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7. Der Geigenſpieler und die Seele.
In dem Dorfe Gwiazdowo im Kreiſe Schroda lebte einmal ein junger Menſch von 1s Jahren, deſſen Eltern waren frühzeitig geſtorben, und er war ſchon als Kind auf die Mild⸗ tätigkeit andrer Leute angewieſen geweſen. So war er denn auch niemals zur Arbeit angehalten worden, ſondern er hatte den ganzen Tag herumgelungert, und wenn ihn der Hunger quälte, ſo erbettelte er ſich ein Stückchen Brot. Als er älter geworden war, wollte ihm in ſeinem Heimats⸗ dorfe niemand mehr etwas geben, ſondern man riet ihm, ſich durch Arbeiten ſelbſt ſein Brot zu verdienen, wie alle jungen Leute in ſeinem Alter es auch tun müßten. Aber er verſtand nichts, und da er auch keine Luſt zum Arbeiten hatte, ſo verließ er das Dorf und wanderte fort.
Auf ſeinem Wege kam er durch einen weiten Wald. Während er nun darüber nachdachte, auf welche Weiſe er ſich wohl am leichteſten ſein Brot verdienen könne, kam ihm ein fein⸗ gekleideter Mann entgegen, der fragte ihn nach dem Ziel ſeiner Wanderung. Traurig erwiderte der Jüngling, er wiſſe ſelbſt nicht, wohin; aber er müſſe ſich ſein Brot verdienen, da ihm niemand mehr etwas geben wolle. Darauf ſagte der Mann:
„Ja dam ci skrzypeczki, Ty mi dasz duszeczke“
d. i. ich gebe dir eine Geige, du gibſt mir die Seele. Aus dieſen Worten erkannte der Jüngling, daß es der Teufel war, der mit ihm redete. Zwar bekam er zuerſt Angſt, aber der Ceufel redete ihm freundlich zu, und bald einigten ſie ſich dahin, daß der Teufel dem Jüngling zu einem ſorgenloſen Leben verhelfen wolle, und daß der Jüngling nach fünfzig Jahren ſterben müſſe und die Seele dann dem Teufel gehöre. Der Jüngling nahm die Geige und ging fort. Ohne daß er die Kunſt des Spielens gelernt hatte, ſpielte er alles, was er wollte, und ſo wurde er ein berühmter und vielbegehrter Künſtler.
Als die vereinbarten Jahre vergangen waren, begab ſich der Geigenſpieler wieder in den Wald an die Stelle, wo ihm der Teufel einſt die Geige gegeben hatte. Langſam und traurig wanderte er dahin. Da traf er eine Frau, die fragte ihn, warum er ſo traurig ſei. Er erzählte ihr, daß er einen Bund mit dem Teufel geſchloſſen habe und nun gekommen ſei, um ihm ſeine Seele zu übergeben. Die Frau ſprach ihm Mut zu und erklärte ihm, daß auch die Geige eine Seele habe. Wenn nun der Teufel komme und die Seele fordere, ſo ſolle er ſagen:
„Potrzaskam skrzypeczki A oddam ci duszeczke“
d. i. ich zerhaue die Geige und gebe dir die Seele. Der Geigenſpieler tat ſo. Als er zu dem Teufel kam, warf er die Geige auf die Erde, daß ſie zerbrach, hob dann das Stückchen Holz auf, welches die Seele genannt wird, und überreichte es dem Teufel, indem er dazu die Worte ſprach, die ihn die Frau gelehrt hatte. Der Teufel knirſchte vor Wut mit den Zähnen und fing gottesläſterlich zu fluchen an. Dann verſchwand er. Die Leute aber erzählen, daß man noch heute das Fluchen des Teufels hört, wenn man in der Nacht um 12 Uhr an der Stelle im Walde vorbeigeht.— Mündlich aus Rogaſen, polniſche Quelle. Bei U. Jahn, Volksſagen aus Pommern und Rügen S. 311, betrügt ein Bauer den Teufel, dem er ſeine Seele verpfändet hat, dadurch, daß er zur feſtgeſetzten Zeit dem Teufel einen großen Haufen Strohſeile bringt, die er beim Häckſel⸗ ſchneiden von den Strohbünden abgenommen hat, indem er behauptet, er habe nicht„Séle“, ſondern„Séile“ verſtanden. Ahnlich bei Joſ. Baltrich, Deutſche Volksmärchen aus dem Sachſen⸗ lande in Siebenbürgen Nr. 22: Der Königsſohn und die Teufelstochter. Der König verſpricht dem Teufel en noa sil, eine neue Seele, gibt ihm aber nachher e noa sil, ein neues Seil. Spielmannsſagen ſind in der Provinz Poſen und beſonders in Kujawien ſehr häufig. Nach den Heſſiſchen Blättern für Volkskunde IV S. 29 verpfändet ein armer Dorfmuſikant dem Ceufel ſeine Seele, gibt ihm dannzaber ſtatt der ſeinigen die Geigenſeele, da in dem Vertrage eine beſtimmte Seele nicht genannt worden iſt. Die Seele der Geige iſt der Stimmpflock, und dieſer Seele ſchreibt das Volk Bedeutung zu.„Man erzählt in Kujawien: Einmal lebte in einem Dorfe Kujawiens ein Muſikus, der hatte dem Teufel ſeine Seele verſchrieben. Dafür hatte ihn der Teufel die ſchönſten Stücke ſpielen gelehrt. Vor dem Code des Mannes kam der Teufel, um ſich die Seele zu holen. Der Sterbende aber nahm ſeine Geige, ſchlug ſie in Stücke und gab dem


