Aufsatz 
Ueber die Verwertung des geschichtlichen Elements im chemischen Unterricht / von L. Knöpfel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ueber die Verwertung des geſchichtlichen Elements im chemiſchen Unterricht.

Inhalt: IJ. Einleitung. II. Die Verbrennungslehre in ihrer geſchichtlichen Entwicklung. III. Einige Bemerkungen hierzu. IV. Die geſchichtliche Entwicklung ein Vorbild der Schulmethode. V. Die Verwertung der geſchichtlichen Entwicklung an einzelnen allgemeinen Beiſpielen ausgeführt.

J. Einleitung.

Die Geſchichte der Methodik des naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts*) lehrt, daß gegenüber der mehr oder weniger dogmatiſchen Behandlung der Naturwiſſenſchaften auf den Univerſitäten gerade von ſeiten der Schule auf die allerdings ſchwierigere, aber für die Ausbildung des Geiſtes auch allein richtige entwickelnde Methode hingewieſen wurde. Dieſterweg beſchreibt dieſe beiden Methoden ſo ſchön in ſeinemWegweiſer für deutſche Lehrer:Der wiſſenſchaftliche Unter⸗ richt, wie wir ihn z. B. auf den Univerſitäten antreffen, beginnt in der Regel mit den allgemeinſten Sätzen, mit Axiomen, Definitionen, allgemeinen Einteilungen, Prinzipien, aus denen das Beſondere und Einzelne abgeleitet wird. Wie die Wiſſenſchaft hier aufgeſtellt wird, alſo iſt ſie nicht ent⸗ ſtanden. Denn der menſchliche Geiſt kennt und entdeckt erſt das Einzelne, Beſondere, woraus er ſpäter das Allgemeine entwickelt. Dieſer Anfang vom Einzelnen, Speziellen und Individuellen und der Fortſchritt zum Allgemeinen iſt alſo der naturgemäße Gang der Entwicklung. Darum ſchlägt jeder bildende Unterricht dieſe elementare Methode ein, welche der wiſſenſchaftlichen gerade entgegen⸗ geſetzt iſt. Der wiſſenſchaftliche Lehrer trägt vor, doziert, gibt. Er macht die Viſſenſchaft, die er vorträgt, oder ſich ſelbſt, da er der Darſtellende iſt, zum Mittelpunkt der Bewegung oder vielmehr des Stillſtands. Umgekehrt verfährt der Elementarlehrer, auch in der Wiſſenſchaft. Er faßt den Schüler auf dem Standpunkt, auf dem derſelbe ſteht, ſetzt ihn durch Fragen, die an ſeine Erkenntnis anknüpfen, in Bewegung, weckt dadurch ſeine Selbſtthätigkeit und leitet ihn durch fortwährende Er⸗ regung zur Auffindung und Erzeugung neuer Gedanken und Erkenntniſſe an. Alſo macht die

*) Sehr empfehlenswert iſt Kehrs Geſchichte der Methodik des deutſchen Volksſchulunterrichts.