Aufsatz 
Grundzüge der kaufmännischen Architektur und ihre Behandlung im Unterrichte der Handelsschule
Entstehung
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1. Lagerschuppen.

Da dieselben die Ware nur für kurze Zeit beschützen sollen, weil ein schleuniger Weitertransport erfolgt, so sind sie meist ein Produkt der neueren Zeit. Früher ließ man sich mehr Weile und lenkte den Binnentransport, der ja zu Wagen erfolgen mußte, gern vom Kaufmannshause aus. Daher stammt in manchen Hafenorten die große Anzahl von Wagen, welche den Verkehr zwischen Schiff und Haus vermitteln. So rollen deren in Rotterdam noch ungefähr 4000. Bei einer Umladung in kleinere Schiffe schützte man die Güter durch Leinenplane. Jetzt hat man überall an den Kaimauern Schuppen errichtet, und Schienenstränge säumen sie an der anderen Seite. Die Konstruktion ist im allgemeinen von Holz zum Eisen, vom Mauerwerk zum Wellblech fortgeschritten: sie braucht nur leicht zu sein, hat aber einen Feind zu bestehen, das Feuer.

Zahlreiche hölzerne Schuppen befinden sich noch in Antwerpen, da sie, wie z. B. der Schuppen für Guano, schon vor einigen zwanzig Jahren errichtet sind. Für Lagerung von Holz sehen wir solche, welche bei einer Gesamtbreite von 18.75 m von vier Dachflächen überspannt sind. Die Bedachung ist aus gewelltem und galvanisiertem Eisenblech, für Pfähle und Dachstuhl hat man die Rottanne gewählt. Ein ähnlicher Schuppen auf dem Kai Gottfried ist 350 m lang und 24.25 m breit, er hat zwei Dachflächen, welche vor den äußersten Stützen 3.50 m vorspringen und zum Teil mit eingelassenen Fenstern versehen sind. Der Fußboden liegt einen Meter höher als die Kaifläche. Die Schuppen auf dem erneuerten Scheldekai dagegen sind ganz aus Eisen. Die Querbalken lassen sich seitwärts verschieben, sodaß die Abteilungen zu besserer Ausnutzung sich leicht vergrößern oder verkleinern lassen. Auf den nördlichen Dachflächen ist ein Glasstreifen von 2,10 m Breite eingefügt. Auch ein Versuch, den Anblick einigermaßen ästhetisch zu gestalten, ist gemacht worden, indem man die Giebelflächen nebeneinander ordnete und ihren Zusammenstoß durch ausgeschnittene Blech- platten verdeckte, welche Ornamente, Kronen u. s. w. zeigen.

Auch Hamburg besitzt natürlich Schuppen aller Art. Am Stadtteich sind staatsseitig Schuppen erbaut und von der TransportgesellschaftKette in Miete genommen. Sie sind aus Eisenfachwerk in einer Länge von 136 m und enthalten einen Hängeboden zur Lagerung leichter Güter. Landseitig ist Fahrgelegenheit, wasserseitig befinden sich Dampfkrahnen, welche eine solche Greifweite erhalten haben, daß auch Umladung zwischen Oberländerkahn und Schute stattfinden kann. Südlich von den Hauptgeleisen des Berliner Bahnhofs ist über dem Bankskanal ein Fachwerkgüterschuppen erbaut, welcher an der Nordseite ein Eisenbahn- geleis, an der Südseite eine Fahrstraße und in der Mitte drei Unterfahrten für Schuten besitzt. Die Osterreichische Nordwest-Dampfschiffahrtsgesellschaft hat in den Oberländer- hafen einen Schuppen gestellt, der beiderseits mit einem Perron versehen ist, auf welchem fahrbare Dampfkrahnen den Güteraustausch mit den Elbkähnen vermitteln, während die Schuten unter die Mitte des Schuppens einfahren und hier be- und entladen werden. In Altona erheben sich auf der Ost- und Westseite des Seeschiffhafens Schuppen, welche massive Giebelwände und zwei massive Scheidewände haben, sonst aber aus Eisen erbaut sind.

Rotterdam besitzt neben älteren, ganz primitiven Einrichtungen einige neuere, welche mit den besten Mitteln ausgestattet und durch Elektrizität betrieben sind. Am linken Maas- ufer stehen dieEntrepotpackhuizen, welche 1874 79 errichtet und durch unverbrennliche Mauern in fünf Abteilungen getrennt sind, welche die Namen der fünf Erdteile tragen. Diese Mauern überragen sowohl die Fassaden als auch das Dach um 2 m. Der feuersichere Keller faßt 4463; das ganze Gebäude hat drei Stockwerke. Der erste Stock besitzt einen Balkon von 7 m, der zweite eine Galerie von 2 m Breite. Die Fenster des dritten Stockes haben kleine Balkone, durch welche man die Waren unmittelbar entladen kann. Es zeigt sich hier also ein eigenartiges Mittelding zwischen Schuppen und Lagerhaus. Aus derselben Zeit stammen acht hölzerne Schuppen am Spoorweghafen. Eine hohe Markise an der Wasser- seite bedeckt ihre Dampfkrahnen. Die hölzernen Fußböden liegen auf Pfosten, welche sich naturgemäß senken; darum müssen von Zeit zu Zeit die Böden durch Schrauben gehoben und durch Auflager gehalten werden. Außerdem begünstigen die Hohlräume zwischen den