Aufsatz 
Die räumlichen Künste in der Schule
Entstehung
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Von den Römern mit ihrem praktischen Sinne ist erst recht keine Förderung der Kunst im allgemeinen oder im Jugendunterrichte zu verzeichnen. Sie pflegten wohl Wissenschaften, besonders diejenigen, welche einen praktischen Wert für das Erwerbs- oder Staatsleben hatten, wie sie es denn auch waren, welche zuerst das Studium fremder Sprachen als besonderen Bildungs- zweig betrieben. Das Völkergemisch ihres Reiches und die ausgedehnten Handelsbeziehungen drängten allerdings dazu.

Mit der Erstehung und Ausbreitung des Christentumes erfolgte ein grundsätzlicher, wich- tiger Umschwung im Jugendunterrichte. War bis dahin die Bildung ein Vorrecht der Begüterten und Hochstehenden, so forderte das Christentum Gleichheit für alle in dem, was zum Verständnis der christlichen Wahrheit nötig ist: also eine N Volksbildung und Volksunterricht. Ist auch dieses Unterrichtsgebiet zunächst ein sehr beschränl ktes, so ist doch auf dem damit gegebenen Grunde allein eine allgemeine Menschenbildung möglich, eine Bildung, die auch dem Armen, aber Begabten emporhilft und eine ununterbrochene Entwicklung der Mensch heit gewährleistet.

Da naturgemäß diese christliche Erziehung eine religiös-sittliche sein mufte, und die entstehende christliche Kirche von der Unsittlichkeit und Verderbtheit des umge denden Heiden- tums ein schlechtes Beispiel fürchtete, so verlegte man ebenso naturgemäßz den Jugendunterricht bald in die neu aufblühenden Klöster, wo jedenfalls die Vorbedingungen einer guten, ruhigen christlichen Erzichung am besten gegeben waren. Da in den folgenden wilden Zeiten die Klöster stille Inseln blieben, so retteten sich dahin auch Wissenschaft und Kunst. So wurden die Kloster- schulen auch neben Pflanzstätten der Religion und Sitte die einzigen Quellen der geistigen Aus- bildung. Daß die Zeichenkunst hier nicht, ganz vernachlässigt wurde, beweisen die reizenden Miniaturen der zahlreichen Handschrifte en.

Mit der Festigung des fränkischen Reiches kam auch die Kirche in ihrem Ausbau vor- wärts, und besonders in den Wohnsitzen der Bischöfe regte sich erhöhtes geistiges Leben. Das Wirken Karls des Groß zen, das sich in derselben HRichtung bewegte, daneben aber das nationale Element und die Muttersprache betonte, blieb leider in den letzteren Punkten für die nächste Zukunft unfruchtbar. Wenn in den fritterhungen dlnühlich die körperliche Erziehung mehr Raum gewann, und in einzelnen Städten auch weltliche Schulen entstanden, so gingen doch diese Bestrebungen nicht über die sieben freien Künste hinaus, ja sie sanken sehr oft auf einen Teil dieser Sieben oder gar zu einer Drillanstalt der notwendigsten Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen. Die Schule wurde verderbt, weil die Kirche verderbt war. Eine Wiedergeburt der Schule, für die Volksschule zunächst die eigentliche Geburt, war darum nur durch eine Wiedergeburt der Kirche möglich.

Zwar hatten die Humanisten einer E rneuerung der Jugendbildung schon vorgearbeitet, indem sie die Schriftsteller der Griechen und Römer wieder ans Licht zogen, die Kenntnis der alten Sprachen erweiterten und verbreiteten, auch wohl schon darauf drangen, selbst sachliche Kenntnisse aus diesen Schriftstellern zu schöpfe n; aber erst Luther hat durch sein zielbewußtes Drängen in den Städten die Lust und den Eiter zu Schulgründungen geweckt. Standen ihm freilich kirchliche Zwecke zunächst am höchsten, so wollte er doch das Studium der alten Sprachen auch aus allgemeinen Gründen; er nennt sie die Scheiden, darin ein Messer des Geistes steckt. Auch den Betrieb der Musik will er nicht nur im Hinblick auf die Kirche, sondern nennt sie ein Mittel, um Zorn, Unkeusc hheit, Hoffart und andere Laster zu ve rgessen, und sagt:»Wer diese eunst kann, der ist guter Art, zu allem geschickt«. Die Leibesübungen finden in ihm ebenfalls einen eiftigen Vormund.