Aufsatz 
Posener Märchen. Ein Beitrag zur Heimat- und Volkskunde der Provinz Posen
Entstehung
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Wind lief voran und tötete ſie alle auf der Stelle. Er ging weiter und wurde bald von zehn Räubern überfallen. Aber da eilte Eiſenſtahl dem Wind zu Hülfe, und im Augenblick erwürgten die beiden Hunde alle zehn Räuber. Er ging noch weiter und traf auf fünfzehn Räuber, und auch dieſen machten die drei Hunde den Garaus. Zuletzt kam er zu der Zütte der Räuber. In dieſer war nur ein einziger zurückgeblieben. Als dieſer den Burſchen mit den drei Hunden an⸗ kommen ſah, wurde ihm angſt für ſein Leben; er lief fort, und nachdem er lange im Walde umhergeirrt war, kam er zuletzt im Hauſe der Schweſter des Burſchen an. Er gefiel ihr, und ſie verlobte ſich mit ihm. 4

Der Burſche fand in der Hütte viel Geld. Er nahm es und kehrte nach einiger Feit damit nach Hauſe zurück; denn er wußte nicht, wo er es ſonſt laſſen ſollte. Bei der Schweſter fand er den Räuber vor; er wußte es aber nicht, und ſo erzählte er den beiden ſeine Zeldentaten, indem er alles ſeiner eigenen Stärke zuſchrieb. Da ſagte der Räuber zu der Schweſter:Binde ihm mit dieſem Faden die beiden Berzfinger hinterrücks zuſammen, ſo wird er keine Uraft mehr haben. Und er gab ihr einen beſonders hergerichteten Faden. Die Schweſter tat es, und der Bruder konnte ſich nicht rühren. Da trat der Räuber vor, gab ſich zu erkennen und wollte ihn töten. Aber in dieſem Augenblick kamen Wind, Eiſenſtahl und Menſchenverſtand durch das Fenſter geſprungen und zerriſſen den Räuber. In ſeiner Wut hätte der Burſche faſt auch ſeine Schweſter getötet; aber ſie bat ihn, ihr das Leben zu ſchenken, und ſo ließ er ſie leben und ging von dannen.

Bald kam er in ein Königreich. Dort mußte jedes Mädchen, welches zwanzig Jahre alt geworden war und ſich bis dahin nicht verheiratet hatte, einem Drachen vorgeworfen werden. Er kam eben in der Stadt an, als die Uönigstochter dem Drachen übergeben werden ſollte. Da fragte er, wo ſich der Drache aufhielte, machte ſich auf und ging zu der ihm bezeichneten Stelle. Er kam zu einer Zöhle und wartete dort auf das Untier. Dieſes kam auch bald heraus und fragte den Burſchen, was er wolle. Aber da fielen auch ſchon die Hunde über den Drachen her und töteten ihn. Der Burſche ſchnitt nun dem Drachen die Zunge ab, ſchrieb Tag und Jahr des Vorfalls darauf, ſteckte ſie in die CTaſche und ging aus der Höhle heraus. Eben kam die Königs⸗ tochter angefahren; ſie ſollte dem Drachen überliefert werden. Sie weinte und wollte nicht vom wagen herabſteigen. Da ſagte ihr der Burſche, daß ſie erlöſt ſei, denn er habe den Drachen bereits getötet. Die Uönigstochter zeigte ſich ihrem Retter gegenüber ſehr dankbar und erklärte ihm, daß ſie ſeine Frau werden wolle. Doch der Burſche wollte ſich erſt weiter die Welt anſehen, verſprach ihr aber, daß er nach einem Jahr wiederkommen werde. So zog er weiter.

Als aber der Kutſcher, der die Königstochter hergebracht hatte, dieſe Worte gehört hatte, nahm er des Drachen Kopf an ſich, und auf dem Heimwege zwang er die Prinzeſſin, daß ſie ihm ſchwören mußte, ihn für ihren Retter auszugeben und ihn zum Manne zu nehmen. Als ſie nach Bauſe kamen, zeigte er dem Uönig den Drachenkopf und ſagte, er habe den Drachen getötet. Zum Lohn forderte er die Hand der Uönigstochter. Der König willigte ein. Aber die Königs⸗ tochter wollte erſt nach einem Jahr Hochzeit halten, denn ſie dachte, daß inzwiſchen ihr Retter kommen und alles ans Licht bringen werde. Doch das Jahr ging vorüber, und er kam nicht. Da mußte nun die Königstochter mit dem Uutſcher Hochzeit halten. Schon rüſteten ſie ſich zur Rirche, als ein Burſche mit drei Hunden in die Stadt kam. Es war der Drachentöter. Dieſer ſchrieb einen Brief an die Königstochter und übergab ihn ſeinem Wind, damit er ihn der Prinzeſſin bringe. Sie gab dem Bunde einen andern Brief mit, in welchem ſie ihren Retter einlud, ſogleich zu ihr zu kommen. Aber wegen der großen Menſchenmenge, die ſich vor dem Schloſſe angeſammelt hatte, konnte er nicht in das Schloß hinein, und ſo erwartete er ſie vor dem Tore. Als die Prinzeſſin ihn nun erblickte, da eilte ſie ſogleich auf ihn zu und führte ihn zu ihrem Vater. Hier mußte er alles erzählen. Zur Beſtätigung ſeiner Rede zeigte er die Drachenzunge vor. Der Uönig fragte darauf den Kutſcher, ob es ein Tier ohne Zunge gebe. Der aber konnte nichts antworten und wurde nun von den drei Hunden in Stücke geriſſen.

Jetzt wurde die Hochzeit mit dem wirklichen Erretter gefeiert. Er lebte darauf aber nur noch zwei Jahre. Jeden Cag ging er mit ſeinen Hunden auf die Jagd, zuletzt auch an den Feiertagen. Als er an einem Gſterſonntage wieder zur Jagd ausgegangen war, wurde er zur Strafe dafür in einen Stein verwandelt.