Luthers Gedanken klingen in den Bestrebungen seiner Mitarbeiter und den durch diese entstandenen Schulordnungen wieder.
Auch die in der Folgezeit auftretenden hervorragenden Pädagogen Trotzendorf, Sturm, Ratichius und andere bewegten sich in den reformatorischen Bahnen und waren hauptsächlich bestrebt, dem Sprachunterrichte zu einer wirksamen Methode zu verhelfen.
Erst Amos Comenius hat in der dunklen Zeit des dreißigjährigen Krieges die helle Fackel der neueren Pädagogik entzündet, indem er aus dem Wesen des Menschen das Ziel und aus der damit verbundenen Berücksichtigung der Gesetze der äußeren Natur den Gang der Er- ziehung abgeleitet hat. Er hat dadurch so ziemlich alle didaktischen Grundsätze und Vorschriften. auf denen die heutige Lehrkunst beruht, aufgestellt, besonders das Prinzip der Anschauung als den Urgrund der Belehrung, die Konzentration des Unterrichts, die Aufnahme der Realien, die Zugrundelegung der Muttersprache beim Unterricht, die gleichzeitige Beschäftigung sämtlicher Schüler einer Klasse im Sinne des Massenunterrichtes. Auch die Forderung eines Zeichenunter- richtes in der Volksschule tritt klar und deutlich auf.
So schreibt er:
»In der Volksschule werden die inneren Sinne, Einbildungskraft und Gedächtnis nebst den ausübenden Organen, Hand und Zunge, durch Lesen, Schreiben, Zeichnen, Singen, Zählen, Messen, Wäügen geübpt.«
Ferner:
»Es sollen auch die Kinder zum Malen und Schreiben angeführt werden, daß sie bald im dritten und vierten Jahre(darnach man ihr Ingenium merkt oder merken kann) mit Kreide oder Kohle Punkte, Linien, Kreuze, Ringlein malen, wie sie wollen, was man ihnen allmählich und spielender Weise zeigen kann. Dann werden also ihre Händlein fähig, die Kreide zu halten und Züge zu machen, und sie begreifen. was ein Punkt oder Linie sei, was den Präzeptoren hernachmals zu hübschem Vorteil gedeihen wird. Die Kinder thun gern allzeit etwas; denn das junge Blut kann nicht lang stillstehen, und solches ist sehr gut.— Die Kinder bauen und kleben auch gerne von Lehm, Spähnen, Holz oder Steinen Häuser, welches der Anfang der Baumeisterei ist. In Summa: Womit nun die Kinder spielen wollen und ohne ihren Schaden können, dazu soll man ihnen lieber helfen, denn wehren, weil Mütßsiggang dem Leibe und auch dem Gemüte schädlich ist.— Man soll auch den Knaben zulassen, die Gemähle(aus dem Orbis pictus) mit der Hand nachzumahlen, so sie Lust dazu haben; ja so sie keine haben, muß man ihnen Lust dazu machen: Erstlich darum, damit sie dadurch gewohnen, einem Ding recht nachzusinnen und darauf scharf Achtung zu geben; dann auch abzumerken das Ebenmaß der Dinge, in Gegeneinanderhaltung der- selben; endlich, die Hand geübt und fertig zu machen, welches zu vielem gut ist.«
Comenius wollte also das Studium der Formen nicht auf die zeichnerische Darstellung peschränkt wissen; er verlangt das Ausmessen räumlicher Größen und die Bekanntmachung der Schüler mit den wichtigsten Handwerken,»sei es ploß zu dem Zwecke, daß sie bezüglich dessen, was im menschlichen Leben vorgeht, nicht in gar zu grober Unkenntnis sind, oder sei es, damit, sich später die Neigung des Naturells, wohin sich jeder am meisten gezogen fühlt, leichter zeige«.
Das Kapitel 21 der Didactica magna handelt von der Methode der Künste und enthält auch folgende Sätze:


