Aufsatz 
Grundzüge der kaufmännischen Architektur und ihre Behandlung im Unterrichte der Handelsschule
Entstehung
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Mater Lane haben, enthalten nach ihrem Kataloge: Wein und Spirituosen, Cigarren, Tabak, Pfeifen, Fleisch, Geflügel, Viktualien, Früchte und Gemüse, Fische, Droguen und Parfümerien, Materialwaren, Strumpf-, Tuch-, Bandwaren, Damenkleider, Porzellan und Glas, Spiele, Eisen- und Drechslerwaren, Schreibmaterialien, Juwelen, Glocken, Uhren, Silber- und plattierte Waren, optische Geräte, Photographieen, Hausgeräte, Schuhwaren u. S. w. Das größte derartige Haus in London ist Wohl das von William Whiteley, der sich selbstUniversallieferant nennt und der in seinem 1274 Seiten fassenden Katalog Waren bietet, die thatsächlich den Kultur- menschen von der Wiege bis zum Grabe befriedigen.

Auch Paris besitzt im Bon Marché, Printemps und besonders im Louvre berühmte Bazare. Das Louvremagazin wurde im Jahre 1855 gegründet, zu der Zeit, da die französische Demokratie ihre industrielle und kommerzielle Höhe erklomm, da die erste Weltausstellung in Paris eröffnet wurde, da Napoleon III. die Rue de Rivoli durchbrach und jene baulichen Umwandlungen begannen, welche Paris zu einer bewunderten Stadtanlage machten, da die Eisenbahnen anfingen, die Völker zu einigen, da das elektrische Licht zu weiterem Gebrauch entflammte. Dazu liegt das Magazin in einer bedeutsamen Umgebung. Die innere Einrichtung des Hauses ist vielfach vorbildlich gewesen. Nachahmenswert mag es auch sein, daß dort, wo die Frau alles findet, was sie für sich selber träumen kann, die Gestelle für Männer- und Kinderkleider neben die Damenkostümschränke gesetzt sind, um die weibliche Kritik zu be- lauschen.

Besonders scheint in neuester Zeit Berlin fruchtbaren Untergrund fur das Aufsprießen von Warenhäusern gegeben zu haben; eine ganze Reihe derselben ist entstanden, welche zu- gleich die Entwicklung vom Wohnhause zum Ladenhause, von diesem zum Geschäftshause und dann zum Warenhause veranschaulicht. So dieGermania, Ecke Französische- und Friedrichstraße; Henckels Stahlwarenhaus; dann die Eckhäuser Charlotten- und Leipzigerstr., Burg- und Kaiser Wilhelmstr.; dann Equitable, dann Wertheims Kaufhaus.

Das Bezeichnende in dieser Entwicklung ist die fortschreitende Auflösung der Front in Fensterflächen. Bei den älteren Bauten wird ohne Umstände das Erdgeschoß aufgeschnitten, mit Eisen gestützt und mit Glas zugesetzt; das Firmenschild darüber verkleistert zur Not die nun verkrüppelte Fassade. Trotzdem sind solche Schaufensterreihen das bezeichnende Merkmal ganzer Straßenzüge geworden, eine Art Sockelglied der Fassadenreihe. Doch während das Renaissancehaus im Sockel seinen Abschluß fand, ward er hier der Antrieb zur Höhenent- wicklung. Die Riesenscheiben ordnen sich übereinander, sogar im Kirchenschiffaufrisse, wie beim Geschäftshaus Ravené. Doch bald verließ man diese am Alten klebende, unwahre Art und ging zur senkrechten Teilung der Front über. Bei dem Warenhaus von Wertheim haben mächtige Granitpfeiler einen wohlthuenden Fassadenrythmus erzeugt, und diesem Beispiel ist man vielfach gefolgt. Bei dem zuletzt eröffneten Warenhause von Tietz dagegen ist ein Rückschritt zur Auflösung der ganzen Front in Glasflächen zu bemerken. Die stützenden Pfeiler sind etwas ins Innere gerückt, die Decken auslegerartig von ihnen aus nach vorn verlängert, und der ganze Organismus des Baues ist so im Kußeren verleugnet und hinter einer gläsernen Maske versteckt. Ein Mittelbau und zwei schmälere Seitenbauten aus Stein, oben ein scheinbar frei in der Luft schwebendes, bandartiges Gesims mit dem Namen, das ist der Rahmen für zwei riesige Glasteppiche. Den Mittelbau krönt die Erdkugel, die in der heißen Zone ebenfalls den Namen des Inhabers zeigt. Bei perspektivischer Betrachtung ge- winnt das Bild etwas. Höheren künstlerischen Wert hat die Hinterfront des Hauses in der Krausenstraße; hier ist die Mitte durch ein großes Rundbogenfenster und einen mächtigen flachen Erker betont und die sonstigen Fenster sind in den baulichen Organismus gezogen. Der Grundriß ist dem Wertheimschen Hause ähnlich, findet aber seine Vorbilder auch in anderwärtigen Geschäften. An den Mitteleingang im Vorderhause schließt sich ein vestibül- artiger Vorraum, an diesen reiht sich als Verbindung nach dem Hinterbau ein großer, über- deckter Lichthof mit seitlichen Galerien in allen Geschossen, im Erdgeschoß schließen sich zwei weitere glasüberdeckte Höfe daran. Die eigentlichen Geschäftsräume schlingen sich um diese Lichtspender, sind aber ohne irgendwelchen Aufwand nur nach Zweckmäßigkeit ausgestattet. Die vorderen Mittelräume zeigen eine Deckenbekleidung aus Spiegeln, die als