Aufsatz 
Grundzüge der kaufmännischen Architektur und ihre Behandlung im Unterrichte der Handelsschule
Entstehung
Einzelbild herunterladen

23

rahmen mit doppelter Füllung aus Eisenblech; sie sind zweiflügelig und mit selbsthätigen Schlußvorrichtungen versehen. Die Gefahr der Übertragung eines Brandes aus dem Treppen- hause auf einen Speicherboden ist daher sehr gering und wird durch Windfänge noch weiter vermindert.

Der im Jahre 1875 in Betrieb genommene Speicher am Kaiserkai, am tiefen Wasser gelegen und daher für direkte Entladung von Seeschiffen geeignet, bedeckt eine Fläche von 3630 m ². Er ist eingeteilt in Kellerraum und 4 Böden, welche zusammen 18972 Lager- fläche enthalten. In den Hofraum des Speichers führen drei Eisenbahngeleise, von denen die beiden äußeren an den Ladeperrons liegen, während das mittlere den Raum durchschneidet. Die Ostfront ist mit zwei Türmen ausgestattet, welche feuersichere Treppen enthalten. An der Westfront befindet sich ein Turm, ebenfalls mit feuersicherer Treppe, welcher auf einem Eisengerüst von zehn Meter Höhe einen weithin über den Hafen sichtbaren Zeitball trägt. Derselbe wird täglich einige Minuten vor der Mittagszeit von Greenwich d. h. 12 Uhr 39 Min. 54 Sek. Hamburger Zeit über 3 m gehoben und dann zur genauen Mittagszeit durch einen elektrischen, von der Sternwarte aus bedienten Ausrückapparat zum Fall gebracht. Endlich trägt der Turm an allen vier Seiten Zifferblätter, die den jeweiligen Elbwasserstand in m und cm anzeigen. Die Zeiger werden durch einen Schwimmer und Räderübersetzung in Bewegung gesetzt.

Das Lagerhaus der Stadt Frankfurt am Sicherheits- und Handelshafen des Maines ist 100 m lang, 26,5 m breit und besitzt außer dem Keller ein Erdgeschoß von 4 m Höhe und 4 Obergeschosse von je 3 m Höhe. Es ist durch Brandmauern in drei Teile getrennt; die mittlere Abteilung dient für Getreide, die seitlichen Räume sind für Kaufmannsgüter bestimmt. Für Getreide sind 3800, für sonstige Waren 8000 und ausserdem 2300 m ² Kellerfläche verfügbar. Der Mittelbau ist in den drei obersten Geschossen zu einem Teil seiner Länge über das Vorufer bis zur Kaikante vorgebaut. Dieser Vorbau enthält die maschinellen Einrichtungen für die Reinigung und Sortierung des Getreides, für den Elevator und dergl.

Unter den kaufmännischen Betrieben, welche aus besonderen Gründen, vornehm- lich polizeilicher und sanitärer Natur, gern in staatliche oder städtische Verwaltung genommen werden, bedürfen besonders die Pfandhäuser und Viehhöfe bedeutenderer Einrichtungen zur Bewahrung der ihnen anvertrauten Waren. Die Pfandhäuser, welche neben Gold- und Silber- sachen besonders Kleidungsstücke empfangen, haben dieselben hauptsächlich gegen Diebstahl und Feuer zu sichern. In neuerer Zeit ist man daher bemüht, selbst die hölzernen Regale mit flammsicherem Anstrich zu versehen.

Die Viehhöfe, welche für den Magen der Großstädte sorgen helfen und meist gleich mit den Schlachthäusern verbunden sind, werden natürlich mit Schienengeleisen durchzogen und mit Stallungen für die verschiedenen Tiersorten ausgestattet. Erwägt man, daß Zz. B. Paris jährlich mehr als 300 000 Rinder, 178 000 Kälber, nahezu 900 000 Hämmel und 450 000 Schweine verspeist, so mag man sich vorstellen, welche Räume zur Unterkunft dieser Tier- massen nötig sind.

Der städtische Schlacht- und Viehhof von Frankfurt umfaßte bei seiner Errichtung 1882 85 auf dem linken Mainufer 40 410 m?, von denen 10 245 auf den Schlachthof, 30 165 auf den Viehhof entfielen, ist aber seitdem schon bedeutend vergrößert worden. Das Schienen- geleise teilt den Viehhof in zwei Marktstellen, westlich für Kleinvieh und Schweine, östlich für Großvieh. Zu beiden Seiten des Geleises befinden sich Verladeperrons mit anschließen- den Buchten, welch letztere als Ubergang zum Aus- und Einladen, sowie zur Vornahme der tierärztlichen Untersuchung bestimmt sind. Den Buchten gegenüber steht das Kleinvieh- Stallgebäude, welches im südlichen Flügel für 2000 Hämmel, im nördlichen für 1500 Schweine und im Mittelbau für 600 Kälber Raum bietet. An den Mittelbau, welcher zur Aufbewahrung der Futtervorräte unterkellert und mit einem Speicher versehen ist, schließt sich eine Vorhalle, welche neben der Futterküche noch Räume zum Verwiegen der Tiere enthält. An den nördlichen Flügel ist eine Schwemme für die Schweine gebaut. Auf der Großviehseite reiht sich an die Buchten die offene Marktstelle, die Raum zur Aufstellung von 1000 Stück Großvieh an eisernen Geländern bietet und auf drei Seiten von Ställen umgeben ist, welche 900 Stück aufzunehmen