Aufsatz 
Posener Märchen. Ein Beitrag zur Heimat- und Volkskunde der Provinz Posen
Entstehung
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5. Der Teufel und der Bauer.

Die Dorfalten behaupten, daß faſt nur Frauen vom Teufel beſeſſen werden, und zwar, ſo meinen ſie, liegt das daran, daß die Frauen lange Haare tragen. Die Männer tragen gewöhnlich kurzes Haar, und darin kann ſich der Teufel nicht ſo gut verſtecken.

In dem Dorfe Imielno bei Pudewitz es werden auch andre Dörfer genannt lebte einmal ein Bauer, der auch lange Haare trug. Seine Nachbarn rieten ihm, er ſolle ſie ſich kurz ſchneiden laſſen, da ſich ſonſt der Teufel leicht darin verwickeln könne, und er könne ihn dann nicht mehr herausjagen. Der Bauer aber wollte nicht, denn er hielt ſich für ſehr klug und meinte, er werde auch mit dem Teufel fertig werden, wenn er ihn nur einmal zu ſehen bekäme. Die einen hielten ihn deshalb ebenfalls für klug und nannten ihn den weiſen Salomon, die andern aber lachten ihn aus und erinnerten ihn an das Sprichwort:

Dlugie wlosy, rozum krôtki Lange Haare, kurzer Verſtand.

Da der Bauer ſich nun ſo ſehr nach dem Teufel ſehnte, ſo bekam er ihn auch wirklich zu ſehen. Als er in einer Nacht im Frühjahr ſpät aus Pudewitz nach Nauſe zurückkehrte, traf er mit ihm zuſammen, und da er etwas angetrunken war, verwehrte er ihm den Futritt zu ſich nicht. Der Teufel bekam ihn auch bald ſo weit, daß er ihm ſeine Seele verſprach, wofür er ihm an jedem Cage oder in jeder Nacht viel Geld bringen wolle; doch ſolle der Teufel erſt dann Zutritt zu ihm haben, wenn die Blätter von den Bäumen abgefallen wären. Der Ceufel war damit zufrieden und glaubte, daß er ſich die Seele des Bauern ſchon im nächſten Herbſt holen könne; aber nach kurzem Beſinnen zog der Bauer ſein Wort zurück und ſagte, er ſolle ſeine Seele erſt dann be⸗ kommen, wenn alle Bäume kahl wären. Auch darin willigte der Teufel ein, denn er meinte, das wäre dasſelbe. Das Dokument wurde nun mit dem Blute des Bauern unterſchrieben. Seit dieſer Feit brachte der Teufel immer um Mitternacht Geld, ſo daß der Bauer ſchließlich ſehr reich wurde. Das ging ſo bis zum Herbſte. Die Nachbarn mochten nun den Bauer nicht mehr leiden, und wenn jemand nach der Urſache ſeines Reichtums fragte, ſo wurde ihm geantwortet, der Bauer ſei klüger als die Hoſen des Salomo.*)

Nun nahte der Berbſt heran, und die Bäume wurden allmählich kahl. Als der Teufel das geſehen batte, kam er zu dem Bauern, um ſeinem irdiſchen Leben ein Ende zu machen. Er zeigte ihm die kahlen Bäume im Garten und forderte ſeine Seele; und dabei wies er ihm das Dokument, in welchem geſchrieben ſtand, daß die Scele des Bauern dem Teufel gehören ſolle, ſobald alle Bäume kahl wären. Der Bauer aber befahl dem Teufel, er ſolle in den großen bei Pudewitz gelegenen Wald gehen und ihn ſich gut aaſehen. Wenn dort alle Nadeln von den Nadelbäumen abgefallen wären, wolle er ihm ſeine Seele geben, eher nicht. Der Teufel ging auch hin, und als er ſah, daß da alle Tannen und Kiefern noch ihre grünen Nadeln hatten, fing er voll Wut an die Nadeln von den Bäumen abzureißen. Es war aber vergebens. Darauf machte er einen ſo großen Wind, daß er die Bäume ausriß; aber die Nadeln blieben feſt. In ſeiner Verzweiflung holte er noch andre Teufel zur Hilfe herbei; aber als dieſe eine Stunde lang die Nadeln von den Bäumen abgeriſſen hatten, ohne etwas zu ſchaffen, da lachten ſie den dummen Ceufel aus und wollten ihm nicht mehr helfen.

In der nächſten Nacht kam der TCeufel wieder zu dem Bauern, um ſeine Seele zu fordern. Der Bauer fragte ihn ſogleich, ob die Bäume im Walde bei Pudewitz ſchon kahl wären; er wolle ihm dann noch andre Radelwälder zeigen. Darauf nahm er das geweihte Waſſer, welches er ſich beſorgt hatte, und beſprengte den Ceufel damit. Dieſer aber konnte es vor Schmerzen nicht aushalten; mit großem Geheul verſchwand er und ließ den Bauer ſeitdem unbehelligt.

Auch im Kreiſe Wongrowitz erzählt man, daß der Teufel nur zu ſolchen Perſonen Zutritt habe, die lange Haare haben, und deshalb werden für gewöhnlich auch nur Frauen vom Ceufel beſeſſen. In Kirchen⸗Popowo lebte einmal eine ſolche Frau, die viel vom Teufel beläſtigt wurde. Sie begab ſich deshalb zu einer klugen Fran, um ſie um Rat zu fragen. Dieſe riet ihr⸗

*) wenn jemand klug iſt oder ſich klug dünkt, ſagt man im Polniſchen: Tys madrzejszy jak Salomonowe portki, d. i. du n klüger als die Hoſen Salomos. ¹