finden. Das nimm und führe es auf den Markt. Für das Schwein ſollſt du hundert Taler fordern, für den Strick aber, an dem das Schwein angebunden iſt, zehn.“ Am frühen Morgen nun ver⸗ wandelte ſich der Sohn in ein Schwein, und derstrick, an dem das Schwein angebunden war, war er auch, oder vielmehr ſein Geiſt, während das Schwein der Körper des Knaben war. Der Vater führte das Schwein zum Markte und verkaufte es für hundert Caler; den Strick aber behielt er, da niemand den geforderten Preis dafür zahlen wollte. Als der Käufer das Tier in ſeinen Stall gebracht hatte, da war es plötzlich verſchwunden, und auch der Vater hatte den Strick aus der Taſche verloren, denn der Sohn hatte ſich wieder in einen Menſchen verwandelt.
Nicht lange darauf war Jahrmarkt in der Stadt. Diesmal verwandelte ſich der Sohn in einen Ochſen und ließ ſich wieder auf den Markt führen. Der Vater forderte für den Ochſen 300 Taler und bekam ſie auch, da das Tier ſehr groß und fett war. Den Strick hatte er wieder nicht mitverkauft.
Aber es dauerte nicht lange, da war der alte Zauberer hinter die Schliche ſeines früheren Dieners gekommen, und er ſuchte nun, ihn in ſeine Gewalt zu bekommen. Es war wieder Jahrmarkt in der Stadt. Der Sohn hatte ſich in ein ſchönes Pferd verwandelt und wurde wieder auf den Markt geführt. Der Vater ſollte für das Pferd 500 und für den Zaum 15 Taler fordern. Diesmal kam der Mann gar nicht bis in die Stadt, denn ſchon vor der Stadt geſellte ſich ein „ZBändler zu ihm, der ihm Pferd und Zaum für den geforderten Preis abkaufte. Dieſer Händler war der Zauberer, der nun ſofort das Pferd zu einer Schmiede führte, um ihm dort von dem Schmied zentnerſchwere Hufeiſen anſchlagen zu laſſen. Unterwegs aber ſprach er wiederholt zu dem Pferde:„So hab' ich dich endlich doch in meine Hände bekommen!“ Als er bei der Schmiede angekommen war, band er das Pferd an einem Brunnen feſt, während er ſelbſt in die Schmiede ging, um mit dem Schmied wegen der Hufeiſen zu reden. Unterdeſſen kam ein Mädchen zu dem Brunnen. Das Pferd ſah die Kleine wehmütig an, und als ſie näher zu ihm herantrat, flüſterte es ihr ins Ohr:„Binde mich los!“ Kaum hatte das Mädchen den Faum berührt, da wurde aus dem Pferde eine Taube, die ſchnell wegflog. In demſelben Augenblick aber verwandelte ſich der Fauberer in einen Habicht, welcher die Taube verfolgte. Schon war ihr der Habicht nahe gekommen, da ſetzte ſie ſich auf die Hand einer Gräfin, die am offenen Fenſter ſtand, und ver⸗ wandelte ſich in einen Ring. Sogleich verwandelte ſich der Habicht in einen wunderſchönen Jüngling, der vor die Gräfin trat und ſie um den Ring bat. Die Gräfin wollte ihm jedoch den Ring nicht geben, denn der Ring flüſterte ihr immerfort in die Ohren:„Laß mich zu Boden fallen!“ Als ſie zuletzt den Bitten des Jünglings nicht mehr widerſtehen konnte, da ließ ſie den Ring fallen, und ſogleich wurde aus dem Ringe ein Scheffel Erbſen. Die größte Erbſe aber, und das war der Unabe ſelbſt, fiel in den Schuh der Gräfin. In demſelben Augenblick verwandelte ſich der Sauberer in einen Hahn, der die Erbſen alle auffraß. Als er nun die letzte verzehrt hatte und eben einen Freudenruf ausſtoßen wollte, da ſprang plötzlich der Knabe in der Geſtalt eines Adlers aus dem Schuh heraus und zerriß den Hahn. So war der Diener doch Sieger über den Zauberer geblieben.—
Polniſche Quelle. Die Erzählung von dem Zauberer(poln. czarnoksieznik) iſt bei der polniſchen Bevölkerung der Kreiſe Obornik und Wongrowitz ſehr bekannt, findet ſich aber auch bei den Deutſchen. So leſen wir ſie auch bei H. Konrad, Neues Märchenbuch(d. i. Volksmärchen aus der Provinz Poſen, dem Plattdeutſchen nacherzählt) S. 62 ff. Am Schluß wird hier erzählt, daß der Beſenbindersſohn, d. i. der junge Schwarzkünſtler, ſchließlich die Prinzeſſin, die ſeine Rettung ermöglicht hat, zur Frau bekommt. Ebenſo bei Joſ. Haltrich, Deutſche Volksmärchen aus dem Sachſenlande in Siebenbürgen Nr. 14: Der Jüngling bringt den Schatz aus dem Schloſſe des Zauberers herbei, heiratet die ſchöne Königstochter und wird nach dem Code des alten Königs ſelbſt König. Auch das Märchen vom Zauberlehrjungen bei J. R. Bünker, Schwänke, Sagen und Märchen in heanziſcher Mundart S. 23 4 und das vom Hahnreiter in der Zeitſchrift des Ver⸗ eins f. Volkskunde VI S. 320 ff. ſchließen mit der Verheiratung ab.—
Nach einer Mitteilung des Erzählers darf der Strick, der die Seele des Jünglings iſt, nicht mitverkauft werden; iſt er irgendwo feſtgebunden, oder hält ihn jemand in der Hand, ſo iſt es ſür das Tier unmöglich, ſich in einen Menſchen zurückzuverwandeln. Das wußte der Fauberer,


