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Geist angespornt, und man zählt ungefähr 600 Patente dieser Art, von denen jedoch kaum zehn dauernde Bedeutung erlangten. Für den Warenvertrieb sind besonders diejenigen der Chokoladefabrikanten Gebrüder Stollwerk bedeutend. Wichtigkeit haben auch die Automaten für Ansichts- und Bahnsteigkarten. Die in neuester Zeit eingerichteten automatischen Restaurationen erfreuen sich zwar eines starken Zuspruchs, doch mag der Reiz der Neuheit der Hauptgrund dazu sein. Das innere Wesen der Automaten liegt hauptsächlich in Federn und Hebeln. Der Wunsch, den Verkehr auf den Straßenbahnen größerer Städte zu erleichtern, hat auch zur Konstruktion elektrischer Fahrkartenautomaten geführt, da die bisherigen mechanischen zu empfindlich gegen Wagenstoß und Neigung sind. Einen solchen von Krull in Hamburg erprobt man auf der Posener Straßenbahn. PEr enthält zwei Elektromagnete mit doppelter Wickelung und wird durch den Strom der Bahn mitbetrieben, dessen Spannung durch einen Vorschaltwiderstand auf 200 bis 250 Volt vermindert wird. Das hineingeworfene Geldstück bewirkt den Stromschluß. Die Einrichtung ist so getroffen, daß jeder das durch den vorangegangenen Einwurf gestempelte Billet erhält. Mißlich bleibt bei allen Automaten die betrügerische Verwendung wertloser Platten und die ungleiche Stärke der Münzen. Das Außere der kleinen Spezialisten hat sich bis jetzt selten zu künstlerischer Höhe entwickelt, zu der doch ihr Standort in pomphaften Lokalen oder im Freien reizen sollte.
5. Warenhäuser.
Ist das Spezialgeschäft für die Ware und somit auch für den Käufer ein Vorteil, So entsteht doch die Unbequemlichkeit, wegen des Einkaufs verschiedener Bedürfnisse weite Wege machen zu müssen. Wohl hat man versucht, in manchen Straßen, besonders in den sogenannten Passagen, Spezialgeschäfte verschiedenster Art zu sammeln. Doch war das einer- seits nicht durchgreifend genug, andrerseits zwangen die Grundstückspreise, diese Breiten- ausdehnung in die Höhenlage zu wandeln und die Läden übereinander zu türmen und so große Warenhäuser zu errichten, welche bei aller beruflichen Trennung eine technische Einheit darstellen. Vorbildlich waren dabei jene Geschäfte, welche in den Hafenstädten den Auswanderer oder auch den Weltreisenden mit allem Nötigen versorgen. Dabei kann man beobachten, daß gerade Käufer aus kleineren Orten die Warenhäuser aufsuchen, um bei einem Besuche der Stadt nicht allzuweite Wege machen zu müssen, während der Großstädter selbst leichter die feinsten Spezialgeschäfte aufsuchen kann. Eine Abart der Warenhäuser Kkann man in den sogenannten Versandgeschäften erblicken, welche, wie z. B. Mey& Edlich in Plagwitz-Leipzig, von einem Spezialartikel(Papierwäsche) zur Vielheit übergegangen sind. Ein solcher Betrieb ist allerdings nur auf Grund der Verkehrsentwicklung, der Postkarten und des billigen Gepäckportos möglich geworden. Die Großbazare zeigen eine überaus schnelle, ja üppige Entwicklung. Sie sind zunächst künstliche Gründungen großkapitalistischer Speku- lanten, welche den geschäftlichen Mittelstand anfsaugen und sich ganze Fabriken dienstbar machen. Durch Reklame und Lockartikel wird die Massenkundschaft angezogen. Manche von ihnen beziffern ihren Jahresumsatz auf 30 Millionen Mark. Wenn auch anerkannt werden muß, daß die Besitzer dieser Bazare vielfach bemüht sind, ihre Geschäfte auf solider Basis weiter zu entwickeln, so läßt sich doch ihre Zukunft, wenigstens in Deutschland, nicht vorher- sagen. Die Warenhaussteuer hat schon einige von ihnen veranlaßt, sich rückwärts zu Spezial- oder Gruppengeschäften zu verpuppen.
Wie dem auch sei, auf architektonischem Wege bedeuten sie einen Fortschritt. So wenig unsre Zeit für die bauliche Ausgestaltung der modernen Bedürfnisse auch gethan hat, hier ist ihr Wirken zu spüren. Die monumentale Neuerung, die wir in vollbewußter und schneller Entwicklung erleben, liegt neben den Bahnhöfen hauptsächlich im Warenhause. Dieses ist der Palazzo der Gegenwart geworden, der Tempel der modernen Industriekultur. Es ist der Triumph der öffentlichen profanen Kunst, wir finden ihre charakteristischen Stufen in den verschiedensten europäischen Großstädten. Wie der Handel überhaupt, sind auch sie zuerst in England zur Blüte gekommen. Die sogenannten„Stores“, welche auf dem Grunde von Konsumgenossenschaften entstanden, boten ihrer Entwicklung eine natürliche Stütze. Die Stores von Spiers and Pond z. B., welche ihr Hauptgebäude 162a Queen Victoria Street and


