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Darauf ließ er ſich das Bett und den Ofen des Räubers zeigen; denn darum hatte ihn der Räuber, als er von ihm ging, gebeten. Der Ofen war noch rot vor Glut, kühlte ſich aber jetzt immer mehr und mehr ab; das Bett war mit lauter ſpitzen Meſſern beſetzt. Darin ſollte der Räuber gequält werden; aber infolge ſeines Betens waren der Meſſer immer weniger geworden. Der Prieſter verließ nun mit der Urkunde die Bölle.
Nachdem er lange Feit im Walde umhergeirrt war, kam er wieder zu der Stelle zurück, wo er dem Räuber begegnet war. Der kniete noch immer dort und betete. Er ging zu ihm heran und erzählte ihm, wie viel er ſchon durch ſeine Gebete ausgerichtet habe. Dann nahm er den Stock des Räubers, mit dem dieſer immer die Leute erſchlagen hatte— es war ein ziemlich dicker Stab aus Birnbaumholz—, und ſteckte ihn in die Erde. An dieſem Stabe befahl er dem Räuber zu beten und nichts zu eſſen, bis er ſterben werde. Dann verabſchiedete er ſich von ihm und ging nach Hauſe. Der Vater war aus Kummer um ſeinen Sohn ſchon ganz ergraut; nun aber, als er die Urkunde ſah, war er hocherfreut, und ſie lebten alle zuſammen vergnügt und in Freuden.
Nach einigen Jahren mußte der Prieſter einmal zu einem Uranken fahren. Er kam durch den großen Wald. Als er an der Stelle vorbeifuhr, wo er einſt den Stab des Räubers ein⸗ gepflanzt hatte, da ſah er einen Birnbaum, an welchem ſehr ſchöne Birnen hingen. Er hieß den Kutſcher vom Wagen ſteigen und ihm eine Birne bringen. Als der Kutſcher nun eine davon abpflücken wollte, rief ihm die Birne zu:„Möge uns derjenige abpflücken, der uns gepflanzt hat“. Der Prieſter wußte ſogleich, daß er gemeint war, und er ſtieg vom Wagen herab, um ſelbſt eine Birne zu pflücken. Als er ſie aber berührte, da verwandelten ſich die Birnen in weiße Tauben und flogen alle zum Himmel empor. Neben dem Baume lagen die verweſten Teile des Räubers. Der Prieſter bemerkte ſie anfangs nicht und ſtieß aus Verſehen mit dem Fuße daran. Da flog noch eine große Taube gen Himmel. Der Birnbaum war aus dem Stabe des Räubers entſtanden, und die Birnen darauf waren die Seelen derer, die von ihm erſchlagen worden waren. Die weiße Taube aber, die zuletzt zum Himmel aufflog, war die Seele des Räubers ſelbſt.—
Zur Literatur dieſes legendenartigen Märchens ſ. die Seitſchrift des Vereins für Volks⸗ kunde XIII S. 70 ff. und Heſſiſche Blätter für Volkskunde IV S. /4 ff. Hier iſt von A. Szulczewski ein polniſches Märchen aus Kujawien(Cereglo d. i. der Vertrag) mitgeteilt worden. Seitdem habe ich das Märchen in verſchiedenen Formen noch mitgeteilt in„Aus dem Poſener Lande“, Jahrg. II S. 60 f.(Die Keule des Madej) und in der Beilage zur Samotſchiner Seitung Jahrg. II Nr. 8(Der Räuber). An erſter Stelle finden ſich auch einige Literaturnachweiſe. Zu der er⸗ wähnten eiſernen Figur in Goluchow vgl. noch„Aus dem Poſener Lande“ III S. 29:„In der Folterkammer des Fürſten Sapieha in Koſchmin ſoll ſich einſt ein eigenartiges Todeswerkzeug befunden haben. Eine eiſerne Frau ſtand da, mit ausgebreiteten Armen, an denen haarſcharfe breite Meſſer befeſtigt waren. Dem Verurteilten wurde befohlen, die Frau auf den Mund zu küſſen, worauf die Arme zuſammenſchnellten und dem Opfer das Haupt vom Rumpfe trennten.“ Eine neue Poſener Faſſung des Märchens wird von R. J. v. Grünbach mitgeteilt in„Poſener Heimatkunde“ III Nr. 8. Das Märchen findet ſich ferner zweimal bei Joſ. Baltrich, Deutſche Volksmärchen aus dem Sachſenlande in Siebenbürgen, Nr. 20(Des Teufels Hülfe) und Nr. 31. (Die Erlöſung); bei U. Jahn, Volksmärchen aus Pommern und Rügen Nr. 61(Der ſchwarze Froſch) und A. Schleicher S. 75 ff.(Von dem Studenten, der in die Hölle und in den Himmel ging). Bei W. von Schulenburg, Wendiſche Volksſagen und Gebräuche aus dem Spreewald S. 60 wird der Räuber nach Joh. 18,40 Barabas genannt. Vgl. auch S. 180 f.(Der Teufel und der Pfarrer); hier hat der Teufel mit dem Sohn nur ein Examen, und er„citierte“ ihn mit Worten, ſo daß der TCeufel ihm ſchließlich nicht mehr antworten konnte und die Schrift heraus⸗ geben mußte. Bei W. von Schulenburg, Wendiſches Volkstum S. 135 ff. heißt der Räuber Lipskuljan, bei K. Haupt, Sagenbuch der Lauſitz Bd. II S. 212 ff. Lipskulijan. In kurzer Form findet ſich die Erzählung bei Schambach und Müller, Niederſächſiſche Sagen und Märchen S. 320; hier wird noch auf Baader, Volksſagen aus dem Lande Baden 301 verwieſen. Ferner iſt zu ver⸗ gleichen J. C. Poeſtion, Lappländiſche Märchen Nr. 55: Der dem Teufel ve Firdthen Unabe rettet ſich aus der Gewalt des Teufels, der in einem Boot dahergerudert kommt, welches wie eine grüne Feuerflamme ausſah, indem er ihm einen von ſeinem Geiſtlichen geſchriebenen Brief


