1. Der Vertrag mit de
Ein reicher Graf fuhr einmal in die Stadt. Es war ein regneriſcher Tag, und der Weg welcher zur Stadt führte, war aufgeweicht. Er wollte deshalb lieber einen Umweg machen und wählte einen Weg, der durch einen ſehr großen Wald ging. Als er ſich ungefähr in der Mitte des Waldes befand, da ſah er plötzlich, daß ſich von dem Wege noch vier andre abzweigten. Er wußte nun nicht, auf welchem er fahren ſollte, und außerdem war an dem Kreuzungspunkt der Wege ein ſo tiefer Schmutz, daß die Pferde den Wagen nicht zu ziehen vermochten. Der Graf ward ärgerlich darüber, daß er nicht weiter konnte, und ſtieg vom Wagen ab, um zu ſehen, ob die Pferde vielleicht den leeren Wagen durch den Uot brächten. Da ſah er mit einem Male einen fein gekleideten Herrn neben dem Wagen ſtehen, den er vorher nicht bemerkt hatte; der ſagte ihm, er ſei der Ceufel, und er wolle ihm gern aus der Gefahr helfen, wenn er ihm das verſchreiben wolle, was ihm bei ſeiner Rückkehr nach Hauſe zuerſt begegnen würde. In der Erwartung, daß ihm, wie ſonſt immer, ſein Hund zuerſt entgegenkommen würde, ging der Graf auf die Forderung des Teufels ein und unterzeichnete die ihm entgegengehaltene Urkunde, die den Vertrag ent⸗ hielt, mit ſeinem eignen Blute. Sofort zogen die Pferde den Wagen vorwärts, und der Teufel zeigte dem Grafen den richtigen Weg.*).
Der Graf kam wieder nach Hauſe. Als er auf dem Hofe ankam, trat ihm die Amme mit einem kleinen Sohn, den die Gräfin in ſeiner Abweſenheit geboren hatte, entgegen. Der Graf erſchrak heftig, und er, der ſonſt immer fröhlich und luſtig war, wurde nun ſehr traurig. Er ſagte aber nichts von dem, was geſchehen war. Der Sohn wuchs auf, wurde auf die Schule geſchickt und widmete ſich dann dem geiſtlichen Stande. Er kam ſchnell vorwärts. Da er ſeinen Vater immer traurig und ſich niemals über ſein Glück freuen ſah, fragte er ihn eines Tages, was ihm fehle. Der Graf erzählte ihm nun, daß er ihn dem Teufel verſchrieben habe und ſich deshalb nicht freuen könne. Der Sohn aber hieß den Vater guten Mutes ſein und verſicherte ihm, daß er die Urkunde ſchon zurückbekommen werde.
Der junge Prieſter nahm darauf einen kleinen Keſſel voll geweihten Waſſers und ein Kreuz und ging in den Wald an die Stelle, wo einſt ſeinem Vater das Unglück zugeſtoßen war; denn er hoffte, daß er den Teufel dort treffen werde. Als er ein Stück im Walde gegangen war, ſah er einen Räuber, der eben im Begriff war, einen Menſchen zu töten. Er ging auf den Räuber zu, hielt ihm ſeine Sünde vor und ermahnte ihn, an das Jenſeits zu denken. Und der Räuber ging in ſich und verſprach, keinen Menſchen mehr zu töten, wenn er nur Vergebung für ſeine Sünden erlangen könne. Der Prieſter befahl ihm nun, ſo lange an der Stelle zu knien und zu beten, bis er wieder zurückkommen werde. Dann ging er weiter in den Wald hinein, und wirklich fand er den Teufel an der beſtimmten Stelle. Er forderte die Urkunde von ihm und beſprengte ihn mit Weihwaſſer. Als der TCeufel von dieſem berührt wurde, ſchrie er laut auf vor Schmerz und ſagte, daß er die Urkunde nicht bei ſich habe; wenn er ſie haben wolle, ſo müſſe er mit ihm in die Hölle kommen. Der Prieſter ging mit. Der Teufel führte ihn ſehr weit an eine dunkle Stelle des Waldes. Dort gingen ſie eine Treppe herunter. Mit dem Kreuze, das der Prieſter mitgenommen hatte, ſtieß er die CTür auf. Sogleich liefen alle Ceufel herbei. Der Prieſter beſprengte ſie alle mit dem Weihwaſſer. Sie heulten vor Schmerz, und der älteſte Teufel warf ihm die Urkunde, die er einſt von dem Grafen erhalten hatte, vor die Füße. Doch der Prieſter hob ſie nicht auf, aus Furcht, daß die Teufel über ihn herfielen, wenn er ſich bückte. Deshalb beſprengte er die TCeufel ſo lange mit Weihwaſſer, bis ihm einer die Urkunde in die Hand gab.
*) Denſelben Eingang hat u. a. auch J. J. Kraszewski's Meiſter Twardowski(Der polniſche Fauſt).


