Aufsatz 
Grundzüge der kaufmännischen Architektur und ihre Behandlung im Unterrichte der Handelsschule
Entstehung
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Transport erfordert zwar auch Zeit und Kraft und überwindet durch sie den Raum, vor allen Dingen jedoch sind Transporträume nötig, die wir hier zu betrachten haben.

Eine zeitliche Trennung kann bedingt sein durch den unfertigen Zustand der Ware, durch das an bestimmte Zeiten gebundene Bedürfnis des Konsumenten und endlich durch die räumliche Entfernung. Das zuletzt genannte Hindernis läßt sich durch schnellen Transport wohl beschränken, aber nicht ganz aufheben. Es ist bekannt, welche Anstrengungen die Neuzeit in dieser Hinsicht macht. In jedem Falle jedoch muß die Ware befähigt werden, die Wartefrist ohne Schaden, vielleicht sogar mit Vorteil zu überdauern. Dazu sind geeignete Räumlichkeiten zu beschaffen. DiesLagern der Ware wird die weitesten Leistungen der Handelsarchitektur fordern. Das Lager endet an der Verkaufsstätte. DieserLaden ist erst recht Bauaufgabe: daß er praktisch und einladend sei, liegt im Vorteil des Kaufmannes.

Durchschreiten wir das bisher Vorgetragene rückwärts, so harren unser folgende

Lösungen: 5 I. Verkaufsräume.

II. Lagerräume.

III. Transporträume.

IV. Ausstellungsräume.

V. Bildliche und schriftliche Anpreisungen.

Hierzu muß bemerkt werden, daß diese Gruppen nicht überall scharf zu trennen sind, sondern vielfach ineinander fließen. Das hat seine Ursachen in der Art der Waren, welche der einzelnen Veranstaltungen mehr oder weniger bedürfen. Direkter Einkauf bei dem Produzenten kann manche Stufe überspringen. Es ist also auch die Art des kauf- männischen Betriebes, besonders die Notwendigkeit von Zwischenhandelsstellen, sowie die Gestaltung des Transportes dabei maßgebend.

Alle diese Dinge aber haben sich geschichtlich entwickelt. Auch die Kaufgelegenheiten. das Erstehen und Vergehen von Reichen und Städten, die Höhe der Kaufkraft, die Zahlungs- mittel und Kreditverhältnisse haben sich im Laufe der Zeiten für den Handel verschieden geltend gemacht. Doch nicht nur nacheinander treten die Stufen der Handelsentwicklung auf, sondern sie bestehen noch heute nebeneinander. Daher ist ein Blick in die Handels- geschichte nicht zu umgehen, wenn man die Handelsarchitektur verstehen will.

I. Verkaufsräume.

Das sind die Räume, in denen die Ware als solche ihr Ende findet und in den Besitz des Konsumenten übergeht. Es ist klar, daß die Gestaltung derselben hauptsächlich von der Art der Ware abhängig sein muß, doch haben sich dabei auch gewisse allgemeine Formen entwickelt. Dahin gehört besonders der Ladentisch zur Vorlage der Waren. Der Ubergang der Ware auf den Käufer geschieht gegen einen Ersatz gegen Geld. Dieses Geld hat jedoch nicht nur auch einen Eigenwert, sondern ist selbst als Vertreter anderer Werte zu einem Handelsartikel geworden, sodaß man unterscheidet: Warenhandel im engeren Sinne und Geldhandel. Letzterer findet seine Stätte in den Banken und Börsen. Der wirkliche Warenhandel empfängt seine Abstufungen danach, ob in einem und demselben Geschäfte nur eine Warensorte oder mehrere feilgeboten werden. Darauf beruht auch die berufliche Arbeitsteilung des Kaufmannsstandes. Es giebt so Spezialläden und Gesamtläden. In den letzteren wird die technische Trennung der Waren unvollkommen sein; zu ihrer Ver vollkommnung ist eine Anzahl von Räumen nebeneinander erforderlich, gleichsam eine Gesell- schaft von Spezialläden das moderne Warenhaus(Bazar, Großmagazin), welches so die berufliche Arbeitsteilung durch die technische ersetzt. Der Handelsbetrieb kann nun ein seßhafter oder ein wandernder sein, die Behälter der Waren somit fest oder beweglich. Es liegt in der Natur der Sache, daß der Wanderhandel meist Kleinbetrieb ist und oft nur von einer Person ausgeübt wird, von dem Hausierer. Doch kommt es auch vor, daß bei gewissen Gelegenheiten eine Schar solcher Wandervögel zusammenströmt. Das sehen wir auf den Märkten und Messen, deren Verkaufsräume die Buden sind.