Aufsatz 
Grundzüge der kaufmännischen Architektur und ihre Behandlung im Unterrichte der Handelsschule
Entstehung
Einzelbild herunterladen

26

mal sie durch die Art ihrer Herstellung selbst teuer waren. Für das kolossale Steingeld mancher Südseeinsulaner ist eine Sorge allerdings nicht nötig, das lehnt im Bewußtsein seiner Schwere trotzig an den Zäunen der Dorfgasse. Schon das homerische Haus hatte seine Schatzkammer, wenngleich uns Reste davon nicht sicher bekannt sind. Denn was in Tiryns oder Mykenae als solches benannt wurde, hat sich als Kuppelgräber erwiesen. Die Schatz- häuser, welche bei Olympia in großer Zahl aufgedeckt worden sind, dienten den einzelnen Städten und Landschaften zur Aufbewahrung ihrer Weihgeschenke. Für den Hausgebrauch waren mehr niedrige, mit Deckeln versehene Truhen oder Kästen in Gebrauch als Schränke. Man pflegte dergleichen im Schlafgemach aufzustellen, um Geld, Schmuck, Kleider u. s. w. aufzubewahren. Bei den Römern stand die schwere, eisenbeschlagene oder ganz von Eisen gefertigte Geldkiste in der Regel am Eingange des Tablinums, des Hausherrnzimmers, aber doch noch im Atrium, also allen Besuchern sichtbar. Die Kisten waren oft von bpeträcht- licher Größe und zierlicher Arbeit. Das älteste Beispiel einer antiken Pruhe ist die später in Olympia aufbewahrteLade des Kypselos, welche mit zahlreichen Reliefs in Holz und Elfenbein geschmückt war. Die auf Vasenbildern dargestellten Kästen zeigen einfache Tischlerarbeit, aber doch geschnitzte Tierkrallen als Füße und mit Sternen bemalte Seiten. Größere Kisten haben sich in Pompeji vorgefunden. Dieselben bestanden zumeist aus Holz, waren aber mit Eisen beschlagen und mit Bronzeornamenten aller Art verziert. Die Nage- lung vermehrte nicht nur die Solidität der Truhe, sondern bildet auch oft das Hauptmotiv der Dekoration. Die Kisten standen auf einem niedrigen gemauerten Untersatz und waren durch starke Nägel an demselben befestigt. Die Scharniere der Deckel machte man eigen- tümlicher Weise nicht von Metall, sondern aus Knochenröhren. Im Mittelalter waren es die Goldschmiede, welche, wie schon erwähnt, neben eigenen auch fremde Schätze in ihren Ge- Wölben aufbewahrten. Jost Amann(1539 91) zeigt in seinem großen HolzschnittAllegorie auf den Handel das Leben des damaligen Kaufmannes und die opulente Einrichtung seiner Geschäftsräume; dabei auch die schweren eisenbeschlagenen Kassen mit den strotzenden Beuteln. Diese Truhen haben flache oder gewölbte Deckel und eiserne Zierraten.

In neuerer Zeit sind es die Banken, welche auch vom Publikum als Behüter benutzt werden; daneben besitzen die Begüterten vielfach selbst ihre sichere Schatzkammer, einen Geldschrank oder wenigstens eine eiserne Kassette. Mit welch raffinierten Mitteln die Ein- brecher vorgehen, zeigen die amtlichen Sammlungen von Einbrecher-Instrumenten, z. B. beim Königl. Polizeipräsidinm in Berlin. Unter anderem fielen der Polizei bei einem gestörten Einbruchsversuch außer wirklich fein gearbeiteten, eigens für diesen Zweck hergestellten Werkzeugen, zwei Kohlensäure-Ballons in die Hände. Bei einem Einbruch in Marseille haben die Einbrecher einen Petroleummotor zum Anbohren mitgebracht und mit Erfolg verwendet. Versuche, welche eine vom Schatzamt der Vereinigten Staaten eingesetzte Kommission aus- führen ließ, ergaben, daß keiner der seitherigen Schränke genügend Widerstand leisten konnte. Es dürfte das hauptsächlich daran liegen, daß meist nur Kleinbetriebe die Schränke fertigten, welche wohl in kunstgewerblicher Beziehung alle Anerkennung verdienen, aber ihren eigent- lichen Zweck nicht erfüllen. Dazu sind mächtige Maschinen, kolossale Ofen und eine Anzahl von Spezialeinrichtungen nötig, wie sie eben nur die Großindustrie beschaffen kann. Dadurch können namentlich die Hauptbestandteile, welche seither aus vielen einzelnen Stücken zu- sammengesetzt wurden, in einem Stück ausgeführt werden, sodaß die Schränke außen ganz glatt sind und keine Angriffspunkte bieten. Die Stahlplatten sind von solcher Härte, daß man Glas damit schneiden kann und doch so zähe, daß ihnen kein Schlag oder Fall etwas anzu- haben vermag.

Ein sehr wichtiger Teil des Geldschrankes ist das Schloß. Vielerlei Lösungen sind in dieser Beziehung gefunden worden: Kombinationsschlösser, welche millionenmal verschieden eingestellt werden können, also keinen Schlüssel und kein Schlüsselloch gebrauchen. Zeit- schlösser mit Uhrwerken, sodaß das Schloß vor der pestimmten Zeit überhaupt nicht zu öffnen ist. Defensorschlösser, welche durch einen verstellbaren Schlüssel geöffnet werden, der sich erst beim Einstecken richtig einstellt; u. S. W. Zwei Mängel begleiten die meisten: die Feder und das Schlüsselloch. Federn pleiben bei der sorgsamsten Anfertigung unauverlässig,