Aufsatz 
Posener Märchen. Ein Beitrag zur Heimat- und Volkskunde der Provinz Posen
Entstehung
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und deshalb kaufte er trotz des hohen Preiſes den Strick mit. Zu unſerm Märchen vgl. Grimm K. B. M. Nr. 68(De Gaudeif un ſien Meeſter) und die Bemerkung dazu. Ahnlich iſt auch die Erzählung bei Fr. S. Krauß, Sagen und Märchen der Südſlaven Bd. II Nr. 100(Der durchtriebene Diener): Der Vater ſoll den Jaum abnehmen, ſobald er dem Teufel das Pferd verkauft hat; doch der Teufel kommt ihm zuvor und reitet auf dem Pferde ſchnell davon. In ein anderes Märchen eingefügt findet ſich dieſer Zug bei U. Jahn, Volksmärchen aus Pommern und Rügen S. 129 f. Durch das Umwerfen einer Pferdedecke verwandelt eine Schlange den betrogenen König in einen prächtigen Schimmel und trägt ihm auf, ſich zu einem Bauern zu begeben und von dieſem für 10 000 Taler verkaufen zu laſſen; doch ſolle er ja dafür Sorge tragen, daß der Bauer den Faum nicht mitverkaufe; ſonſt ſei er verloren. Der Grund dafür wird hier, wie anderwärts, nicht angegeben, ergibt ſich aber aus dem polniſchen Märchen. Zur Literatur desſelben vergleiche noch: Woxcicki, Polniſche Volksſagen und Märchen, überſetzt von Leweſtam S. 110 ff.(Der Hexenmeiſter und ſein Lehrling); Wuk St. Karadſchitſch, Volksmärchen der Serben Nr. 6(Der Ceufel und ſein Lehrjunge); E. Veckenſtedt, Wendiſche Sagen, Märchen und abergläubiſche Ge⸗ bräuche S. 255 ff.(Der Zauberlehrling, I und II); E. Sklarek, Ungariſche Volksmärchen Nr. 25 (Aſchen⸗Jörge) und S. 295, wo ſich noch einige Literaturnachweiſe finden; K. Müllenhoff, Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig, Holſtein und Lauenburg S. 406(Der Teufel iſt tot); L. Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg Bd. II S. 326 f. HZier bildet die Erzählung von dem überwundenen Fauberer die Einleitung zu den Streichen des Bärenmenſchen. Vgl. auch die Bemerkung Weinholds in der Zeitſchrift des Vereins für Volks⸗ kunde VI S. 322 und Maurers Hinweis auf die isländiſche Sage ebd. S. 444.

10. Wie ein Grafenſöhnlein in einen Eſel verwandelt wird.

In dem alten, jetzt längſt verfallenen Schloſſe bei Kurnik wohnte vor langen Jahren ein Graf mit ſeiner Gemahlin. Sie hatten nur einen Sohn, und das war ein gefühlloſer Knabe, der ſeine größte Freude hatte, wenn er Menſchen und Tiere peinigen konnte. Die Diener machten, obwohl ſie ihrem jungen Herrn gar nicht hold waren, doch tiefe Verbeugungen vor ihm und ließen ſich alles von ihm gefallen. Sein Hauptvergnügen war das Reiten, und es wurde deshalb für den jungen Grafen ein niedliches Eſelein angekauft. Da das Eſelein gut dreſſiert war und der kleine Graf das Reiten nur ſchlecht verſtand, ſo kam es oft vor, daß das Eſelein, wenn es die Sporen fühlte, unwillig wurde und ſeinen Reiter abwarf.

Einmal ritt das Grafenſöhnlein, begleitet von einem ſeiner Diener, durch einen Wald. Das Eſelein trug ihn auf dem ebenen Wege ſanft dahin. Da fiel es dem Reiterlein ein, von der glatten Bahn abzubiegen und mitten durch Dickicht und Dornen hindurchzudringen. Das Eſelein, welches nicht für gut fand, vom rechten Wege abzuweichen, blieb, als der Boden durch die knorrigen Wurzeln der Tannen und Fichten holperig und unangenehm wurde, alsbald ſtehen. Der junge Graf ſpornte das Tier heftig an, aber es rührte ſich nicht von der Stelle. Wütend darüber, ſchlug er das ruhig daſtehende Eſelein mit einem Knüttel auf den Kopf, aber das Eſelein ſchrie nicht, ſondern ſchüttelte die Mähne und legte ſich nieder. Der abgeſetzte Reiter wußte ſich vor Forn nicht zu faſſen; er ſtieß dem Eſelein mit den Abſätzen ſeiner Schuhe in die Seiten und wollte es zum Aufſtehen nötigen. Da ſtand plötzlich eine hagere, weißhaarige Frau vor ihm, die öffnete ihren Mund und richtete folgende Worte an den jungen Grafen:Wenn das Eſelein geſcheidter iſt als du, warum ſchlägſt du esd Wollteſt du auf dem holperigen Boden abſtürzen und dir das Genick brechend Der junge Graf, dem bis zu dieſer Seit jede Belehrung und jeder Widerſpruch fremd war, ſprang ſchimpfend auf die Frau zu und wollte ſie für ihre Zurecht⸗ weiſung züchtigen; aber in dem Augenblick, als er die Hand erhob, hielt die Alte ihren Haſel⸗ ſtecken gegen ihn und rief:Still und ſteif! Der zornige Unabe ſtand unbeweglich und ſtumm wie ein Steinblock, und die Frau ſah ihn mit ihren großen Augen an und ſprach:Nun iſt es aus mit dir, du Tier⸗ und Menſchenquäler! Ich kenne dich, junger Wüterich! Du würdeſt einſt deine Mutter ins Geſicht ſchlagen. Aber ich will dir einen andern Platz anweiſen; du ſollſt geſtraft und unſchädlich gemacht werden. Eſelein, deine Seele in die Haut des Grafenſöhnleins! Grafen⸗ ſohn, deine Seele in die Eſelshaut! Und ſo ſei es euer Leben hindurch! Der Eſel ſprang luſtig

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