Aufsatz 
Grundzüge der kaufmännischen Architektur und ihre Behandlung im Unterrichte der Handelsschule
Entstehung
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Schmuck zweifelhafter Art ist. Der Lichthof mit flachgewölbter Glasdecke erhält seinen Hauptreiz durch die eingebaute Treppe, die zunächst aus der Mitte nach hinten ansteigt, dann in zwei Läufen rechtwinklig nach beiden Seiten abzweigt, im nächsten Stockwerk aber wieder in Form einer freischwebender Brücke zusammenstrebt. Eine ähnliche Anlage baut sich auch an der vorderen Schmalseite auf. Die sehr malerisch wirkenden Brücken bilden den Ausgangspunkt der Ornamentation, die in etwas massigen Formen mit der modernen Richtung liebäugelt. Auch das matte Graulila, das die Grundfarbe des Holzwerkes bildet. ist eine moderne Farbe, zu der sich nur noch das Gold der Metallteile, das nach gelb gebrochene Weiß der Mauern und das satte Gelb von deren unterer Stuckmarmorverkleidung gesellt. Zu beiden Seiten des ersten Treppenlaufes sind zwei größere bronzene Lorbeerbäume aufge- stellt, deren Kronen dicht mit elektrischen Glühlichtern besetzt sind. An den Brücken hängen zapfen- und traubenartige Leuchtgebilde.

Das neueste Frankfurter Warenhaus von Schmoller trägt seinen Mauerkern noch ver- borgener und besteht sichtbar nur aus Eisen und Glas. Das Eisengerüst ist allerdings ge- gliederter und verbirgt die Glaswände zum Peil hinter jugendstiligen Pflanzenformen aus Eisenblech. Der Anstrich des Eisenwerkes: grün mit gold, verstärkt den Eindruck des Jugend- lichen. Im übrigen möchte solche Verzierung mit Eisenblech die Gefahren der verschieden- artigen Ausdehnung vermehren.

Es ist naturgemäß, daß Einkäufe in einem Warenhause oft zu beträchtlicher Aus- dehnung anschwellen, sodaß der nunmehrige glückliche Besitzer und Nutznießer sie nicht zu tragen vermag. Die Verkäufer sind klug genug, für die liberwindung dieses letzten Abstandes zu sorgen. Das Louvremagazin sendet Bestellungen über 25 frs. auch frei ins Ausland. Für Stadtbeförderung stehen allen größeren Geschäften eigene Wagen und Karren zur Verfügung: in Paris wird natürlich das beliebte Automobil benutzt. Hinter dem höflichen, munteren Verkaufspersonal steht eine Reservearmee, welche ungesehen von morgens bis abends in den Pack- und Ablieferungsräumen beschäftigt ist. Eine große Zahl von Buchhaltern, Schreibern Sortierern und Packern ist bemüht, die gekauften Waren für den Kutscher fertig zu stellen. Die letzteren bilden samt den Mitfahrern, den Stallleuten, Wagenwäschern u. s. w. wieder ein kleines Heer, dessen Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit sehr wichtig ist. Die sechs größten New-Yorker Geschäftshäuser halten insgesamt 1 339 Pferde, 601 Wagen und 453 Kutscher. Dazu erreichen auch die Ausgaben für Packmaterial, Bindfaden u. s. w. eine beträchtliche Höhe. Ein New-Yorker Warenhaus beschäftigt das ganze Jahr hindurch zwei Korbmacher, welche 100 000 Körbe für dasselbe fertigen, alle für Ablieferungszwecke.

Das Studium des eben betrachteten Zweiges der Handelsarchitektur wird wesentlich gefördert durch die im Verlage von Wasmuth in Berlin erschienene prachtvolle Bildersamm- lungGeschäfts- und Warenhäuser.

6. Banken und Börsen.

Die Banken haben ihren Namen von den Tischen der Geldwechsler. welche eine notwendige, geschätzte und geschützte Stellung erhielten, seitdem durch die Kenntnis der Edelmetalle und die Kunst des Wägens der Tauschhandel sich von den Naturprodukten selbst losrang. Es war naturgemäß, daß die Goldschmiede, welche das Verarbeiten und Probieren des Metalls besorgten, auch die Wechsler von Barren und später von geprägten Münzen wurden. Ihre Tische mit Wage und Gewichten und dem Probierstein nannte man in Italien banco. Daß die Goldschmiede auch die Aufbewahrung fremder Schätze übernahmen, werden wir in einem anderen Kapitel sehen. China kannte schon 2600 v. Chr. Münzen und Wechsler. Christus stiet im Vorhofe des Tempels ihre Tische um, und auf dem Forum von Pompeji finden wir ihre Spuren. In dem Ütalien des 13. bis 15. Jahrh. mit der Verschiedenheit seiner Geldsorten schossen sie üppig auf, und unser Deutschland mit seiner politischen Zerrissenheit und seiner eifersüchtigen Kleinstaaterei hat bis 1870 das Wechselgeschäft plühen lassen. Auf die Entwickelung des Bankverkehrs und seine verschiedenen Zweige kann hier natürlich nicht eingegangen werden. Mit dem Wachstum desselben hat indessen auch die Bank- architektur ein anderes Gesicht bekommen. Bedenken wir, daß im Grunde Sparkassen und