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Der hohe Aufschwung, den das Börsengeschäft hier nahm, machte schon nach 30. Jahren das Gebäude räumlich ungenügend. Da aus mancherlei Gründen eine Vergrößerung nicht möglich war, so wurde 1873 von der Handelskammer eine neue Konkurrenz ausgeschrieben, und der erste Preis sowohl als auch die Ausführung den Architekten Burnitz und Sommer zuerteilt. Nachdem der zuerst erworbene Bauplatz am Bockenheimer Thor, auf dem sich jetzt das Opernhaus erhebt, gegen den an der jetzigen Börsenstraße liegenden Rahmhof ver- tauscht war, wurde hier von 1874— 79 der Bau aufgeführt. Den architektonisch bedeut- samsten Teil bildet nach innen und außen der gewaltige Börsensaal, welcher bei 1064 m*² Grundfläche eine Höhe von ungefähr 32 m hat. Das mächtige Kuppeldach, ganz aus Eisen und Glas, erhebt sich auf rechteckiger Grundrißbildung bis zu einer Höhe von 43 m, eine gelungene Verkörperung des baulichen Grundgedankens einer Börse. Vor dem grossen Saale liegt an der Hauptfront ein dreischiffiges, gewölbtes Vestibül, sowie eine von dorischen Doppelsäulen getragene offene Vorhalle. Rückwärts schließen sich an die Räume für das Syndikat, für die Telegraphie, die Maklerzimmer und das Kontor für Kollektivskontro. Rechts und links vom Hauptsaal, den vorspringenden Pavillons entsprechend, liegen geräumige Hallen für Garderoben und Closets. Der östliche Seitenflügel enthält den Saal der Effekten- Sozietät, 17 auf 28 m groß, der westliche einen zur Vergrößerung des Börsensaales reservier- ten Nebensaal, der zeitweilig als Restauration und Vergnügungslokal diente. Beide Säle haben besondere Zugänge und auch die für ihre Benutzung erforderlichen Hilfsräume Im ersten Obergeschoss des Mittelbaues befinden sich die Bureaux der Handelskammer, sowie die den großen Saal umgebenden Galerien. Das Außere des Gebäudes ist freigebig mit Bildwerken geschmückt. Große Gruppen auf den Pavillons symbolisieren Krieg und Trauer, Frieden und Wohlstand. Auf den Postamenten der Vorhalle sind Handel, Schiffahrt, Industrie, Eisenbahn, Post und Telegraphie versinnbildlicht.
Die Berliner Börse ist bekanntlich das Gegenüber des Königlichen Schlosses. Der mächtige Saal, drei Stockwerke hoch, ist gewölbt und faßt bequem 10 000 Menschen. Er ist in drei gleiche Teile geschieden durch Säulenreihen, welche zu gleicher Zeit die Galerie tragen. Von der Spree her führt ein gewaltiger Säulenportikus in das Haus, im Vestibül sieht man die Kolossalstatue Wilhelms I., in sitzender Stellung, ein entrolltes Pergament in der Hand.
II. Lagerräume.
Der Kontor- oder Großhandel versorgt aus seinen Lagern die kleineren Geschäfte, er ist deshalb bestrebt, seine Räume gefüllt,„assortiert“ zu halten. Ein schneller Umsatz und Versand ist ihm erwünscht. Daher hält er gern leichtgebaute Lagerstätten an den Trans- portgelegenheiten, nur zum Umladen, die Lagerschuppen. Doch oft genug ist ein so rascher Geschäftsgang nicht möglich, oder der Abnehmer wünscht einen Lagerort, von dem er die Ware je nach Bedürfnis in kleinen Portionen holen kann. Zudem herrscht in Bezug auf Lagerbedürfnis unter den Waren eine tiefgehende Verschiedenheit. Fabrikate können das ganze Jahr hindurch erzeugt, manche Naturprodukte, wie Kohlen oder Erze immer gefördert werden, ja sie müssen es, um die Arbeiter andauernd zu beschäftigen; andere, besonders Früchte, werden nur zu bestimmten Zeiten hervorgebracht und müssen aufbewahrt werden. Dazu gehören Lagerhäuser. Die Früchte kommen ja meist in ausgereiftem Zustande in den Handel und müssen nur erhalten werden; manche allerdings gelangen halbreif zur Verschickung und benutzen Transport und Lagerung zum Ausreifen. Viel länger dauert das UÜbergangs- stadium bei Fruchtsäften, welche einen Gährungsprozeß durchlaufen müssen, z. B. beim Wein. Die betreffenden Lagerräume sind meist Keller. Endlich erfordert auch in Bezug auf das Lagern das Geld seine besondere Stellung und zwar zur Sicherung seines konzentrierten Wertes gegen diebische Gelüste.
Wir betrachten also: 1. Lagerschuppen. 2. Lagerhäuser. 3. Kellereien. 4. Geldschränke.


