Aufsatz 
Posener Märchen. Ein Beitrag zur Heimat- und Volkskunde der Provinz Posen
Entstehung
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nicht mehr in die Kirche hineinzulaſſen. Deshalb wurde in der nächſten Nacht die Kirche mit Wachen umſtellt. Aber trotzdem war die Königin wieder dort, denn man konnte das dumpfe Brauſen hören. In der folgenden Nacht ließ der König ihr Schlafzimmer gut bewachen; doch als die Mitternachtsſtunde ſchlug, war ſie plötzlich verſchwunden, und man fand ſie nicht mehr im Zimmer vor. Nun wußte der König kein Mittel mehr, ſeine Gemahlin von ihren nächtlichen Kirchgängen abzuhalten, und er gab jeden Verſuch zu ihrer Erlöſung auf, ſetzte aber eine große Belohnung für den aus, der ſie von dem Fauber befreien würde.

Run geſchah es einſt, daß die Geſchichte von der verhexten Königin in einem Gaſthauſe erzählt wurde. Das hörte auch ein junger Mann, der gerade in dem Gaſthauſe war, und die ausgeſetzte große Belohnung reizte ihn, den Verſuch zu machen, die Königin zu erlöſen. Er ging geraden Weges zum König und ſagte ihm, daß er die Königin erlöſen wolle. In einer ſtürmiſchen Nacht begab er ſich in die Kirche. Wieder ließ ſich das unheimliche Brauſen hören, und nach einer kleinen Weile ſtand der Sarg in hellem Lichtglanze vor ihm. Aber der Jüngling hatte keine Furcht, ſondern ging ſtracks auf den Sarg zu. Der Deckel des Sarges hob ſich, und vor ihm ſtand jene hagere Frauengeſtalt mit den großen Sähnen. Anfangs zauderte er; als er aber an die Belohnung dachte, ging er mutig auf die Geſtalt zu und ſuchte ſie feſtzuhalten. Doch ſie war ſchneller als er; im Ru eilte ſie davon und begab ſich auf den Chor. Dort ſtellte ſie ſich auf einen Schrank, in dem die Geſangbücher aufbewahrt wurden. Der Jüngling eilte ihr nach; aber als er ſie von dem Schrank herunterziehen wollte, da ſprang ſie über ihn hinweg von dem Chor herunter auf den Fußboden der Kirche. Dabei hatte ſie ſich geſtoßen. Als ſie ſich nun die verwundete Stelle mit einer Salbe beſtreichen wollte, warf der Jüngling, noch ehe ſie ihr Vorhaben ausführen konnte, einen Kaſten über ſie und hielt ſie dadurch feſt. Dann rief er die Männer, die er mit⸗ genommen hatte, ließ ſie die Kiſte zumachen und in den nahen See tragen. Dort tauchte er ſie ganz unter das Waſſer, und weil die Uhr noch nicht eins geſchlagen hatte, ſo konnte das Waſſer noch eine Weile auf die verhexte Königin wirken. Nachdem der Schlag der Uhr verklungen war, wurde die Uiſte aus dem Waſſer gezogen, und die Frau wurde aus der Uiſte herausgenommen und zum König gebracht. Als ſie aus ihrem Schlaf erwachte und ſich dem Uönig gegenüber ſah, da fiel ſie ohnmächtig nieder; doch bald erholte ſie ſich, und nun ſah ſie noch jünger und ſchöner aus als vorher. Der König war darüber hoch erfreut. Er belohnte den Jüngling, der die mutige Tat vollbracht hatte, reichlich und nahm ihn in ſeinen Dienſt. Mit ſeiner erlöſten Gemahlin aber verlebte er noch viele glückliche Jahre.

Deutſche Quelle. Das Märchen findet ſich in ziemlich breiter Ausführung bei U. Jahn, Volksmärchen aus Pommern und Rügen S. 90 ff.(BHans der Grafenſohn und die ſchwarze Prinzeſſin) und die Varianten S. 356; ferner bei J. W. Wolf, Deutſche Hausmärchen S. 258 Die Leichenfreſſerin); E. Sommer, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Sachſen und Thüringen S. 104 ff.(Die Königstochter und der Soldat); Blätter für pommerſche Volkskunde II S. 24 (Die verwunſchene Uönigstochter); J. R. Bünker, Schwänke, Sagen und Märchen in heanziſcher Mundart Nr. 85 Es Müllpachkint). Bier iſt es der Sohn, der ſeine Mutter erlöſt. Bei Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg Bd. II S. 355 iſt die Erzählung ein⸗ geſchoben in das Märchen von dem Jüngling, der nicht bange war: Piet wird von einem Paſtor drei Nächte hindurch in eine Uirche geſchickt, wo eines Grafen Tochter ſpukt und alle auffrißt, die ſich in der Nacht dort betreffen laſſen. Als der Geiſt in der dritten Nacht aus dem Totenkeller geſtiegen iſt, ſteigt Piet in den Keller und zieht die Tür hinter ſich zu. Der Geiſt muß bis zum hellen Morgen aushalten und iſt dadurch erlöſt. Bei Fr. S. Krauß, Sagen und Märchen der Südſlaven Bd. I S. 424(Das Liebespaar) iſt es eine Königstochter, die ſich in einen gemeinen Soldaten verliebt hat; dieſer wird deshalb von dem König in ein andres Reich geſchickt. Die Königstochter ſtirbt vor Gram und wird in der Uirche begraben. Den Soldaten, der in der Nacht bei ihr die Wache hält, ißt ſie auf und läßt nichts übrig als ſeine benagten Gebeine. Mit Hilfe eines Bettlers erlöſt ſie der Soldat, der an ihrem Tode ſchuld geweſen war, indem er ſich drei Nächte hindurch vor ihr in der Uirche verſteckt, zuletzt in ihrem eigenen Grabe. Sie wird dann ſeine Gemahlin.

Das Märchen findet ſich ferner bei St. Chelchowski, Powiesci i opowiadania ludowe z okolic Przasnysza Bd. I Nr. 10(O zaklety krölewnie): Ein König hatte eine TCochter. Als