Aufsatz 
Grundzüge der kaufmännischen Architektur und ihre Behandlung im Unterrichte der Handelsschule
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17

von besonderen Personen verwaltet; an Stelle des alten Tischschlitzes steht nun eine blinkende Registrierkasse und sobald das Geld im Kasten klingt, der Nachweis in die Höhe springt.

Neben den Banken dient dem Geldhandel die Börse; mit dem Unterschiede, daß dort außer den Handelnden auch die Ware vorhanden ist, hier sind nur die Händler. Die Börse bedarf also keines Lagers und ist eine Versammlung von Kaufleuten zum Zweck des Geld- geschäfts. Das mittelalterliche Wort Bursa stammt aus dem Griechischen und bedeutet einen ledernen Geldbeutel. Später wurde es angewandt auf gemeinschaftliche Kassen, kauf- männische Korporationen und sogar auf die gemeinschaftlichen Kosthäuser der Studenten, daher die BezeichnungBursch. Die Gleichbedeutung mit Markt geht auf Brügge zurück. Dort blühte vom 13. 16. Jahrhundert eine Patrizierfamilie van der Burse, welche drei Geld- beutel im Wappen führt; auch ihr Stammhaus zeigte dieses Wappen und hieß kurzweg de Burse. Im 13. und 14. Jahrhundert war dieses Haus ein Warenmagazin und Logier- haus für fremde Kaufleute; später machten es die Venetianer zu ihrem Konsularhaus, ihrer Loge, und nahe dabei errichteten die Florentiner und Genueser die ihrigen. Der Platz in der Nähe dieser Gebäude, der später auch die Burse hieß, diente nachweislich den Italienern zu ihren täglichen geschäftlichen Versammlungen, ihre Handelsobjekte waren Wechsel. Von Brügge wurde Namen und Wesen dieser Einrichtung nach Antwerpen übertragen, wo die Stadtbehörde 1460 eine Börse anlegte und 1530 einen grossen Börsenbau errichtete, der vor- bildlich geblieben ist. Rings um den freien Börsenplatz laufen Säulenhallen, eine Nachahmung der italienischen Loggien. Das nordische Klima zwang später zur UÜberdachung des Platzes. Neben Antwerpen war es Lyon, welches sich im 16. Jahrhundert von den engeren Verbänden, denNationen, löste und so eine allgemeine Börsengemeinschaft und Börsenmeinung schuf. Antwerpens Einfluß ging im 17. Jahrhundert auf Amsterdam über. Auch hier wurde die Börse zunächst unter freiem Himmel, auf derNeuen Brücke abgehalten, bei schlechtem Wetter in derAlt Kirchen; erst 1613 erhielt sie ein eigenes Gebäude. In Frankfurt erlebten wir einen ähnlichen Werdegang. Seit 1789 diente der große, mit Galerien um- zogene Hof des Hauses Braunfels als Börsenlokal. Zur Bestreitung der Verwaltungskosten wurde eine von den Handelsfirmen selbst bestimmte, feste Abgabe erhoben. Für die Abend- börse(Effektensozietät) diente ein Gartensaal in dem sogenannten Vauxhall, hinter der Rose, mit Eingang von der Zeil; später wurde dieselbe in ein Haus an der Senckenbergstraße und weiterhin in die Erdgeschoßräume des Saalbaus verlegt. Im Spätherbst des Jahres 1839 schrieb der Vorstand der Kaufmannschaft eine Konkurrenz für den Entwurf zu einem Börseniokal aus und stellte dabei folgende Bedingungen: Auf gegebener Baustelle, deren Fronten nach dem Platze an der Paulskirche und nach der Neuen Kräme gerichtet liegen, sollen an jenem der Börsensaal von 6500], an dieser aber Läden und Verkaufslokale mit Kontoren in zwei Stockwerken angeordnet werden. Auch soll von dieser Seite ein Neben- eingang nach dem Börsensaale führen. Für die Verwaltung der Börse wurden zwei Zimmer verlangt. Der Entwurf des Oberbaurats Stüler zu Berlin wurde mit dem ersten Preise ge krönt und 1840 44 ausgeführt. Zwei kleine Höfe sind in den Grundriß gefügt, um bei der großen Tiefe des Gebäudes noch Licht für die inneren Räume zu schaffen, die Aborte schicklich unterzubringen und Wasserabfluß für die großen Dächer zu gewinnen. Der Saal ruht auf acht Marmorsäulen mit Trichtergewölben. Die Widerlagerpfeiler dieser Gewölbe springen innerhalb vor und bilden tiefe Nischen, in denen Bänke aufgestellt sind. Die Wände des Saales sind auf etwa 7 Höhe mit eichener Täfelung bekleidet, darüber aber mit weißem Stuckmarmor und leichter Malerei verziert, sodaß ein heiterer, luftiger Eindruck erzielt wird. Die noch geplante Darstellung berühmter Handelsstädte und Häfen ist wegen Mangels an Mitteln nicht zustande gekommen. Zwischen den hohen, angrenzenden Häusern wurde sich die Börse nicht geltend gemacht haben, wenn man sich nicht zu einem dritten Geschoß verstanden hätte, gern verstanden, da die drei Wohnungen in demselben durch ihren Mietertrag einen willkommenen Fond zur Tilgung der teilweise geliehenen Baukosteu gewährten. Zur Kenn- zeichnung des Gebäudes sind auf den äußeren Strebepfeilern Statuen angebracht, welche den Land- und Seehandel und die fünf Erdteile darstellen. Den Nebeneingang an der Neuen Kräme zieren die Statuen der Klugheit und des Glückes.