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blechbedeckte Räume, in denen das Palmöl gewonnen und geprüft wird. Noch andere, lang- gestreckte Bauten bergen die Kaufmannsgüter, die das Dampfschiff gebracht hat, Tausch- artikel aller Art. Sodann folgen Wohnungen für die vielköpfige schwarze Dienerschaft. Zwischen all diesen Räumlichkeiten dehnen sich Hofanlagen und stehen Bäume; um das Ganze aber zieht sich eine hohe Mauer, die mit angeklebten Flaschenscherben übersät ist. Am Thore endlich erhebt sich noch ein Gelaß für den Wächter mit seinen Hunden.
4. Spezialläden.
Die berufliche Trennung der Ladengeschäfte, die Einrichtung von Spezialgeschäften, ist eigentlich eben so alt wie das Ladengeschäft überhaupt, ja vielleicht noch älter. Die verkaufenden Handwerker sind Spezialisten. Bäcker und Metzger sind es immer gewesen. Auch der eigentliche Kaufmann hat sich gerne beschränkt, sowie nur die Größe des Absatz- gebietes das erlaubte. Alles kann schließlich ein Laden nicht bieten, und so bildeten sich bald Warengruppen, die sich immer weiter teilten und eine ganze Stufenleiter abwärts(oder aufwärts?) schufen. Ein Gang durch die Straßen einer Großstadt giebt reichlich Belege. Schon die Fleischläden bieten entweder nur Ochsen-, Kalb- und Hammel- oder Schweinefleisch, Wurstwaren oder Geflügel. Die edle Bäckerei tritt gesondert als Brot-, Fein- oder Kuchen- bäckerei, als Konditorei, Chokolade- und Bonbonsladen auf. Da giebt es ferner Spezialläden für Alfenidewaren und Bronzen, für Drahtgeflechte und eiserne Bettstellen, für Goldleisten und Blattgold; für Besatzwaren, Betten, Blonden, Blumen und Federn, Borsten und Pinsel, Celluloid, Cement, Chales. Corsetten, Kravatten, Elfenbein, Filz, Fischbein, Fourniere, Futter- stoffe, Garne, Glasperlen, Glimmerwaren, Haare u. s. w. u. S. W.
Andererseits waren es Kaufleute, welche die stark spezialisierte Thätigkeit der einzelnen Handwerker an betriebsamen Orten zusammenfaßten und so erst recht eine ganz bestimmte Arbeitsteilung schufen. Da konnte sich die Handfertigkeit der einzelnen Arbeiter bis ins Feinste ausbilden, während die Sorge für den Vertrieb, für die rein geschäftlichen Maßnahmen den Kaufleuten verblieb.
Es ist klar, daß solche Arbeitsteilung auf die Auswahl und Behandlung der Ware einen günstigen Einfluß üben muß. Man hat in einem solchen Laden fast das beruhigende Gefühl, den Verfertiger selbst vor sich zu sehen. Einen Einfluß auf die Gestaltung der Lokale kann man indessen nicht in dem Maße nachweisen. Natürlich dürfen Läden derselben Art nicht zu nahe bei einander liegen. Da es fast durchweg ebenfalls Mietsräume sind, So besteht eine Verschiedenheit höchstens darin, daß für manche Zwecke, z. B. für Konfektions- oder Mäntelgeschäfte mehrere kleine Gelasse, für andere, z. B. Möbel und Maschinen, grössere, saalähnliche begehrt sind. Auch die Zuführung von Licht begründet manche Verschiedenheiten, ebenso ist, z. B. in Fischgeschäften, Wasserzufluss erwünscht. Im allgemeinen ist Trockenheit und gute Ventilation Notwendigkeit.
Da die Erstehung von Spezialläden in eine Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs fällt, die in Bezug auf Lebenshaltung und Geschäftsentwicklung große Fortschritte reifte, so ist die Spezialität wohl nicht nur an sich ein Anstoß zu besserer und schönerer Ladeneinrichtung sowie zur Entwicklung der Schaufenster. Diese Einrichtung kann sich beziehen auf besseren Hintergrund der Waren, Zz. B. die Fliesenbekleidung der Wände im Metzgerläden, die Verwendung großer Spiegel in Kleider- und Hutläden. Sie kann sich beziehen auf die Ausbildung und Ausschmückung der Regale und Schränke, die oft sehr reich entwickelt werden. Ein leuchtendes Beispiel unter den Spezialläden ist und bleibt die Apotheke.„Wie in einer Apotheke“ lautet ein landläufiges Lob für jeden Laden. Die Gediegenheit der Schränke und die Sauberkeit der Gefäße ist erquickend. Es bestehen dafür allerdings bestimmte gesetzliche Vorschriften. Eine Apotheke muß enthalten:
1. die Offizin(Verkaufslokal),
2. das Laboratorium,
3. Vorratsräume, wie Materialkammer, Kräuterboden, Trockenschrank, Keller und Lokal für Separanda und Giftkammer.


