Aufsatz 
Grundzüge der kaufmännischen Architektur und ihre Behandlung im Unterrichte der Handelsschule
Entstehung
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geschoß mit seinen geraumigen gewölbten Hallen Geschäftszwecken diente, waren in den oberen Stockwerken die Wohn- und Gesellschaftsräume verteilt, Letztere mit Vorliebe im zweiten Stockwerk. Die Hôfe mit ihren geschnitzten Gallerien boten den Anblick lebhafter Beschäftigung der Packer, Auflader und Fuhrleute.

In den Hafenstädten war es natürlich jedem Kaufmann von Bedeutung wertvoll, einen Speicher am Wasser zu besitzen. So entwickelte sich z. B. an den Fleeten Hamburgs jene tiefgestreckte schmale Grundstücksbildung, die der Stadt eigentümlich geblieben ist. Auch dort war in älterer Zeit eine Trennung der Wohnung von den Geschäftsräumen nicht üblich. Unmittelbar am Fleet lagen in allen Stockwerken die Speicher. Beinahe die größte Fläche des Vorderhauses nahm die große Diele ein, die oft architektonisch reich geschmückt war und nie des Zugtaues entbehrte, welches nach dem im Spitzboden angebrachten Haspel führte. Im Erdgeschoß, meist gleich neben der Hausthür, lag das Kontor, ihm gegenüber das sogenannte Zibürken, ein Zimmerchen, oft nur ein Glaskasten, von wo aus der Einhüter, mitunter auch ein Dienstmädchen oder die Nähjungfer den Eingang überwachte. In den oberen Stockwerken, also möglichst entfernt von dem geräuschvollen, oft nicht geruchlosen Geschäftsbetriebe, lagen die Wohn- und Prunkzimmer, meist mit überseeischen Schmuck- stücken ausgestattet, die der Kapitän oder Freunde der Familie, mitgebracht hatten. Die Verbindung zwischen Speicher und Vorderhaus bildete einerseits der Hof, andrerseits eine Reihe schmaler Zimmer, welche im Erdgeschoß auch als Lagerstätte für feinere Waren, Zigarren, feine Gewebe, auch Proben benutzt wurden, in den anderen Stockwerken als Schlaf- zimmer für die Kinder und Kommis dienten. Der Keller des Vorderhauses, der seinen be- sonderen Eingang von der Straße hatte, war ebenfalls Warenlager, derjenige des Mittelbaues Küche, Weinkeller und Wirtschaftsraum.

Nach dem großen Brande 1842, als das Geschäftsleben sich in der Innenstadt immer mehr ausdehnte, und das Wohnen daselbst immer weniger angenehm wurde, trennte sich Wohn- und Geschäftsgegend, und nach Aufhebung der Thorsperre entwickelte sich draußen das moderne Familienhaus, drinnen aber erhoben sich an Stelle der alten Fleetbauten und auf neugewonnenem Boden große neue Speicher. Nur zu geringem Teile sind dieselben Eigentum einzelner Kaufherren, meist sind es staatliche- oder Gesellschaftsbauten. Schon 1896 gab es in Deutschland 23 Lagerhausgesellschaften, welche dem Kaufmann diese Sorge abnehmen.

Die Hamburger Speicherbauten sind in Gruppen, Blocks, zusammengefaßt. Obwohl bei solchen Nutzbauten auf feinere architektonische Durchbildung meist nicht gerechnet wird, so hat man hier doch versucht, die Blocks untereinander baulich zu charakterisieren und so ein immerhin mannigfaltiges Bild zu geben. Die Speicher gleichen sich in der Fundierung, in der Art und Verteilung der Brandmauern, der Ausbildung der Treppenhäuser und Eisenkonstruktionen. Die Treppenhäuser sind, wo die Dachstühle aus Holz bestehen, oben entweder mit einem Gewölbe oder einer Rabitzdecke abgeschlossen. In den zuletzt errichteten Speichern sind die eisernen Längsträger nicht in die Brandmauern eingelassen, sondern vor denselben auf Unterzüge ge- lagert, welche von Wandsäulen getragen werden. Der Speicherblock D. ist erbaut von der Freihafen-Lagerhaus-Gesellschaft und besitzt eine Länge von 87,06 m, eine Tiefe von 27,90 und 32,02 m und eine bebaute Fläche von 2530,16. Er enthält für Lagerräume 16018, Kontor- räume 912 m' im Erdgeschoß, sonstige Räume 1348. Die Fundamentierung ruht auf Bündeln eingerammter Pfähle von ca. 12 m Länge, auf welche sich mittels starker, in Beton gebetteter Holme das in einzelne Pfeiler aufgelöste Mauerwerk aufsetzt. Den inneren Ausbau bilden schmiedeeiserne Stützen und ein Netzwerk von Unterzügen mit übergelegten Längsträgern, welche einen gespundeten Dielenbelag aufnehmen und so gelagert, bezw. mit einander ver- bunden sind, daß alle durch Temperatureinflüsse bedingten Längenänderungen sich in weitestem Maße ungehindert vollziehen können. Die Treppenhäuser sind mit Rücksicht auf ihre Bedeutung für die Entstehung und Verbreitung von Bränden in den Umfassungswänden so stark wie die Brandmauern, und die Verwendung von Holzwerk ist außer zu Belägen der massiven, auf eisernen Trägern ruhenden Treppenstufen, sowie der gewölbten Podeste durchaus vermieden. Die Thüren zu den angrenzenden Böden bestehen aus einem Winkeleisen-