7
seinen eleganten und praktisch eingerichteten Musterkoffer. Für lebende Tiere hat man käfig- artige Körbe und für Fische Fässer und Legel.
Der Transport dieser Waren wird aber auch oft durch Tiere(Esel), Karren, kleinere und größere Wagen, Kähne und Schiffe besorgt. In Italien führt man gar Kuhfamilien in die Städte, um sie vor den Hausthüren zu melken. Überhaupt ist der Süden mit seiner lebendigen, oft lärmenden, die Gebäude fliehenden Lebenshaltung ein konservativer Beschützer des Hausierhandels.
2. Markt- und Meßbuden.
Wenn auch der wagende Händler durch den winkenden Gewinn immer wieder ver- lockt wurde, die Grenzen der Kultur zu überschreiten, es lauerten doch der Gefahren für Leib, Leben und Ladung so viele, daß ein Schutz wünschenswert erschien. Gern folgte er daher dem Zuge römischer, nordischer und slavischer Heerführer und drängte sich an ihre Lagerwand. Sein Karren verstärkte die Wagenburg, und von seinem planbedeckten Gefährte aus betrieb er sein Geschäft, wie wir es noch heute von Händlern im Kaffernlande lesen. Mit dem Vordringen des Christentums, mit der Feier christlicher Feste, deren Meßopfer zahl- reiche Gläubige herbeizog, entwickelte sich unter dem Schutze der Kirche auch ein lebhaftes Markttreiben. Dieser Schutz, gegen leichte Abgaben gewährt, wurde später auch von Rittern, Fürsten und Städten gern übernommen. So entstanden die Jahrmärkte und Messen. Sie sind nur dem Binnenlande eigen und dienten ursprünglich hauptsächlich dem Kleinverkehr mit dem geringeren Manne, während die Hafenplätze mit ihrer steten Lebendigkeit früh dem Großhandel Boden bereiteten.
Nun konnten die Waren in verlockender Ordnung und Fülle öffentlich ausgebreitet werden. Ein Tisch wurde aufgestellt, und der Händler vergaß nicht, ein Tuch als wirksamen Untergrund darüber zu decken. Die Witterung heischte ein schützendes Dach, und das Leinentuch des Wagens bot sich willig dar. Dieser Wagen blieb bis heute oft der feste Hintergrund der Bude; gewährte er doch auch sicheres Lager für Waren und Menschen. Für das Gestänge der Bude mag auch das Zeltvorbild mitgewirkt haben. Wie der Wagen führt das Kamel dieses Gerippe leicht mit. Der Bude eigentümlich ist das vorspringende Dach, welches Passanten und Käufern Schutz gegen Regen und Sonne gewährt, und in den engen Gassen eine anheimelnde Stimmung erzeugt. Doch muß es noch jetzt öfter verboten werden, diesen Vorraum zu weiteren Warenauslagen zu benutzen.
Bei den längerdauernden Messen war ein besserer Schutz erforderlich. Man errichtete Reisig- und Bretterbuden, die meist von den betreffenden Kommunen oder dort wohnenden Privaten gehalten, aufbewahrt und für die Meßzeit vermietet wurden. Bald jedoch finden wir auch Räume in den Häusern, besonders die gewölbten Untergeschosse,„messentlich“ dargeboten. Es bildeten sich hierbei vielfach Geschäftsgruppen, teils nach Landsmannschaften, teils nach Warenarten. So hatte man in Frankfurt am Main das Leinwandhaus, das Gewand- haus(für Tuche), ein Name, dessen Leipziger Klang in andere Sphären übergegangen ist. Sonst wurden in Frankfurt neben zahlreichen Privathäusern der Saalhof, die Stadtwage, die Mehlwage, der Braunfels und seit dem 15. Jahrhundert auch die untere Halle des Römers zum Meßverkehr benutzt. Der Wein hatte seinen bestimmten Platz am Mainflusse, zum Teil auf besonderen Weinschiffen, welche vom Rheingau heraufkamen und auch dem direkten Konsum dienten. Von der Büchermesse führt die Buchgasse noch heute ihren Namen.
Das Auswachsen mancher Messen zu wirklichen Großmärkten verdanken die be- treffenden Städte teils ihrer günstigen geographischen Lage an Knotenpunkten des Verkehrs, teils dem Gewerbfleiß ihrer Bewohner und vielfach auch örtlich beschränkter Produktion. So giebt es besondere große Umsatzstellen für Hopfen, Flachs, Leder, Pferde, Thee, Rauch- waren und Bücher.
Der erleichterte Verkehr der Neuzeit hat die Blüte der meisten Märkte und Messen geknickt. Handel und Industrie zentralisieren sich in der Großstadt. In seinen Niederlagen. Agenturen und Zweiggeschäften ist z. B. Berlin eine dauernde Messe. Jede größere Fabrik Deutschlands strebt nach einer Vertretung in Berlin, diesem Mittelpunkt des deutschen Handels.


