14 3. Erfassen der Form als Ausdruck der Idee.— 4. Darstellen, d. i. Wiederholung der drei genannten Punkte und Ubung der Hand nebst Kenntnis der Darstellungsmittel.
Die Püdagogik hat eine Reihenfolge von Lehrthätigkeiten festgesetzt, welche für alle Fächer gilt, also auch hier anwendbar sein mutz: 1. Das Vorzeigen. 2. Das Vormachen oder Vorsprechen und Erzählen. 3. Das Beschreiben. 4. Das Entwickeln und zwar a. am Objekt, indem dies in seine Teile zerlegt wird. b. am Subjekt, indem der Gegenstand vor den Schülern neu entsteht und 8 die Möglichkeit der Anknüpfung an die Entwicklungsstufe der einzelnen Geister pietet. 5. Das Erklären, besonders das Hervorheben der wesentlichen Teile des Objektes im Gegensatz zu den unwesentlichen. 6. Das Beweisen. 7. Das Einüben und Wiederholen. 8. Das Verbessern. 9. Das Diktieren oder Wiederherstellen aus dem Gedächtnis mit Anwendung auch des früher Erworbenen.
Nun steht nichts dem Darbieten einer Anschauung für eine Schülermasse entgegen, vorausgesetzt, daß das Anschauungsobjekt groß genug ist, um von allen Schülern gesehen werden zu können. Diese Bedingung ist erfüllbar. Ebenso ist ein Ausmessen und Erfahren möglich, das nicht einmal von allen zu gleicher Zeit am Körper vorgenommen zu werden braucht, sondern abwechselnd von einzelnen bei Aufmerksamkeit der anderen. Auch spricht kein Grund dagegen, daß Anschauungen von größzeren Massen in Räumen von zwei oder drei Ausdehnungen wieder- gegeben werden, vorausgesetzt, daß die verwendeten Materialien gehörig zubereitet vorhanden sind. Die Verbesserung durch den Lehrer läßt sich ebenfalls allgemein geben. ISt dies aber möglich, dann läßst sich auch die Wiedergabe von erworbenen Anschauungen aus dem Gedächtnis und in Verbindung mit früheren Anschauungselementen zu neuen Gebilden in der Schule erreichen: Der Unterricht in den räumlichen Künsten kann schulgemäß gestaltet werden.
Noch einleuchtender wird es sein, daß die auch in jeder Kunst latent liegende Wissen- schaft und die Verbindung mit anderen Wissenschaften, sowie die Anwendung der Kunstprodukte in diesen sehr gut Gegenstand des Schulunterrichtes sein können.
Der Zeichenunterricht hat bisher alle diese Aufgaben fast allein zu lösen gehabt. Ein wichtiges Mittel, die Ausbildung des räumlichen Kunstsinnes zu fördern, bieten auch die Leibes- übungen, das Turnen. Der Geschichtskundige weiß, welchen hervorragenden Anteil die griechische Gymnastik an der Entwicklung der griechischen Plastik und des Kunstgewerbes gehabt hat. Wenn auch unser Klima den Betrieb des Turnens in griechischem Sinne nicht zuläßzt, und auch sonst die Ansichten über den Anblick des Nackten sich wesentlich verschoben haben, so kann unsere Turnerei den plastischen Sinn doch bedeutend heben, wenn sie sich dieser Seite bei ihren Darstellungen bewußit pleibt. Das Turnen soll nicht die rohe Kraft fördern, sondern sie ver- edeln; es soll die absolute Herrschaft des Geistes über die Körperkräfte zur Geltung bringen, den Körper als edles, gehorsames Werkzeug des Geistes schulen und so ein Ideal herstellen,


