Aufsatz 
Posener Märchen. Ein Beitrag zur Heimat- und Volkskunde der Provinz Posen
Entstehung
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Teufel verfallen. Allnächtlich beſuchten ihn die hölliſchen Geiſter und trieben allerlei Unfug mit ihm. Man hörte dann ein großes Gepolter in der Uirche, als ob jemand treppauf treppab liefe, und dann hörte man jemand jammern und wehklagen. Und dasſelbe Treiben ſpielte ſich jede Nacht auch im Schloſſe ab; ja, es wurde ſchließlich ſo toll, daß niemand mehr im Schloſſe wohnen wollte. Endlich rief man den Pfarrer zur Hilfe herbei. Dieſer, ein bereits ergrauter Herr, konnte mehr als bloß eſſen und beten, und namentlich wußte er mit den Geiſtern gut Beſcheid. Als er erfuhr, daß in dem Schloßgewölbe viel Geld eingeſchloſſen liege, wußte er auch gleich, daß der Geiſt des Toten nur des Geldes wegen das Schloß aufſuche. Aber wie ſollte man zu dem Gelde kommen, da trotz des eifrigſten Suchens der Schlüſſel zu der Schatzkammer nicht gefunden werden konnte!

Eines Tages rief der Pfarrer den Diener zu ſich und ſprach zu ihm:Damit wir in den Beſitz des Schlüſſels kommen, mußt du folgendes tun: Stelle dich tot und laß dich in einem Sarge des Nachts neben dem Sarge deines einſtigen Herrn im Grabgewölbe aufſtellen. Fiehe aber vorher mit geweihter Kreide einen Kreis um deinen Sarg zum Schutz gegen die böſen Geiſter, und dann befolge die Befehle deines Herrn. Zweierlei aber merke dir dabei: beim Hinausgehen laß ihn voranſchreiten, und bei der Rückkehr geh du voran; ſonſt könnteſt du irgendwo eingeſchloſſen werden. Der Diener tat, wie ihm der Geiſtliche befohlen hatte. Er legte ſich in den Sarg und wartete auf die Mitternacht. Und er brauchte nicht ſo ſehr lange zu warten. Als die Turmuhr die elfte Stunde verkündet hatte, regte ſich etwas im Sarge ſeines Herrn. Nach einer Weile hob ſich der Deckel des Sarges, und der tote Herr ſteckte den Kopf durch den Spalt und ſchaute ſich im Gewölbe um. Als er ſeinen Diener da liegen ſah, war er ſichtlich erfreut und fragte:Thomas, biſt du tot oder lebendigdCot, antwortete Thomas. Da entſtieg der Herr dem Sarge und ſagte zu ſeinem Diener:Folge mir! Und Thomas erhob ſich ebenfalls. Sie ſtiegen nun die Treppe herauf und betraten die Kirche.Wirf die Kerzen vom Altar! befahl der Cote dem Diener; dieſer aber ſagte:Herr, wenn du es tuſt, tue ich es auch; ſonſt nicht. Und der Cote warf alles vom Altar herunter. Doch ſogleich ſtand es wieder auf ſeinem Platze; denn Cote können nichts beſchädigen. HBätte aber Chomas etwas angefaßt, ſo würde ſein Herr ſogleich erkannt haben, daß er kein TCoter war. Darauf befahl der Geiſt:Geh mir voran! Thomas aber wußte nicht, wohin die Reiſe gehen ſollte, und ſagte deshalb:Bei Lebzeiten bin ich dir ſtets gefolgt, und ſo will ich auch jetzt tun. Der Herr wandte ſich nun zur Tür; dieſe ſprang ſofort angelweit auf, und Thomas ſchritt hinter ſeinemherrn hindurch. Sie kamen in das Schloß, und auch hier taten ſich die Türen vor ihnen von ſelbſt auf; nur die Tür zur Schatzkammer wollte ſich nicht öffnen. Sie gingen darum hin, um den Schlüſſel zu holen, und ſie fanden ihn in einer Riſche hinter einem Spiegel liegen. Der Geiſt öffnete das Gewölbe, und ſie traten hinein. Da ſah Chomas zum erſten Mal das viele Geld; es lohte wie glühende Kohlen, und große ſchwarze Geſtalten ſtanden herum und ſchaufelten die Golddukaten durch. Nach einiger Zeit gingen die beiden wieder fort. Der Geiſt legte den Schlüſſel wieder an ſeinen Ort, und nun ging Thomas ihm voran. Und daran tat er wohl, denn dicht hinter dem Coten ſchloſſen ſich alſogleich die Türen.

Einige Minuten vor der Mitternachtsſtunde langten ſie wieder in der Kirche an und ſuchten das Grabgewölbe auf. Kaum hatten ſie ſich in die Särge gelegt, da ſchlug die Uhr. In demſelben Augenblick ſtürzten ſich die hölliſchen Geiſter mit Geheul in die Uirche und eilten zu den Särgen. Zuerſt ſtellten ſie ſich um den Sarg des Dieners und riefen ihm zu, er ſolle aus dem Sarge heraus⸗ kommen. Er hütete ſich aber wohl, das zu tun; denn ſie hätten ihn ſofort in Stücke zerriſſen. Uber den Kreidekreis aber konnten ſie nicht herüber. Wie die Geiſter nun ſahen, daß ſie dem Chomas nichts anhaben konnten, ſtürzten ſie ſich auf den Coten und riſſen ihn hin und her. Was Chomas da Schreckliches zu ſehen bekam, das hat ſein Mund nie erzählt; aber ſein Haar war in der Nacht weiß geworden wie Schnee. Und die Ohren hatte er ſich müſſen zuſtopfen, um nicht das Stöhnen und Jammern ſeines Herrn anhören zu müſſen. Erſt als die erſte Stunde nach Mitternacht vorüberging, verließen die Geiſter die Uirche, und es wurde ganz ſtill in der⸗ ſelben. Bei Cagesanbruch wurde Chomas von dem Geiſtlichen abgeholt. Er zeigte nun die Stelle, wo der Schlüſſel verborgen lag; die Schatzkammer wurde geöffnet und das Geld von den Erben des toten Herrn in Beſitz genommen. Chomas aber erhielt einen ſchönen Ceil des Schatzes für ſeine Hilfe.