hin, welche nachſehen ſollten, wer da wäre. Der Fremdling erſchlug ſie. Als ſie nicht zurückkehrten, ſchickte der Hauptmann drei andre hin, und dann noch vier andre; aber auch ſie wurden alle von dem Jüngling erſchlagen. Durch ihr Ausbleiben beunruhigt, ging er denn zuletzt mit dem elften ſelbſt in das Haus. Als er den Fremden ſah, drang er auf ihn ein, wurde aber getötet. Nur der elfte Räuber, Samujla mit Namen, blieb am Leben; denn als er ſah, was geſchehen war, hatte er ſich hinter einer geheimen Tür verborgen. Das Mädchen führte nun den Jüngling im Hauſe umher, zeigte ihm alle Schätze und bat ihn, bei ihr zu bleiben, indem ſie ihm erzählte, daß ſie eine Königstochter ſei, die die RKäuber geraubt hätten. Er ſagte ihr, daß er noch eine Schweſter habe und wieder zurück zu ihr müſſe; doch ſie forderte ihn auf, daß er die Schweſter hole, und gab ihm viele koſtbare Geſchenke für ſie mit. Der Jüngling kehrte zur Wald⸗ hütte zuruck; Bruder und Schweſter verabſchiedeten ſich von ihren Geſchwiſtern und ſiedelten dann in den Räuberpalaſt über. Die Schweſter beſah ſich all die ſchönen Simmer, und ſo kam ſie auch zu der Cür, hinter welcher ſich Samujla verborgen hielt. Der Räuber verliebte ſich ſofort in ſie. Beide erſinnen dann einen Plan, den Bruder zu beſeitigen. Der Räuber unterrichtet die Schweſter im Kartenſpiel; wenn ſie es genügend kann, ſoll ſie mit dem Bruder Karten ſpielen und zwar unter folgender Bedingung: Wenn ſie verſpielt, ſoll ihr der Bruder die Hände auf dem Rücken zuſammenbinden; verſpielt er aber, ſo ſoll ſie dem Bruder die Hände feſtbinden. Die Königstochter hat aber den Plan belauſcht und teilt ihn dem Jüngling mit, den ſie nun eben⸗ falls im Kartenſpiel unterrichtet. Eines Abends bittet die Schweſter den Bruder, mit ihr Karten zu ſpielen. Er gewann das erſtemal und feſſelte ihr deshalb die Hände ganz leicht mit einem Cuch, ſo daß ſie ſich ſofort löſen konnte. Das zweitemal gewann die Schweſter, und nachdem ſie dem Bruder die Hände feſt auf dem Rücken zuſammengebunden hatte, rief ſie:Der Bruder hat verſpielt! Auf dieſes Zeichen ſtürzte der Räuber ins Simmer, und er hätte den Bruder erſchlagen, wenn ihm die Königstochter nicht zur rechten Zeit den Kopf abgeſchlagen hätte. UÜber die treuloſe Schweſter wurde nun eine ſchwere Strafe verhängt. Der Bruder ließ zwei Fäſſer in ihr Zimmer bringen; das eine war mit Kohlen angefüllt, das andre war leer. Die Schweſter ſollte nun die Kohlen aus dem einen Faß verzehren, und das andre ſollte ſie mit ihren Tränen anfüllen. Außerdem ließ er von einem Schmied ſchwere Eiſenſchuhe anfertigen, in denen ſollte ſie ſo lange tanzen, bis ſie abgetanzt wären.*) Der Jüngling und die Königstochter fuhren darauf zu dem König, dem Vater der geraubten Prinzeſſin, der die beiden vermählte. Nach einiger Seit kehrt das junge Paar zum Räuberpalaſt zurück, um ſich die Schätze zu holen; und da das Kohlenfaß faſt leer, das andre mit Tränen angefüllt iſt und auch die Eiſenſchuhe bald abgenutzt ſind, ſo erhält die Schweſter Verzeihung, nachdem ſie verſprochen, nie mehr etwas Böſes gegen den Bruder zu unternehmen. Die Schätze werden den Beraubten zurückgegeben.

Der auffallende Schluß unſeres Poſener Märchens beruht vielleicht auf dem Märchen von den beiden Brüdern bei Grimm U. B. M. Nr. 60, das ebenfalls ein Drachenmärchen iſt. Zier wird erzählt: Nachdem der Drachentöter die Königstochter geheiratet hat, lebten ſie vergnügt miteinander. Er zog oft hinaus auf die Jagd, weil das ſeine Freude war, und die treuen Tiere mußten ihn begleiten. In der Nähe aber lag ein großer Wald, in dem es nicht geheuer war, und

*) Über das Abnutzen der eiſernen Schuhe ſ. E. Sklarek, Ungariſche Volksmärchen, Anmerkungen S. 289; über das Anfüllen eines Faſſes mit Cränen ebenda S. 298.