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inhaltschweren Körben den Launen der Witterung preisgegeben, mitunter beschützt sie ein riesiger Parapluie. Doch auch hier hat der Architekt helfend eingegriffen. In den großen Städten sind Markthallen erstanden, welche nicht nur schützend und ordnend, sondern durch ihre Geschosse auch raumsparend wirken. In Neapel ist es allerdings nicht möglich gewesen, die Vagabunden des Handels zu fesseln, das schöne Gebäude steht fast leer: die„Hallen“ von Paris dagegen haben es sogar zu politischer Bedeutung gebracht.
Es mag vergönnt sein, die allerdings auch schon ungenügende Frankfurter Markthalle vorzuführen. Sie erhebt sich seit 1878 auf demselben Platze, welcher von 1870 an zum festen Wochenmarkte benutzt wurde. Sie ist rings von Fahrstraßen umgeben und hat eine Länge von 116,80 und eine Breite von 34 m. somit eine bebaute Grundfläche von ungefähr 4000 m. ²2. Dieser ganze Raum ist 4 m hoch unterkellert; das Erdgeschoß hat 5 m Höhe und die darüberlaufende 6m breite Galerie 5,9 m Höhe. Das ganze Gebäude ist in Eisenkonstruktion hergestellt mit Ausnahme der vier Eckbauten, welche im Erdgeschoß in Backsteinen mit grünlicher Sandsteinverblendung, im Obergeschoß ganz aus Werksteinen errichtet sind. Die Brüstungen der Hallenwände sind 1,60 m hoch über dem aus Basaltlava hergestellten Sockel aus Backsteinen aufgemauert und beiderseits mit Cementmörtel verputzt; im übrigen besteht die Bekleidung der Frontwände zwischen den Bindersäulen aus Eisen. Zink und Glas. Sämtliche Fenster sind in Schmiedeeisen ausgeführt. Die Fußböden des Erdgeschosses und der Galerie ruhen auf Kappengewölben und eisernen Säulen und sind wie die Fußböden des Kellers aus Cementbeton mit Cementestrich hergestellt.
Die Eindeckung des Hauptdaches ist aus verzinktem Patentwellblech, die der Pult- dächer über der Galerie aus Rautenzink auf Holzschalung; über dem Hauptdache liegt ein Dachreiter, der zum Teil mit Glas, zum Teil mit Zinkwellblech eingedeckt ist. Das Regen- wasser wird vom Dachreiter über das Hauptdach auf die Pultdächer und von diesen durch 16 Regenrohre in das städtische Kanalnetz abgeleitet.
Zur Lüftung der Halle sind die Seitenwände des Dachreiters aus offenstehenden, festen Jalousiescheiben gebildet; die Fensterwände bestehen zwar aus festen Glasscheiben, doch befindet sich in jeder Binderweite eine Anzahl von Glasjalousieen und beweglichen Scheiben, die nach Bedarf geöffnet werden können.
Den Verkehr zwischen den Geschossen vermitteln sechs, vom Keller bis auf den Galeriefußboden führende Treppen, von denen je zwei zu beiden Seiten der mittleren Ver- bindungsgallerie und zwei in den Eckbauten der Nordfront angelegt sind; außerdem liegen in den letzteren zwei hydraulische Aufzüge, welche Lasten bis zu 250 kg. heben können. In dem Mittelbau der Halle befinden sich noch zwei für Handbetrieb eingerichtete Aufzüge, von denen einer zur Aufnahme eines Kehrichtkastens, in welchem sämtliche Abfälle des Marktes vereinigt werden, bestimmt ist. Im Erdgeschoß sind zwei Viertel des mittleren Halleuraumes für die Abhaltung der Engros-Märkte bezw. zur Aufnahme von Kleinverkäufern an den Hauptwochenmärkten freigelassen; die übrigen Rüume der Halle, sowohl im Erdgeschoß wie auf der Galerie sind in feste Verkaufsstände von durchschnittlich 6— 7 m Grundfläche geteilt. Die drei Hauptquergänge im Erdgeschoß und der Verbindungsgang für die Galerie haben eine Breite von 4 m. sämtliche anderen Gänge eine solche von 2,2 m. Die Halle hat auf jeder Längsfront drei Eingänge und auf jeder Giebelfront eine Zufahrt, die gegen Zug- wind mit inneren Glasthüren versehen ist.
Im Erdgeschoß befinden sich auch die Räume für die Marktverwaltung und die Polizei, ein Restaurationslokal und zwei Bedürfnisanstalten. Die Halle ist überall durch Gas be- leuchtet und durch 18 Zapfkrähne der städtischen Quellwasserleitung mit Wasser versorgt. Sämtliche Fußböden sind durch Senkkästen in die Straßenkanäle entwässert.
3. Gesamtläden.
Finden wir in den Markthallen den Handel zeitweilig seßhaft, so hat er auch an anderen Orten ohne Zeitbeschränkung eine gewisse Standhaftigkeit erreicht. In der Säulen- halle vor dem Haupteingange der Berliner Börse z. B. finden wir Verkäufer von Zeitungen, Zeitschriften, Blumen und Wachszündhölzern und anderes„kleines Volk“, das hier im Vor-
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