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Strenge Absonderung der Arzneien von einander, unzweideutige Bezeichnung und eine Aufbewahrung, welche ihre Wirksamkeit beschützt, sind unbedingte Erfordernisse. Trotzdem müssen manche Mittel auch ohne Abgang öfter erneuert werden.
Vor mir liegt eine Beschreibung des Verkaufsraumes der Firma H. Hauptner, Berlin, tierärztliche Instrumente. Die allegorischen Malereien, die Büsten und Portraits von hervor- ragenden Männern, welche diese Räume schmücken, deuten auf die Wissenschaft hin, in deren Dienst die hier dargebotenen Erzeugnisse stehen. Die bewundernswerte Axt, in welcher hier alle instrumentalen Hülfsmittel und Geräte aus den verschiedenen Disciplinen der Tiermedizin sowie die Apparate für die Tierzucht und Tierhygiene geordnet niedergelegt sind, spricht für den wissenschaftlichen Geist, der in diesem Hause die Herrschaft führt.
Ein Festschriftchen der Firma„Gebrüder Hoff“, Frankfurt, Spezialgeschäft für Damen- Kleiderstoffe, welches soeben sein 75 jähriges Bestehen feierte, zeigt in hübschen Illustrationen pesonders den Nenbau an der Zeil. Dieser zeichnet sich in allen Teilen durch zweckmäßige Einrichtung und große Lichtfülle aus. Der Eintrittsaal des vornehmen Baues wirkt charakteristisch durch die breite Galerie, welche die Rückwände umzieht. Kennzeichnend für die Richtung des modernen Betriebes ist es, daß selbst derartige Spezialgeschäfte genötigt sind, besondere Bezirke für ganz billige Woll- und Waschkleiderstoffe für den großen Konsum einzurichten. Die Papierhandlung von Karl Klippel, Frankfurt, enthält neben einem sehr praktisch eingeteilten Laden geräumige Lagerräume für die verschiedensten Papiersorten und ihre Anwendungen. Hier„sitzen“ auf großen Lager-Pritschen, streng nach Qualitäten getrennt, Packpapiere jeder Art in Rollen und Bogen, Pappen und sogenannte Fabrikationspapiere, weiterhin in hohen Regalen Postpapiere, Bücherpapiere, Kanzlei- und Conzeptpapiere, Zeichen- papiere in Rollen und Bogen, weiße und farbige Kartons, Umschlagpapiere u. s. w.; in Nebenräumen noch Musterdüten aller Größen, Kopierbücher, Briefordner, Falzmappen.
Das Sport- und Modehaus der Firma F. Hirschberg& Co. zu München ist ein Prachtbau und auch im Innern durch das Münchener Kunstgewerbe reich geschmückt. Durch ein Entree aus poliertem indischen Teakholz, das nach oben durch Tonnengewölbe mit Kassetteneinteilung aus englischem Glase abgeschlossen ist, gelangt man in die über 600 m? fassenden Parterre- lokalitäten. Die Stoffschränke und Ladentische sind aus amerikanischem Teakholz, mit grau- poliertem Eschenholz eingelegt, die Kasse ist durch ein originelles Gitter abgeschlossen. Der Lichthof wurde in einen hübschen Garten mit Tropfsteingrotte, Springbrunnen und italienischer Muschelarbeit verwandelt. Ein völlig nachtdunkles Zimmer gestattet der Damenwelt, Stoffe für Ball- und Abendtoiletten bei elektrischem Lichte auch am Tage zu prüfen. Prächtige Krystallspiegel, cerisefarbige Seidenstühle und lichte Tönung des Gemaches und der Möbel wirken glücklich mit den vergoldeten Profilen zusammen. In diese Stimmung passen die Mangoldschen Temperamalereien. Eine Prunktreppe mit schönen Kunstschmiedearbeiten und ein eleganter Lift führen zu den oberen Stockwerken, von denen außerdem eine abgeschlossene, feuersichere Treppe in die Einfahrt mündet. Die Riesenlokale des ersten Stockes mit Säulen aus rotem Stuckmarmor enthalten die Neuheiten der Konfektion. Spiegelabteilungen bilden besondere Verkaufs- und Ankleideräume. Da ist ein reizendes Rokokoboudoir, ein im Jugendstil gehaltener Ankleideraum, ein fürstlich ausgestatteter Salon, ein weiteres Gemach in Tiefrot und Schilfgrün. Die Hofseiten des Hauses sind mit glasierten, weißen Verblend- steinen bekleidet.
Einen Begriff von der Geschäftsausdehnung mancher Spezialhäuser giebt uns die Firma Debenham and Freebody, welche in London ein Westendwarenhaus mit 14 Verkaufs- sälen, ein Citywarenhaus und Filialen in Paris, Melbourne, New-York, Brüssel und Lyon besitzt.
Eigentümlich berührt neben diesen Riesen der Anblick der Zwerge unter den Spezial- geschäften der Neuzeit: der Warenautomaten. Ihre Sippe ist schon sehr zahlreich, und sehr verschiedenartig sind die gebotenen Waren. Das Auftreten derselben in Deutschland datiert etwa von 1886, ihr Geburtsland ist natürlich auch England. Bewegungsautomaten sind allerdings schon im Altertum die Lieblingskinder erfinderischer Köpfe gewesen, und auch Musikautomaten waren immer beliebt. Die Eigenart dieser Lädchen hat manchen findigen


